Fonds

Börsengehandelte Indexfonds schaffen den Durchbruch

27.01.2005
, 22:00
Durchbruch für die Exchange Traded Funds: Im Neugeschäft überholt der deutsche Anbieter Indexchange alle etablierten Fondsgesellschaften. Zur Freude der Anleger dürfte sich der Wettbewerb 2005 noch einmal verschärfen.

Das vergangene Jahr hat den börsengehandelten Indexfonds - auch Exchange Traded Funds (ETF) genannt - den Durchbruch beschert. Mit einem Nettomittelzufluß von 2,4 Milliarden Euro führt der deutsche Anbieter Indexchange 2004 die Absatzstatistik des Verbandes der Fondsbranche BVI an.

Damit liegt die Tochtergesellschaft der Hypo-Vereinsbank vor dem Allianz-Konzern mit einem Neugeschäft von 2,3 Milliarden Euro und der Union-Holding aus dem Verbund der Genossenschaftsbanken mit 1,6 Milliarden Euro.

Etablierung als feste Größe

Der, gemessen am verwalteten Vermögen, größte deutsche Anbieter von Publikumsfonds, die Investmentgesellschaft der Deutschen Bank DWS, kam in einem für die Fondsbranche insgesamt schwierigen Jahr auf einen Nettomittelzufluß von lediglich 48 Millionen Euro. Mit dem jüngsten Absatzerfolg haben sich börsengehandelte Indexfonds knapp fünf Jahre nach dem Auftauchen der ersten Produkte dieser Art als feste Größe auf dem hiesigen Fondsmarkt etabliert. "Die Ergebnisse zeigen das große und weiter wachsende Interesse der Anleger an den kostengünstigen, liquiden und präzisen ETFs", heißt es in einer Mitteilung von Indexchange.

Die wichtigste Eigenschaft dieser Anlageprodukte besteht darin, daß sie die Wertentwicklung eines Index - am weitesten verbreitet ist der Euro Stoxx 50, in dem die wichtigsten Standardwerte des Euro-Raums zusammengefaßt sind - nahezu identisch nachvollzieht. Dabei sind sie kostengünstiger als normale Aktienfonds. Zum einen beträgt die jährliche Verwaltungsgebühr im Normalfall nicht mehr als 0,5 Prozent des verwalteten Vermögens, während bei klassischen Aktienfonds zwischen 1 und 1,5 Prozent üblich sind. Zum anderen entfällt der Ausgabeaufschlag. Lediglich die üblichen Transaktionskosten beim Kauf und Verkauf über die Börse werden fällig, die aber deutlich unter 5 Prozent liegen sollten. Gegenüber Zertifikaten haben börsengehandelte Indexfonds zudem den Vorteil, daß kein Emittentenrisiko besteht, das Anlegervermögen beim Konkurs eines Anbieters also nicht verloren ist.

Größter ETF-Anbieter in Europa

Trotz aller Vorzüge stützt sich das Geschäft aber immer noch auf das Interesse großer institutioneller Investoren. Privatanleger halten sich dagegen noch zurück. Ihr Anteil wird nur auf 10 Prozent am verwalteten Vermögen geschätzt. Dies ist vor allem auf die günstige Gebührenstruktur zurückzuführen. Weil etwa Indexchange keine Provisionen an Vermittler zahlt, bieten Finanzberater nur in Ausnahmefällen diese Produkte ihren Kunden an - sie können nichts daran verdienen.

Das im vergangenen Jahr von Indexchange verzeichnete Wachstum ist gewaltig. So stieg das verwaltete Vermögen im Jahresverlauf von 3,7 auf 6,4 Milliarden Euro. Gemessen an dieser Größe, ist das vergleichsweise junge Unternehmen inzwischen schon der achtgrößte deutsche Anbieter von Publikumsfonds und der größte ETF-Anbieter in Europa. Unter den einzelnen Produkten profitierte am stärksten der Fonds, der den Deutschen Aktienindex Dax nachbildet. Dessen Volumen wuchs im Jahresverlauf um 71 Prozent. Derzeit beträgt es 1,7 Milliarden Euro. Das Volumen des Euro-Stoxx-50-Indexfonds stieg um 50 Prozent und liegt aktuell bei rund 2 Milliarden Euro. Auch die neuen Renten-Indexfonds entwickelten sich zum Absatzrenner und sammelten im Jahresverlauf knapp eine halbe Milliarde Euro an zusätzlichen Mitteln unter den Anlegern ein.

Verschärfung des Wettbewerbes

Der zweitgrößte ETF-Anbieter, Barclays Global Investors (BGI), verzeichnete im vergangenen Jahr ebenfalls eine erfreuliche Geschäftsentwicklung. Dessen Fonds unter der Marke "I-Shares" sammelten 1,5 Milliarden Euro an neuem Geld ein. Nach der Übernahme der ETFs von Merrill Lynch verwaltet BGI in Europa inzwischen ein Vermögen in Höhe von 5,7 Milliarden Euro.

Zur Freude der Anleger dürfte sich der Wettbewerb in diesem Jahr noch einmal verschärfen. So hat etwa die Deutsche Börse die exklusive Lizenzvergabe für einen Dax-ETF an Indexchange jetzt geöffnet, verlautet aus Finanzkreisen. Künftig können also auch andere Anbieter einen börsengehandelten Indexfonds auflegen, der sich am Dax-Verlauf orientiert. Namen wurden allerdings noch nicht genannt. Verläuft das Geschäft ähnlich wie beim Euro Stoxx 50, den mittlerweile vier Anbieter im Programm haben, so dürfte eine Gebührensenkung nicht lange auf sich warten lassen.

Quelle: sfu. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2005, Nr. 23 / Seite 21
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