Fonds

Ist die Party der Hedge Fonds vorbei?

Von Amy Borrus, BusinessWeek Online
09.08.2005
, 10:55
Enttäuscht vom mäßigen Erfolg „normaler Fondsmanagern“ strömen vor allem insitutionelle Anleger wie die Lemminge in die Hedge-Fonds-Arena. Doch die Party könnte längst vorbei sein, denkt Amy Borrus von BusinessWeek Online.

Zwei Jahre brauchte Peter Gilbert, Chef-Investment-Officer des Pensionssystems für die Mitarbeiter des Staates Pennsylvania, um seinen Aufsichtsrat davon zu überzeugen, in das kalte Wasser der Hedge Fonds einzutauchen.

Als der Pensionsfonds 1999 den Sprung wagte, tummelten sich nur wenige große Institutionen in dem Pool des Privatkapitals, der überwiegend von wohlhabenden Einzelpersonen und Familien dominiert war. Doch „wir waren enttäuscht von den Fähigkeiten der normalen Fondsmanager, die Benchmark über einen längeren Zeitraum zu schlagen“, erinnert sich Gilbert.

Enttäuscht von „normalen Fondsmanagern“ ...

Dies erwies sich als kluger Schachzug. Hedge Fonds, die inzwischen 20 Prozent der Vermögenswerte des Pensionsplans von Pennsylvania ausmachen, haben dem 26 Milliarden Dollar schweren Pensionsfonds allein 500 Millionen Dollar an zusätzlichem Gewinn gebracht. Im vergangenen Jahr brachten die Investments in Hedge Fonds ein Plus von 15,6 Prozent im Vergleich zu 10,9 Prozent beim Standard & Poor's 500.

Heutzutage ist der Pennsylvania-Fonds kein Außenseiter mehr. Angelockt von den Aussichten auf ähnliche Gewinne, drängen sich Pensionsfonds und andere institutionelle Anleger in das Geschäft mit Hedge Fonds.

Amerikanische Institutionen haben die Vermögenswerte der Hedge Fonds im vergangenen Jahr um 50 Prozent auf mehr als 100 Milliarden Dollar gesteigert. Nach Einschätzung der Investment-Management-Berater Casey, Quirk & Associates sollen sie bis 2008 weiter bis auf 300 Milliarden Dollar wachsen.

Doch viele institutionelle Investoren setzen wie im Blindflug auf Hedge Fonds. In einer Umfrage unter 45 Top-Institutionen gaben 59 Prozent an, sie befürchteten einen größeren Kollaps der Hedge Fonds innerhalb der kommenden zwei Jahre. 97 Prozent rechneten damit, daß die zukünftigen Renditen der Hedge Fonds nicht die Performance in der Vergangenheit erreicht.

Mehr als ein Drittel oder 35 Prozent gaben an, sich auf eine Strategie des Hedgens zu beschränken, während vier Prozent der Meinung waren, ihre Aufsichtsräte seien nicht in der Lage, bei Investitionen in Hedge Fonds ihrer treuhänderischen Pflicht zu genügen. Trotzdem beabsichtigten 43 Prozent, ihre Anlagen in Hedge Fonds innerhalb von fünf Jahren auf mehr als 20 Prozent des Vermögens zu steigern. Gegenwärtig sind es gerade einmal 23 Prozent, die auf diesen Anteil an Hedge Fonds-Investitionen kommen.

... ergibt sich ein scheinbarer Zwang zu Hedge-Fonds-Investments ...

Diese zwiespältigen Ansichten spiegelten den immensen Druck auf die Investoren - vor allem von unterinvestierten Pensionsfonds - wider, ihre Renditeziele in glanzlosen Märkten einzuhalten, sagt David J. Rothkopf, Vorsitzender von National Strategic Investment Dialogue, das die Umfrage durchgeführt hat.

