Fonds-Performance

Gut im Plus mit Osteuropa-Anleihen

23.04.2001
, 19:00
Ansehnliche Gewinne gab es mit Fonds, die sich auf osteuropäische Anleihen spezialisiert haben. Die besten Fonds brachten 14 Prozent in einem Jahr.
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Polen ist derzeit der große Favorit unter den Fondsmanagern für osteuropäische Anleihen. Auch Mónica Mastroberardino hat den Warschauer Rentenmarkt ganz oben auf ihrer Favoritenliste. Die Fondsmanagerin beim Schweizer Bankhaus Vontobel hatte die Situation bei den osteuropäischen Werten am besten von allen eingeschätzt. Was den Anlegern im Vontobel Fund East Europe Bond einen Wertzuwachs von 14,8 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten einbrachte.

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Knapp über 50 Prozent ihres Fondsvermögens hat Mastroberardino in polnischen Festzinswerten investiert. Nicht ganz so hoch hat Margarete Strasser die Polen-Anleihen in ihrem ACM/IBA Central European Fixed Income gewichtet. Allerdings sieht auch die Fondsmanagerin bei East Fund Management - einem Joint Venture zwischen der amerikanischen Alliance Capital Management, einem der größten Vermögensverwalter weltweit, und der österreichischen Capital Invest als Tochter von Creditanstalt und Bank Austria - in Polen das größte Potenzial auf Zusatzgewinne aus der Zinsentwicklung. Bis zu 300 Basispunkte niedriger erwartet sie die polnischen Zinsen bis zum Jahresende.

Wenn Strasser Recht behält, dann könnte ein Teil davon sogar schon in der laufenden Woche vonstatten gehen. „Die polnische Zentralbank wird noch in dieser Woche über die Zinsen entscheiden“, erklärt die Fondsmanagerin. „Unter Umständen werden wir dann schon eine Senkung um 50 bis 100 Basispunkte sehen.“

Der polnische Zloty könnte sich abwerten

Allerdings spielt für den in Euro rechnenden Anleger natürlich auch immer die Währungsentwicklung eine wesentliche Rolle. Und da könnte es gerade beim polnischen Zloty zu einer Abwertung im weiteren Jahresverlauf kommen. Vor allem im Vorfeld der für den Herbst anstehenden Parlamentswahlen könne es im allgemeinen Wahlgeplänkel durchaus um fünf bis sechs Prozent nach unten gehen, glaubt Strasser. Aber selbst dann würde sich angesichts des hohen Renditeniveaus von derzeit beispielsweise 15,4 Prozent für einjährige Staatstitel immer noch eine attraktive Verzinsung von deutlich über neun Prozent ergeben, weiß die Fondsmanagerin.

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Zu den bevorzugten Märkten von Strasser zählt auch Ungarn. „Auch wenn das Land noch mit einer hohen Inflationsrate kämpft, Ungarn ist am weitesten fortgeschritten, was die Beitrittsverhandlungen mit Brüssel angeht“, so die Osteuropa-Expertin. Außerdem gefällt ihr die Kombination aus dem nach wie vor hohen Zinssenkungspotenzial und einer Verschuldungssituation, die sich stetig verbessere. Zudem sieht Strasser den ungarischen Forint eher stabil, wenn nicht sogar unter einem leichten Aufwertungsdruck.

Stabilität von Wirtschaft und Politik hängen eng zusammen

Die stabile Währung ist auch für Mónica Mastroberardino ein wichtiger Grund, in Ungarn zu investieren. Außerdem verweist die Fondsmanagerin auf den Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher und politischer Stabilität, den sie in Ungarn am weitesten entwickelt sieht. „Die Wahlen in Ungarn verlaufen nun schon seit zehn Jahren in normalen Bahnen“, argumentiert die Vontobel-Expertin. „Zudem verfügt das Land über ein entwickeltes Parteiensystem, in dem sich verschiedene Parteien ohne große Schwierigkeiten abgewechselt haben in der Regierungsarbeit.“

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Von tschechischen Bonds dagegen lassen beide Fondsmanagerinnen aktuell die Finger eher weg. „Nur wenn die Währung aufwerten sollte, könnte der Markt wieder attraktiv werden“, glaubt Margarete Strasser. Auch Mónica Mastroberardino sieht derzeit keine Notwendigkeit, ihren Anteil von etwa neun Prozent in tschechischen Bonds weiter auszubauen. Ihr erscheint die Zinsdifferenz zu Euro-Anlagen zu gering verglichen mit anderen Ländern. Außerdem erwartet sie eher eine Abschwächung der Krone gegenüber dem Euro.

Zwischen acht und zwölf Prozent für 2001

Was die künftigen Ertragschancen mit Osteuropa-Anleihen angeht, zeigen sich die Expertinnen durchaus optimistisch. „Ich habe mir für dieses Jahr eine Zielmarke von plus zehn Prozent gesetzt“, erklärt Mónica Mastroberardino und gibt im Interview mit FAZ.NET (siehe Link „Anleihenexpertin zur EU-Osterweiterung“) sogar zu, dass dies eine eher zu konservative Schätzung sein könnte. Dieser Meinung ist offenbar auch Margarete Strasser, die für ihren Fonds ein Plus von 12 Prozent fürs laufende Jahr prognostiziert.

Quelle: @hh
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