Fonds

Aufsichtsbehörden greifen im Fondsskandal hart durch

Von Emily Thornton, BusinessWeek Online
27.11.2003
, 10:11
Der skandalumwitterte Security Trust wird geschlossen. Damit haben die Aufsichtsbehörden die nächste Phase ihres Feldzugs gegen unsaubere Praktiken eingeleitet, so Emily Thornton von BusinessWeek Online.
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Im jüngsten Kapitel der Fortsetzungssaga um Skandale bei Investmentfonds haben die Aufsichtsbehörden Betrugsvorwürfe gegen ehemalige Spitzenmanager eines Unternehmens erhoben, das Investmentfonds-Handelsorders für Tausende von Pensionsfonds sowie privaten Rentenversicherungen abwickelt.

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Am 25. November kündigte der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer an, daß gegen drei ehemalige, hochrangige Manager des in Phoenix ansässigen Security Trust Anklage wegen der Beihilfe zum illegalen „Late Trading“ von Investmentfonds erhoben werden solle. Gleichzeitig reichte die Börsenaufsichtsbehörde (Securities and Exchange Commission, SEC) Anklage wegen Betruges gegen das Unternehmen und seine ehemaligen Manager ein.

Strategie der Aufsichtsbehörden hat sich geändert

Aufgrund der Vorwürfe forderte die Aufsichtsbehörde im Finanzministerium das Unternehmen Security Trust auf, sich bis zum 31. März 2004 aufzulösen, wobei die Interessen der Pensionsempfänger gewahrt bleiben müssen. “Dieses Vorgehen ist ein äußerst positives Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen den Behörden des Bundes und der Einzelstaaten“, sagte der Leiter der Aufsichtsbehörde, John Hawke Jr., in einer Stellungnahme. In einer davon unabhängigen Vereinbarung sagte Security Trust, das Unternehmen werde „mit allen Behörden zusammenarbeiten, um eine ordentliche Auflösung zu erreichen.“

Die Schließung von Security Trust zeigt, daß sich die Strategie der Aufsichtsbehörden deutlich geändert hat. Als Spitzer für eine Reform der Research-Aktivitäten an der Wall Street kämpfte, betonte er wiederholt, daß er nicht daran interessiert sei, eine Schließung großer Unternehmen zu erzwingen. Im Fall von Security Trust waren die Vorwürfe jedoch so umfangreich und gravierend, daß Spitzers Behörde eine Schließung nunmehr für erforderlich hält. Die Aufsichtsbehörde wird das Unternehmen so lange am Leben erhalten, bis die Pensionsempfänger ein neues Unternehmen für die Abwicklung ihrer Handelsaktivitäten gefunden haben.

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Late Trades wurden als rechtzeitig abgewickelte Orders ausgegeben

In der achtseitigen Anklageschrift gegen Security Trust wirft Spitzer dem früheren Vorstandsvorsitzenden Grant Seeger, dem ehemaligen Präsidenten William Kenyon sowie der ehemaligen Vizepräsidentin für Unternehmensdienstleistungen Nicole McDermott vor, Geschäftsunterlagen gefälscht und Vermögenswerte im Wert von über einer Million Dollar veruntreut zu haben. Der Anklage zufolge haben die Beschuldigten „Late Trades“ mit einer Reihe von Hedge Fonds namens Canary auf eine Weise durchgeführt, als handele es sich um rechtzeitig abgewickelte Orders, indem sie diese als Aufträge eines ihrer zahlreichen Pensionspläne tarnten.

Spitzer erläuterte, daß der ehemalige Angestellte des Unternehmens Jay Marran, Vizepräsident des Bereichs Investmentfonds-Dienstleistungen von Oktober 2002 bis Oktober 2003, und Edward Stern, der Leiter der Reihe von Hedge Fonds namens Canary, ihm gegenüber erklärt haben, die drei ehemaligen Manager von Security Trust hätten „mehrfach Investmentfonds gegenüber fälschlich erklärt bzw. Angestellte von Security Trust dazu angehalten, fälschlich zu erklären, daß die Canary-Trades von Pensionsfonds und privaten Rentenversicherungen ausgingen.“

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Immer mehr Vorwürfe kommen ans Tageslicht

Bei den betrogenen Investmentfonds handelt es sich laut Spitzers Anklageschrift um den MFS Emerging Growth Fund, den Legg Mason Value Trust Fund, den Artisan International Fund, den AXP International Y Fund, den SEI International Equity A Fund und den SEI International Emerging Markets I Fund.

Ein Rechtsanwalt des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Grant Seeger sagte, sein Mandant habe „nichts Illegales“ getan. Die beiden anderen Beschuldigten äußerten sich bislang nicht zu den Vorwürfen. Je weiter die Untersuchung fortschreitet, desto mehr Vorwürfe dürften gegen Hedge Fonds, Investmentfonds, Trusts und Maklerhäuser erhoben werden. „Anhaltende Rechtsverletzungen müssen mit angemessenen Strafen bedacht werden“, sagte Spitzer in einer Stellungnahme am 25. November. Was „angemessen“ ist, dürfte jedoch jetzt deutlich strenger ausgelegt werden als zuvor.

Quelle: @cri
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