„Wenn sich die Masse in die Hedge Fonds bewegt, will niemand draußen bleiben und riskieren, zurückzufallen“, sagt Rothkopf. Bei der anonymen Umfrage auf einer zweitägigen, von der Arlingtoner Investmentberatung Strategic Investment Group gesponserten Konferenz wurden 45 Fondsmanager, die ein Vermögen von insgesamt 350 Milliarden Dollar verwalten, um ihr Feedback gebeten. Unter den Teilnehmern waren die Verantwortlichen der Pensionsfonds, Stiftungen und Studienstiftungen von General Motors, Lockheed Martin, der Harvard Universität und der Ford-Foundation.

Die Manager haben einen berechtigten Grund, schwache Knie zu bekommen. Im ersten Halbjahr 2005 lagen die Renditen der Hedge Fonds im Durchschnitt bei erbärmlichen 1,06 Prozent, hat die Hennessee Group, ein New Yorker Investment-Research-Unternehmen, herausgefunden. Einige große Hedge Fonds hätten sogar Verluste eingefahren.

Vor dem Hintergrund einer vermutlich mageren Ausbeute auf den Aktien- und Anleihemärkten und talentierten Fondsmanagern, die sich zuhauf auf Hedge Fonds konzentrieren, sehen viele institutionelle Anleger Hedge-Strategien als beste Möglichkeit, fette Gewinne zu erzielen und das Risiko zu minimieren.

„Es gibt sicher ein gewisses Maß an Vorsicht bei den Hedge Fonds, doch die Gier ist größer, weil sonst kaum Möglichkeiten für Renditen bestehen“, sagt Robert C. Watson, Gründungspartner bei Lyster Watson & Co., die Einzelpersonen und institutionelle Anleger bei Investitionen in Hedge Fonds beraten. Während einige institutionelle Anleger hoffen, historische Rekordrenditen nach Art eines George Soros zu erzielen, rechnen die meisten nicht mit übermäßigen Gewinnen.

Stattdessen folgen sie Strategien wie „Absolute return“, die darauf ausgerichtet sind, mit weniger Volatilität etwas besser als der Markt abzuschneiden und Hedge Fonds-Beteiligungen oftmals zur Diversifizierung einsetzen.

... keine Strategie überlebt den Herdentrieb

Doch keine Strategie überlebt den Herdentrieb. „Je mehr Kapital hineinfließt, um so eher geben die Renditen nach“, sagt W. Allen Reed, CEO von GM Asset Management, der 90 Milliarden Dollar eines Pensionsfonds für General Motors verwaltet. „Die Frage ist, an welchem Punkt die Renditen nach Abzug aller Kosten auf ein Niveau sinken, an dem sie nicht mehr wert sind, als in Cash zu investieren. Die meisten von uns glauben, daß wir diesen Punkt bereits erreicht haben“. GM hat schon früh in Hedge Fonds investiert und verfügt über zwei Milliarden Dollar Vermögen in seinem eigenen Dachfonds, der nach „Absolute return“-Strategien geführt wird.

Andere sind allerdings der Ansicht, daß die Flut neuen Geldes die Renditen kappt. „Die Party ist vorbei“, erklärt Joseph Aaron von der Investmentgesellschaft Wood, Hat & Silver, die sich aus Hedge-Fonds-Investitionen zurückgezogen hat.

„Die Rückkehr zum Durchschnitt ist stärker als der Einfluß der Schwerkraft. Vor uns liegt eine anhaltende Periode mittelmäßger Performance“, sagt Aaron. Institutionelle Investoren setzen darauf, daß geschickte Fondsmanager diese Vorzeichen schlagen. Doch je mehr Manager sich dort drängen, um so wahrscheinlicher zahlen die institutionellen Anleger am Ende hohe Hedge Fondsgebühren für magere Renditen, die kaum den Markt übertreffen. Was jedoch noch schlimmer ist, sie werden nicht sagen können, sie hätten es nicht kommen sehen.

Quelle: bearbeitet von @cri
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