Fonds

Reformen dürften Gewinne der Fondsbranche beschneiden

Von Amy Borrus, Paula Dwyer und Lauren Young, BusinessWeek Online
25.11.2003
, 11:51
Die Skandale in der Fondsbranche ziehen weitere Kreise. Sehr wahrscheinlich werden ihre Handlungsspielräume deutlich eingeschränkt werden, denken Amy Borrus, Paula Dwyer und Lauren Young, BusinessWeek Online.
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Großanleger, der amerikanische Kongreß und die SEC - sie alle sind derzeit bemüht, den weit verbreiteten unsauberen Handelspraktiken in der Fondsbranche ein Ende zu machen. Im Sommer 2002, als der Kongreß sich gerade damit auseinandersetzte, wie man den fragwürdigen Finanzpraktiken in der amerikanischen Unternehmenswelt Herr werden könnte, haben die Lobbyisten der offenen Fondsbranche die Gesetzgeber angefleht, die Finanzdienstleistungsbranche zu verschonen.

Eingelullt von den sechs skandalfreien Jahrzehnten des Sektors, gewährte der Kongreß schließlich den Gefallen, die Fonds größtenteils von den lästigen Regeln des Sarbanes-Oxley Act - ein Gesetz zur Reform der Corporate Governance-Regeln und der Unternehmensberichterstattung - auszunehmen. Nun dürften die offenen Fonds jedoch für längere Zeit am Haken der Gesetzgeber hängen. Denn jetzt, da diese sich in ihren eigenen Skandalen immer weiter verstricken, kommen auch sie unter den Hammer. Die amerikanische Legislative, die Regulierungsbehörden und die Marktreformen, die derzeit in Arbeit sind, werden zu einer kompletten Überholung des Systems führen, die sich genauso durchsetzen dürfte, wie das Sarbanes-Oxley-Gesetz - allerdings mit noch direkteren Auswirkungen für die Anleger in Amerika.

Der Druck der Öffentlichkeit nimmt zu

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Bisher sind es die Großen unter den Vermögensverwaltern, insbesondere die Treasurer der einzelnen Bundesstaaten, die Verwalter der Pensionsfonds und die Verantwortlichen für die 401(k)-Pensionspläne, die Milliarden Dollar bei den Fondsgesellschaften angelegt haben, die das meiste dazu beitragen, daß die Branche der offenen Fonds aufgerüttelt wird. Aber auch der Kongreß geht mit Volldampf voraus, obwohl der Vorsitzende der Federal Reserve Alan Greenspan und Finanzminister John W. Snow bereits vor Reformen gewarnt haben, die zu weit gehen könnten. Am 19. November 2003 hat das amerikanische Repräsentantenhaus einem Reformpaket des Vorsitzenden des Capital Markets Subcommitee, Richard H. Baker, mit großer Mehrheit zugestimmt. Die Demokraten des Senats drängen nun auf noch strengere Reformmaßnahmen.

Um den Kongreß weiter in Richtung Ziellinie voranzutreiben, hat der Vorsitzende der amerikanischen Finanz- und Börsenaufsicht (SEC) William Donaldson angekündigt, seine Behörde werde am 3. Dezember neue Regelungen überdenken, die mißbräuchliche Handelspraktiken wie beispielsweise das Market-Timing - Investoren kaufen Fondsanteile zu überholten Preisen und verkaufen sie ein bis zwei Tage später wieder - unterbinden sollen. Januar 2004 will die SEC dann weitere Maßnahmen ergreifen, um die Gremien der Fonds zu stärken und den Fondsanlegern bessere Informationsmöglichkeiten über die im Fonds gehaltenen Aktien zu verschaffen. Außerdem sollen die Portfolio-Manager dazu angehalten werden, ihre eigenen Vermögensanteile im von ihnen verwalteten Fonds offenzulegen.

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Generalstaatsanwaltschaft und SEC greifen hart durch

Aber wird das alles ausreichen? Als der Generalstaatsanwalt des Staates New York, Eliot Spitzer, am 3. September 2003 den ersten Mißbrauch im Fondshandel aufdeckte, erwischte er die SEC völlig unvorbereitet. Inzwischen hat die Behörde in der Fondsbranche Dutzende von Untersuchungen mit dem Verdacht auf mißbräuchliche Handelspraktiken durchgeführt - genauso wie Spitzer selbst und weitere Bundesermittler. Außerdem verfolgt die SEC in Broker-Firmen diverse Fälle fragwürdiger Fondsverkaufstaktiken. Die SEC greift jetzt nicht nur bei mißbräuchlichen Handelspraktiken hart durch, sondern stellt endlich auch die undurchsichtigen Gebührenstrukturen und die schwache Führung der offenen Fondsgesellschaften an den Pranger. Dieser Rundumschlag, ausgeführt durch die SEC, den Kongreß und die Verwalter der Staatsgelder, hat sicherlich einige Schwachstellen, dennoch könnte die Kombination zu einer gründlichen Top-Down-Reinigung der Branche führen.

