Fondsgebühren

Der Trend zu mehr Kostentransparenz ist unübersehbar

08.08.2002
, 10:27
Immer mehr Fonds machen ihre Kosten transparenter
Die „Total Expense Ratio“ macht die tatsächlichen Kosten der Fonds vergleichbarer. Künftig soll es aber noch bessere Vergleiche geben.

Die Preiserhöhungsrunde der großen deutschen Fondsgesellschaften DWS, Dit, Union und Adig im vergangenen Jahr haben die meisten Anleger, wenn überhaupt, nur mit Achselzucken zur Kenntnis genommen. Eine höhere Verwaltungsgebühr, naja. Direkt spürbar sind diese Kosten ja nicht, da sie einfach dem verwalteten Vermögen entnommen werden. Und aus den Augen, aus dem Sinn.

Viel auffälliger ist da der Ausgabeaufschlag eines Fonds, der deshalb von vielen als alleiniges Vergleichsmerkmal herangezogen wird. Und doch nur die halbe Wahrheit ist. Mittlerweile kommt zunehmend noch ein dritter Gebührenbestandteil in Mode, eine erfolgsabhängige Gebühr, die gegebenenfalls zusätzlich zur festen Jahresgebühr anfällt. Aber wie lassen sich diese Kosten auf eine vergleichbare Größe bringen?

Total Expense Ratio führender Standard

Der bisher erfolgreichste Ansatz, um mehr Kostentransparenz zu schaffen, ist die so genannte Total Expense Ratio (TER). Die Kennziffer geht auf das britische Fonds-Research-Unternehmen Fitzrovia zurück, das die Kosten für weltweit 30.000 Investmentfonds untersucht. Dabei werden die in den Rechenschaftsberichten veröffentlichten Kosten für Fondsmanagement, Depotbank, Werbung, Wirtschaftsprüfer und Geschäftsberichte addiert und ins Verhältnis gesetzt zum Vermögen des betreffenden Fonds. Heraus kommt eine Prozentzahl, die durchaus bei jährlich ein bis zwei Prozent liegen kann und zeigt, welch enormen Einfluss die Kosten auf die Fonds-Performance ausüben.

Seit Anfang des Jahres veröffentlicht die US-Fondsgesellschaft J.P. Morgan Fleming TER-Werte für alle ihre in Deutschland zugelassenen Fonds. „Dies erlaubt einen genauen Kostenvergleich von Fonds - zugegebenermaßen erst dann, wenn alle Anbieter die TER ausweisen“, so Susanne Otto, Geschäftsführerin von J.P. Morgan Fleming in Deutschland. Genau das haben Ende März auch die Anlegerschützer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) gefordert. Jetzt wollen auch die Fondsgesellschaften Threadneedle und Baring Asset Management dem guten Beispiel folgen.

Auch TER nicht problemlos anwendbar

Zweifellos ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Doch leider ist auch die TER nicht der Weisheit letzter Schluss, wie Frank Bock vom Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI) erläutert: „Die Total Expense Ratio ist als Vergleichsmaßstab nicht unproblematisch, weil sie international nicht einheitlich definiert wird.“ So würden in Deutschland die Transaktionskosten der Fonds für ihre Wertpapiergeschäfte nicht explizit ausgewiesen, könnten also auch nicht in die TER aufgenommen werden.

Außerdem relativiert sich die Aussagekraft der TER bei unterschiedlichem Alter, Volumen oder Anlageschwerpunkten der verglichenen Fonds. Ein Fonds in der Aufbauphase weist in der Regel eine ungünstigere Kostenrelation auf als ein etablierter; auch lassen sich größere Volumina vergleichsweise günstiger verwalten. Und unterschiedliche Anlageschwerpunkte führen auch zu unterschiedlichen Transaktions- und Verwaltungskosten.

BVI prüft eigene Kennziffer

Derzeit arbeitet der BVI an einer eigenen einheitlichen Kostenkennziffer, die einen genaueren Überblick über die Kostenstrukturen der Fonds bieten soll. Die Ergebnisse sollen im Oktober oder November vorgelegt werden. Ein Hindernis dabei ist die Schwierigkeit, die Transaktionskosten der Wertpapiergeschäfte in Deutschland zu erfassen. Dazu müsste die von den Fonds angewandte Nettoabrechnungsmethode für die Wertpapiergeschäfte modifiziert werden.

Bleibt festzuhalten, dass der Trend zum „gläsernen Fonds“ zwar schleppend verläuft, aber nicht mehr aufzuhalten ist. Auch die Fondsgesellschaften selbst haben im verschärften Wettbewerb die Kostentransparenz längst als Marketinginstrument erkannt.

Quelle: @la
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