Fonds-Skandal

Spitzer-Untersuchung kostet Fonds Milliarden an Marktwert

11.11.2003
, 13:19
Der Fonds-Skandal kostet die Fondsgesellschaften richtig Geld. Denn inzwischen haben Titel wie Alliance Capital Management oder Janus Capital Group zusammen schon 3,1 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung verloren.
ANZEIGE

Die amerikanischen Fondsgesellschaften haben Federn gelassen, seit der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer seine Untersuchung in der Branche, die sieben Billionen Dollar verwaltet, gestartet hat. Alliance Capital Management Holding LP, Amvescap Plc, Federated Investors Inc. und Janus Capital Group Inc. haben seit dem 3. September zusammen 3,1 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung verloren.

Außerdem ist der Aktienkurs von Marsh & McLennan, der Muttergesellschaft von Putnam Investments, um elf Prozent eingebrochen, was 3,1 Milliarden Dollar an Marktwert vernichtet hat. Am stärksten hat der Aktienkurs von Amvescap, Europas größtem börsennotierten Vermögensverwalter gelitten, er ist seit Spitzer zum ersten Mal die unzulässigen Handelspraktiken anprangerte, 23 Prozent abgesackt.

Des weiteren haben Investoren Anlagekapital von den Vermögensverwaltern abgezogen. Bei Putnam ist das verwaltete Kapital um 14 Milliarden Dollar oder fünf Prozent geschrumpft, nachdem Pensionsfonds der Bundesstaaten Arkansas und New York den Vermögensverwalter feuerten.

Kursverluste quer durch die Branche

ANZEIGE

„Die sich ausweitende Untersuchung ist schlecht für die Stimmung. Es wird schwierig, vertrauensvoll zu investieren," beobachtet Andrew Green, Fondsmanager bei SG Asset Management in London. Die Parlamentarier in Amerika denken über neue Gesetze nach, um die Aufsicht über eine Branche zu verstärken, die immerhin die Ersparnisse von 95 Millionen Amerikaner verwaltet.

ANZEIGE

Bei der in London beheimateten Amvescap, die vier Fünftel vom Gewinn in Amerika erwirtschaftet, hat der Kursrutsch seit dem 3. September etwa 1,6 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung zunichte gemacht. Janus hat 972 Millionen Dollar oder 23 Prozent an Börsenwert verloren, Alliance kommt auf ein Minus von 391 Millionen Dollar oder 14 Prozent, zeigen Bloomberg-Daten. Der Aktienkurs von Federated hat 3,5 Prozent nachgegeben, der Marktwert ist um 113 Millionen Dollar geschrumpft.

Bei Alliance mußten am Montag zwei Spitzenmanager, John Carifa und Michael Laughlin, ihren Hut nehmen. Ihnen werden die illegalen Handelsgeschäfte bei Investmentfonds angelastet. Putnam setzte letzte Woche den Vorstandsvorsitzenden Lawrence Laser ab, der die Fondsgesellschaft 18 Jahre geleitet hat. „Die Fondsgesellschaften müssen wirklich die Verbindungen zu jedem kappen, der irgendwelche Kenntnis von irgendeinem nicht korrekten Verhalten hat," konstatiert Don Phillips, Geschäftsführer bei dem Fondsbeobachter Morningstar Inc. in Chicago.

ANZEIGE

Wie reagieren die Mittelzuflüsse auf den Skandal?

Alliance, Amvescap, Federated, Janus und Putnam verwalten zusammen etwa 1,4 Billionen Dollar für Investoren. Das entspricht der Größe der französischen Volkswirtschaft. Dem Wall Street Journal zufolge dürfte Spitzer auch Strafanzeige gegen Richard Strong erheben, den Gründer und Vorsitzenden von Strong Capital Management Inc. Spitzer wirft ihm vor, er habe von dem Handel in den Investmentfondsanteilen seiner Gesellschaft profitiert.

Die Untersuchung von Spitzer konzentriert sich auf illegale kurzfristige oder nachbörsliche Handelsgeschäfte, die einigen Kunden, in erster Linie Hedgefonds, gestattet wurden. „Selbst wenn die Untersuchung vorbei ist, gibt es noch einige Restrisiken für den Ruf," berichtet Allison Sinclair, Fondamanager bei Britannic Asset Management in Glasgow. „Wir müssen ein wachsames Auge auf die Zuflüsse und Abflüsse bei den Fondsgesellschaften haben."

Janus verzeichnete im September 4,4 Milliarden Dollar an Nettoabflüssen. Spitzer warf Janus und drei anderen Gesellschaften am 3. September vor, sie hätten dem Hedge Fonds Canary Capital Partners LLC bei einigen Fonds kurzfristige Handelsgeschäfte erlaubt. Janus erklärte, es habe zwölf spezielle Handelsvereinbarungen gegeben, die alle beendet wurden. Alliance und Federated, denen ebenfalls illegale Handelsgeschäfte bei Investmentfonds vorgeworfen werden, haben keine Zahlen über die Kapitalströme bei den Fonds seit Beginn der Spitzer-Untersuchung veröffentlicht.

Quelle: Bloomberg
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Tarifportal
Mit unserem kostenlosen Tarifvergleich sparen
Kapitalanlage
Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
Immobilienbewertung
Verkaufen Sie zum Höchstpreis
ANZEIGE