Während die Maßnahmen Washingtons die Schlagzeilen beherrschen, scheint der kräftigste Schlag von den Schatzmeistern der Bundesstaaten und anderen Treuhändern auszugehen. Denn sie haben nun damit begonnen, ihren Einfluß geltend zu machen. Ihre Reformagenda geht über das Eindämmen des „Market-Timings“ und des „Late-Tradings“ - das illegale Kaufen und Verkaufen von Fondsanteilen nach Börsenschluß - hinaus. Die Pensionsverwalter wollen die Fondsgesellschaften dazu zwingen, ihre versteckten Gebühren offen zu legen und preiswertere Anlageberatungen in Anspruch zu nehmen. „Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem große Treuhänder die Angelegenheit in ihre eigenen Hände nehmen müssen“, meint Mark Anson, Chief Investment Officer des staatlichen Pensionsfonds California Public Employees' Retirement System (Calpers), der rund 154 Milliarden Dollar dirigiert.

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Flächenbrand dürfte für einen Ruck in der Branche sorgen

Die Besorgnis solcher Institutionen ist berechtigt. In nur zehn Wochen ist aus einem Fehlverhalten eines wenig bekannten Hedge-Fonds, der mit einer Handvoll unehrlicher Broker und offner Fondsmanager unter einer Decke steckte, ein branchenumfassender Skandal geworden. Mittlerweile sind bereits 15 offene Fondsgesellschaften, zwölf Broker-Firmen, drei Hedge-Fonds und ein Dutzend Vorstandsmitglieder darin verstrickt. Am 20. November dürfte die SEC zivilrechtliche Schritte wegen Betruges gegen Pilgrim Baxter & Associates und die Mitbegründer Gary Pilgrim und Harold Baxter eingeleitet haben. Die Anschuldigung in diesem Fall lautet, die Mitbegründer hätten einem Hedge-Fonds, der teilweise Gary Pilgrim gehört, erlaubt, bei Fonds kurzfristige Handelsgeschäfte durchzuführen.

Der Ruck, der sich nun durch die Branche zieht, verspricht echte Reformen. Die neuen, von der SEC am 3. Dezember 2003 vorgestellten Regelvorschläge werden verlangen, daß die Fondsgesellschaften Order erhalten müssen, um Aktien zu kaufen oder zu verkaufen - und zwar vor 16 Uhr, um den nachbörslichen Handel auszumerzen. Die Bevollmächtigten werden zudem Regeln einführen, nach denen die Fonds eigene schriftliche Statuten erstellen und einen Richtlinienbeauftragten ernennen müssen, der dem Aufsichtsrat der Fondsgesellschaft berichtet. Ebenfalls wahrscheinlich ist, daß deutlichere Maßnahmen eingeführt werden, um die Fondsmanager davon abzuhalten, bevorzugten Investoren einen Einblick in das Portfolio zu gewähren. Dazu zählt auch die strafrechtliche Verfolgung des Insiderhandels. Januar 2004 will die SEC außerdem einige Veränderungen in den Gremien der Fondsgesellschaften vorschlagen, beispielsweise, daß 75 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder und der Aufsichtsratsvorsitzende unabhängig von der Fondsverwaltung sein müssen.

Kongreß drängt auf schnelleres Reformtempo

Der Kongreß hat wiederum andere Punkte auf seiner Agenda stehen. Die Gesetzesvorlage von Baker beinhaltet, die Fondsgesellschaften dazu zwingen, versteckte Kosten wie beispielsweise die so genannten „Shelf-Space-Payments“ - finanzielle Anreize, durch die die Broker dazu angehalten werden, ihren Kunden bestimmte Fonds stärker anzubieten als andere - aufzudecken. Außerdem möchte Baker sie dazu auffordern, die „Soft-Dollar-Payments“ - Überschußgebühren, die Anlagevermittler dazu verwenden, um Research und andere Produkte zu erwerben - offen zu legen. Des weiteren soll es untersagt sein, daß ein einzelner Fondsmanager alleine einen Hedge-Fonds leiten darf.

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Auch wenn die SEC und der Kongreß ein schnelles Tempo vorlegen, könnte es Monate dauern, bis die Reformen erste Wirkungen zeigen. Die Treuhänder in den einzelnen Bundesstaaten wollen aber nicht länger warten. Am 17. November hat der Schatzmeister von North Carolina, Richard H. Moore, neun Fondsgesellschaften, die den 401-(k)-Plan des Staates im Wert von 2,3 Milliarden Dollar sowie Pensionspläne in Höhe von 56 Milliarden Dollar verwalten, mitgeteilt, daß sie ein Reformpaket umsetzen müssen, damit sie auch weiterhin die Aufträge des Bundesstaates ausführen dürfen.

