Fonds

In Amerika eskaliert der Streit über Fondsgebühren

16.12.2003
, 14:06
Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer will mit aller Macht die von Fonds erhobenen Gebühren drücken. Mit anderen Experten streitet er sich darüber, wie aktiv der Staat in die Gebührenordnung eingreifen soll.

Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer fordert, daß die Gebühren der Investmentfonds in Vergleichsverhandlungen mit der Fondsbranche über unsaubere Handelspraktiken einbezogen werden. Er will die seiner Meinung nach „überzogenen" Fondsgebühren nach unten bringen.

Hingegen argumentiert der SEC-Vorsitzende William Donaldson, die Gebühren sollten nicht Teil der Vergleichsverhandlungen sein, sondern den Marktkräften überlassen werden. Bei dem Streit geht es um Einiges: Über 80 Millionen amerikanische Aktienfondsanleger zahlen pro Jahr etwa 18 Milliarden Dollar an Fondsgebühren.

„Wenn ein Staatsvertreter bei einer internationalen Fondsgesellschaft hereinmarschiert und ihnen vorschreibt, was sie verlangen soll, dann geht das zu weit," kritisiert Joseph Del Raso, Leiter Fondspraktiken bei der Sozietät Pepper Hamilton LLP in Philadelphia.

Andere hingegen unterstützen die Forderung von Spitzer. „Donaldson gibt schon seit langer Zeit die selben Allgemeinplätze von sich, hat aber nichts erreicht," kritisert John Freeman, Juraprofessor an der University of South Carolina in einem Interview mit Bloomberg News. „Spitzer bewegt sich in die richtige Richtung."

Gebühren im Schnitt bei 14 Dollar pro 1.000 Dollar-Anlagekapital

Nach den Daten von Bloomberg verlangt Alliance Capital Management LP die höchsten Gebühren unter den 25 größten Fondsmanagern in AMerika. Alliance hat in den Vergleichsverhandlungen angeboten, die Gebühren zu senken, verlautete aus unterrichteten Kreisen. Wenn Alliance zustimmt, die Gebühren zu senken, werden andere Fondsgesellschaften folgen, erwartet Louis Navellier, Präsident der Vermögensverwaltung Navellier & Associates.

Im Schnitt verlangen die amerikanischen Aktienfonds eine Gebühr von 14 Dollar pro 1.000 Dollar Anlagekapital, geht aus Bloomberg-Daten hervor. Die zweithöchsten Gebühren kassiert Mass Mutual Financial Group mit 19,98 Dollar pro 1.000 Dollar. Auf Platz drei lag Federated Investors Inc. mit 18,45 Dollar. Merrill Lnych &Co. und Goldman Sachs Group Inc. landeten mit 17,37 Dollar beziehungsweise 16,55 Dollar auf den Plätzen sieben und acht.

Fondsgesellschaften kassieren von den Anlegern im Schnitt doppelt so viel wie sie für ähnliche Produkte von Pensionsfonds und anderen institutionellen Anlegern verlangen. Zu diesem Schluß kam eine Studie von Professor Freeman. Zum Beispiel berechnete Alliance ihren Investmentfondskunden eine Verwaltungsgebühr, die viermal so hoch war wie die Gebühr, die Pensionsfonds für vergleichbare Investments zahlten - 0,84 Prozent gegenüber 0,18 Prozent, so Freeman.

Institutionelle Investoren achten mehr auf die Kosten, erläutert Freeman. Die Fondsgesellschaften verteidigen sich, es sei teurer, Investmentfonds zu verwalten als Portfolios für Pensionsfonds. Sie führen die Berichtspflichten an und die Notwendigkeit, den Investoren einen täglichen Handel zu ermöglichen.

Strittig, wie aktiv der Staats in die Gebührenordnung eingreifen soll

Spitzer fordert die Aufsichtsbehörden auf, die Aufsichtsräte der Fonds zu zwingen, härter bei den Gebühren an die Fondsmanager zu verhandeln, beispielsweise über Konkurrenzangebote. Eine andere Möglichkeit wäre, den Fondsgesellschaften vorzuschreiben, sie dürften den Investmentfondsanlegern nicht mehr als institutionellen Kunden abverlangen.

Arthur Levitt, SEC-Vorsitzender von 1993 bis 2001, stimmt Spitzer zu, daß die Gesamtgebühren häufig zu hoch sind. Aber er ist nicht der Ansicht, der Staat solle die Gebühren bestimmen. „Meiner Meinung nach ist alles, was über ein Prozent liegt, indiskutabel," erklärte Levitt in einem Interview mit Bloomberg News. „Aber wenn die SEC, der Kongreß oder der Generalstaatsanwalt sagt, die Gebühren müssen gesenkt werden, verzerrt das den Marktprozeß. Der Markt sollte die Gebühren bestimmen und nicht der Staat."

Der SEC-Vorsitzende Donaldson will Abhilfe schaffen, indem die Fonds ihre Gebühren häufiger und klarer ausweisen müssen als derzeit. Er ist gegen die Bestrebungen von Spitzer und anderen Aufsichtsbehörden, die Gebührendebatte mit in die Vergleichsverhandlungen hineinzuzwängen. „Wir sollten nicht mit zivil- oder strafrechtlichen Klagen drohen, um Konzession herauszupressen, die nichts mit den Gesetzesverstößen zu tun haben, die ihnen vorgeworben werden," erklärte er vor dem Bankenausschuß des Senats.

Spitzer erhebt schwere Vorwürfe gegen die Fondsführung

Spitzer hält dagegen, daß durch die schlechte Fondsführung ein Zusammenhang zwischen hohen Gebühren und illegalem Fondshandel besteht. In den Aufsichtsräten, die von den Fondsgesellschaften ernannt werden, sitzen häufig Mitarbeiter der Fondsgesellschaften, manchmal sogar auf dem Stuhl des Vorsitzenden. Der Aufsichtsrat genehmigt die Gebührenstruktur und stellt die Fondsmanager ein.

„Die unsauberen Handelspraktiken und die unverschämten Gebühren sind beides eine Folge der Führungsstruktur, die den Fondsmanagern es möglich machte, sich auf Kosten der Anleger zu bereichern," sagte Spitzer vor dem Bankenausschuß des Senats.

Quelle: Bloomberg
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