Fonds

Aktienrally in Japan erhält von ausländischen Fonds Rückenwind

14.10.2005
, 15:05
Das internationale Interesse an japanischen Aktien hat in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Der Glaube an die Wirtschaftserholung in Japan verdichtet sich. Amerikanische und europäische Anleger schichten um.

Als Analysten von Nomura Securities im vergangenen Monat weltweit 13 Städte besuchten, um ihre Einschätzung der japanischen Aktien vorzustellen, kamen mehr als 1.500 europäische, asiatische und amerikanische Fondsverwalter.

„Zu unseren Meetings kam eine breitere Gruppe an Investoren: mehr Privatbanken, Hedge Fonds-Gesellschaften und Versicherungen“, berichtet Chisato Haganuma, Chef-Stratege beim größten Brokerhaus des Landes in Tokio. „So etwas haben wir noch nie gesehen.“

Glaube an die Wirtschaftserholung in Japan verdichtet sich

Das wachsende Interesse aus dem Ausland an japanischen Aktien hat mit dazu beigetragen, daß der Nikkei 225 Stock Average den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren erreicht hat. Der Markt verzeichnet Rekordzuflüsse aus dem Ausland, nachdem die Wirtschaft stärker wächst und vor der längsten Expansionsphase seit acht Jahren steht.

„Langsam wird akzeptiert, daß es sich hier nicht um eine kurzlebige Entwicklung handelt“, erklärt Alexander Prout, Vorstandschef von Invesco Asset Management in Tokio, einer Tochtergesellschaft von Amvescap. Fonds, die in japanische Aktien investieren, verzeichneten in der Woche bis zum 5. Oktober einen Rekordzufluß von 1,54 Milliarden Dollar, geht aus Daten von Emerging Portfolio Fund Research hervor. Die Zuflüsse der letzten zwei Wochen summieren sich auf fast die Hälfte der 5,5 Milliarden Dollar, die seit Jahresbeginn eingesammelt wurden.

In den ersten neun Monaten des Jahres steckten ausländische Investoren 7,23 Billionen. Yen (52,6 Milliarden Euro) mehr in japanische Aktien, als sie abzogen, gab die Börse Tokio bekannt. Damit wurde schon fast das gesamte Ergebnis für 2004 erreicht, als netto 7,65 Billionen. Yen nach Japan flossen. Etwa zwei Drittel der Gelder kamen in den letzten drei Monaten, nachdem sich abzeichnete, daß die Partei von Ministerpräsident Junichiro Koizumi die Wahlen am 11. September gewinnen würde. Hinzu kam, daß das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal mit 3,3 Prozent dreimal höher als erwartet ausfiel.

Steht die „Japan-Rally“ erst am Anfang?

Haganuma von Nomura geht davon aus, daß die Rally der japanischen Aktien erst an ihrem Anfang steht. In den kommenden zehn Jahren werde sich die Börse in Japan besser entwickeln als in Amerika, prognostiziert er und verweist darauf, daß sich japanische Privatanleger den institutionellen Investoren anschließen und verstärkt als Käufer auftreten werden. Die Gewinne der Unternehmen werden seiner Ansicht nach auch weiterhin steigen, beflügelt vom Wachstum der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft.

Im Geschäftsjahr ab April 2006 dürfte der Vorsteuergewinn aus dem laufenden Geschäftsbetrieb der 400 größten japanischen Unternehmen 10,6 Prozent zulegen und damit mehr als doppelt so stark wie in den laufenden zwölf Monaten. Die Gewinnmargen der Unternehmen werden Nomura zufolge in den nächsten zwei Jahren voraussichtlich auf knapp sieben Prozent steigen, was der beste Wert seit mindestens 1970 wäre. Die Analysten des Brokerhauses sind in elf der letzten zwölf Jahre in Umfragen der Zeitschrift Institutional Investor zur Nummer eins für japanische Aktien gewählt worden.

Der japanischen Aktienmarkt profitiert auf Kosten Amerika und Europas. Aus Fonds, die in amerikanischen Aktien anlegen, wurden seit Anfang Januar netto etwa 5 Milliarden Dollar abgezogen, aus europäischen Aktienfonds etwa 2 Milliarden Dollar. In Europa „haben die Investoren vor allem aus dem Euroraum und in gewissem Ausmaß auch aus Großbritannien Gelder abgezogen“, erläutert Andrew Milligan, Leiter weltweite Aktienstrategie bei Standard Life Investments in Edinburgh.

Die Kursperformance im zweiten Halbjahr spiegelt diese Entwicklung wider. Seit dem 30. Juni hat der japanische Nikkei 16 Prozent gewonnen und erreichte am 4. Oktober den höchsten Stand seit Mai 2001. Der europäische Dow Jones Stoxx 600 Index hat in dem Zeitraum sechs Prozent zugelegt und der Standard & Poor's 500 Index büßte 0,5 Prozent ein.

Quelle: Bloomberg
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