Fondsgesellschaften sollen sich bei der Offenlegung mehr anstrengen

Die ambitionierte Agenda von Moore beinhaltet des weiteren, daß Fondsmanager die Informationen über die Fondsgebühren in Dollar und nicht mehr nur, wie derzeit üblich, in Prozent der Anlagesumme ausweisen müssen. Außerdem will er, daß die Fondsmanager von den 401(k)-Anlegern die gleichen Gebühren verlangen, wie von den großen Pensionspools. „Wir sagen den Fondsgesellschaften, die unser Geld verwalten, daß sie sich hinsichtlich der Offenlegung und dem Kundenservice mehr anstrengen müssen. Denn wenn sie weiterhin zu den von uns gewählten Fonds zählen wollen, möchte ich auch wissen, was sie zu diesen Veränderungen zu sagen haben“, so Moore.

Andere Schwergewichte unter den staatlichen Pensionskassen überdenken derzeit, ähnliche Maßnahmen zu ergreifen. Calpers überprüft gerade die Ethik-Kodexe und Statuten von allen 66 Fondsgesellschaften, zu denen sie geschäftliche Verbindungen haben. Außerdem dürften sie bald ihre eigenen Richtlinien zum Anlegerschutz erstellen. Calpers zählt zu den Investoren, die Putnam rund 21 Milliarden Dollar entzogen haben.

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Bundesstaaten verlangen mehr Wettbewerb

Die Kämmerer der Bundesstaaten, die die so genannten 529-College-Saving-Funds beaufsichtigen, versuchen diese Ausbildungssparpläne besser zu schützen. Der Schatzmeister von Wisconsin, Jack C. Voight, hat der Regierung des Bundesstaates vorgeschlagen, den Investoren aus Wisconsin eine Steuererleichterung zuzugestehen, wenn sie ihre Ausbildungssparpläne bei einer anderen Gesellschaft als der im eigenen Staat ansässigen Strong Capital Management Inc., einrichten.

Das mag zwar zunächst etwas bizarr erscheinen, aber Strong ist derzeit die einzige Fondsgesellschaft, die mit einer staatlichen Steuervergünstigung versehen ist. Und obwohl Spitzer den Fondsgründer Richard Strong beschuldigt, gegen die Interessen seines eigenen Fonds gehandelt zu haben, kann der Staat den Vertrag mit Strong Capital über die Verwaltung des Sparplans bis 2006 nicht auflösen. Aber er kann die Wettbewerber außerhalb von Wisconsin zu Angeboten auffordern. Richard Strong bestreitet sein angebliches Fehlverhalten, verspricht aber dennoch, alle Investoren für ihre auf Grund seiner unzulässigen Geschäfte entstandenen Verluste zu entschädigen.

Schleichende Eskalation bei den Gebühren

Trotz des breit angelegten Reformschubs muß sicherlich noch mehr Arbeit geleistet werden. Während einfach nur die Schwachstellen in den Aufsichtsräten der Fondsgesellschaften ausgebessert werden, stehen die Fondsberater auf keiner To-Do-Liste; dort gehören sie aber eigentlich hin. Und auch, wenn es Mode geworden zu sein scheint, überall mehr unabhängige Aufsichtsräte einzusetzen, macht das keinen wirklichen Unterschied. Davon ist Gary Gensler, früherer Treasury Official und Co-Autor des Buches „The Great Mutual Fund Trap“, überzeugt. Die außenstehenden Aufsichtsräte haben bereits die Pflicht, die Gebühren der Fondsberater abzuwägen, meint er weiter. Aber die SEC verlangt lediglich von ihnen, festzustellen, ob diese Gebühren „vernünftig“ sind. Dieser Standard wurde 1982 durch eine gerichtliche Entscheidung definiert und besagt, daß die Gebühren im Einklang mit dem, was andere Fonds verlangen, zu stehen haben. Daraus resultierte natürlich eine schleichende Eskalation bei den Fondsverwaltungsgebühren. „Der Kongreß und die SEC müssen eine klarere Definition der Gebühren erlassen und vor allem den Begriff 'vernünftig' genauer ausführen“, so Gensler weiter.

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Auch die Broker benötigen neue Vorschriften. Derzeit stehen die Fonds nicht über den Preis miteinander im Wettbewerb, meint Louis Harvey, Präsident von Dalbar, einer Finanzmarkt-Research-Firma mit Sitz in Boston. „Wir haben ein System mit fixen Preisen, in dem die Fondsgesellschaften die Preise festsetzen, die die Konsumenten einfach bezahlen“, so Harvey. Mehr Offenlegungspflichten können da auch nicht weiterhelfen, da nur wenige Anleger die entsprechenden Fondsverkaufsprospekte überhaupt lesen. Es gibt aber eine sehr viel bessere Lösung: Der Kongreß sollte die Broker mit einer Treuhänder-Abgabe belegen, so daß sie nur Fonds erwerben, die attraktive Renditen zu günstigen Preisen anbieten.

Am Ende wird die sieben Billionen Dollar schwere Branche trotz ihres legendären Einflusses durch stumpfe Reformen knapp bei Kasse sein. An diesem Punkt können die Verantwortlichen der Fondsgesellschaften nur hoffen, daß die kommenden Veränderungen dazu beitragen, das Vertrauen in ihre schwer gebeutelte Branche zurückzubringen.

Quelle: @cri
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