Fonds-Performance

Nur wenige Europa-Fonds schlagen den Markt

04.04.2004
, 07:09
Fonds auf europäische Aktien zählen zu den klassischen Anlageprodukten und auch das Angebot ist mit 300 solcher Produkte in Deutschland hoch. Doch leider gelingt es den meisten nicht, besser abzuschneiden als der Markt.

Sie sind ein Klassiker der Geldanlage: Fonds, die in europäische Standardwerte investieren. Weit mehr als 300 solcher Produkte werden in Deutschland angeboten. Da sollte man erwarten, daß auch viele gute darunter zu finden sind, die die Baisse erfolgreich gemeistert haben und von der Rally, die seit einem Jahr läuft, profitieren.

Doch die Bilanz der vergangenen drei Jahre ist ernüchternd (siehe Infografik). Nur einer der 362 Fonds brachte Käufern einen kleinen Gewinn: Mit dem Europa Aktienfonds Ulm verdienten sie jährlich 4,4 Prozent. Alle anderen Investments landeten im Minus.

Damit nicht genug: Der Durchschnitt der Fondsmanager schnitt mit minus 10,6 Prozent deutlich schlechter ab als der MSCI-Europe-Aktienindex, den die meisten als Meßlatte für ihren Anlageerfolg gewählt haben und der lediglich 8,0 Prozent einbüßte. Auch auf Jahressicht enttäuscht die Leistung der professionellen Geldverwalter: Sie hielten mit dem Kursspurt des breiten Marktes nicht Schritt.

Starke Indexorientierung sorgt für viel Durchschnitt

Die wichtigste Ursache ist schnell ausgemacht: "Hasenfußmentalität" diagnostiziert Kai Wiecking, Fondsanalyst bei Morningstar, den Investmentgesellschaften. „Die meisten Fondsmanager sind angehalten, sehr nah am Index zu investieren, damit der Fonds nur ja nicht kurzfristig auf den Floplisten auftaucht", hat Wiecking beobachtet. Jede Abweichung von der Benchmark wird als Risiko interpretiert, das es zu vermeiden gilt. Ist die Meßlatte nicht der MSCI Europe, sondern der Euro Stoxx 50, wird die Geldanlage noch uniformer, der Spielraum für eine bessere Wertentwicklung noch geringer.

Besonders ärgerlich: Für die verkappten Indexfonds zahlen Anleger happige Gebühren. Mit durchschnittlich 1,27 Prozent lassen sich die Fondsgesellschaften das "aktive" Management entlohnen. „Das ist zuviel, wenn man de facto passiv investiert", sagt Wiecking. Er ist überzeugt: „Die Masse der Fonds ist überflüssig." Anleger, die nur den Anspruch haben, den europäischen Aktienmarkt gut abzubilden, sollten lieber gleich einen börsengehandelten Indexfonds auf den MSCI Europe oder den Euro Stoxx 50 kaufen. Denn die gibt es viel günstiger als herkömmliche Fonds.

Wer bereit ist, hohe Gebühren zu zahlen, darf dafür auch einen Mehrwert erwarten. Den bieten allerdings nur eine Handvoll Manager. Europa Aktienfonds Ulm, Fidelity European Aggressive Fund und der Top European Players von Pioneer Funds fallen nicht nur durch ihre derzeitige Spitzenposition auf. Sie schnitten auch in der Vergangenheit in verschiedenen Börsenphasen besser ab als der Markt. Auffällig ist, daß die Verwalter der erfolgreichen Fonds mehrheitlich auf Substanzwerte setzten, die in der Baisse natürlich bessere Karten haben, und daß sie oftmals den Mut zu einem sehr konzentrierten Portfolio besitzen. Daß ein enger Fokus auf wenige Aktien nicht automatisch mit einem höheren Risiko einhergeht, beweist der Fonds von Pioneer (siehe oben), der hoch bewertete Aktien wie Technologiewerte konsequent meidet und lieber auf Solides setzt.

„Abweichler“ schneiden teilweise besser ab

Auch Tobias Klein, Fondsmanager des Europa Aktienfonds Ulm, hat ein Faible für "Brot-und-Butter-Investments", wie er selber sagt. In einem ersten Schritt analysiert ein Computer die Fundamentaldaten der Aktien und filtert jene heraus, die attraktiv bewertet sind. In einem zweiten Schritt entscheidet Klein, was wirklich gekauft wird. Denn Computern geht der gesunde Menschenverstand ab, sie denken nicht in Zusammenhängen, wissen nichts über Managementwechsel oder anhängige Klagen. Übrig bleiben Aktien aus so handfesten Branchen wie Bau oder Verpackung, die gleich gewichtet werden und den Fonds immer wieder auf Spitzenplätze führen.

Der zweitplazierte Fidelity European Aggressive Fund ist in seiner Preisentwicklung ein wenig launischer, sein Risiko-Rendite-Profil ist, verglichen mit den meisten gängigen europäischen Aktienfonds, aggressiver. Allerdings findet sich auch dieser Fonds seit seiner Auflegung vor sechs Jahren durchgehend unter den besten 25 Prozent der vergleichbaren Fonds. Manager David Baverez vertraut auf die gezielte Auswahl von Aktien mittelgroßer Unternehmen, darunter auch viele Wachstumswerte.

Vor allem aber ist der Fonds in den Bereichen Banken, Konsumgüter und Gesundheit engagiert. „Besonders die Anlageentscheidungen im Bankensektor waren sehr vorteilhaft für das starke Ergebnis im abgelaufenen Jahr", sagt Baverez. Damit ist der Fonds durchaus eine Alternative zum großen Bruder Fidelity European Growth Fund, der mit gut 13 Milliarden Euro Fondsvolumen schon ein wenig schwerfällig geworden ist, findet Wiecking.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 04.04.2004, Nr. 14 / Seite 43
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot