Fondsgebühren

Fondssparer zahlen doppelt so viel wie Institutionen

17.11.2003
, 18:13
Privatanleger werden von Fondsgesellschaften stärker zur Kasse gebeten als Institutionelle. Aber der Druck zu mehr Transparenz dürfte zunehmen und zu fallenden Gebühren führen.
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Amerikanische Privatinvestoren, die Aktienfonds halten, zahlen insgesamt jährlich rund 18 Milliarden Dollar an Verwaltungsgebühren. Das ist doppelt so viel, wie sie nach Daten der Aufsichtsbehörden eigentlich zahlen müssten.

Die Fondsgesellschaften berechnen Privatanlegern Gebühren von 56 Dollar je 10.000 Dollar verwaltetes Kapital, während sie von institutionellen Investoren lediglich 28 Dollar verlangen, berichtet John Freeman, Professor an der University of South Carolina. Investmentfonds "haben so viel berechnet, wie sie konnten, und niemand hat dem bisher Einhalt geboten", kritisiert Freeman.

Privatanleger sollten ebenso viel Gebühren zahlen wie Institutionen, fordert der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer. Spitzer nimmt seit September die 7 Billionen schwere Fondsbranche in Amerika unter die Lupe. Er wirft den Fondsgesellschaften vor, daß nicht erlaubte Handelspraktiken die Kosten für die rund 84 Millionen amerikanischen Fondsanleger in die Höhe getrieben haben. Amerikanische Privatanleger haben rund 3,2 Billionen Dollar in Investmentfonds angelegt. Die fehlende Transparenz bei den Gebühren hat das Ausmaß des Fehlverhaltens bisher verdeckt, so Spitzer. "Viele Fonds haben die Interessen der Fondsanleger vernachlässigt", bemängelt er.

Gleicher Aufwand - unterschiedliche Gebühren?

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Aktien-, Anleihe- und Geldmarktfonds verfügen über mehr Anlagekapital als die 5,9 Billionen Dollar, die von privaten und öffentlichen Pensionsfonds zusammengenommen verwaltet werden. Der Aufwand für die Verwaltung ist ungefähr gleich, so daß die unterschiedlichen Gebühren nicht zu rechtfertigen sind, betont Spitzer. Ein Vergleich der Gebühren der 25 größten Fondsgesellschaften zeigt, daß die in Pittsburgh ansässige Federated Investors mit die höchsten Gebühren verlangt, im Schnitt 83 Dollar je 10.000 Dollar verwaltetes Kapital. Die zu Mellon Financial gehörende Gesellschaft Dreyfus Funds nimmt 80 Dollar, zeigen Daten von Bloomberg.

Die meisten Aktienfonds wurden während der Börsenhausse Ende der 90er Jahre aufgelegt. Damals verstellte ein durchschnittlicher Wertzuwachs von 24 Prozent im Standard & Poor's 500 Index den Blick auf die Gebühren. Putnam verlangt von Privatanlegern in seinen International Capital Opportunities Fund für jeweils 10.000 angelegte Dollar 91 Dollar an Gebühren. Dem Bundesstaat Massachusetts berechnet die Fondsgesellschaft für dieselbe Summe, angelegt in internationalen Aktien, 27 Dollar Gebühren. "Es ist unvermeidlich, daß die Gebühren sinken", erklärt William Patterson, Investmentdirektor bei dem Gewerkschaftsverband AFL-CIO, der 13,2 Millionen Gewerkschaftsmitglieder vertritt. "Es ist gut, daß das passiert. Die Branche ist viele Jahre einfach so davongekommen."

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Derzeit untersucht die SEC zusammen mit Spitzer und Aufsichtsbehörden auf Bundesstaatsebene, ob die Erträge für langfristige Anleger durch nicht korrekte kurzfristige Transaktionen und nachbörsliche Käufe und Verkäufe privilegierter Kunden gemindert worden sind. Zu den Gesellschaften, die untersucht werden, gehören Putnam, Alliance Capital Management Holding LP, Strong Capital Management aus Menomonee Falls, Wisconsin, und die in Denver ansässige Janus Capital Group.

Drang zu mehr Transparenz bei Gebühren

Bisher halten die Anleger den Investmentfonds aber offenbar die Stange. In den vier Wochen zum 12. November flossen durchschnittlich 5,4 Milliarden Dollar pro Woche in Aktienfonds, zeigt eine Untersuchung von AMG Data Services aus dem kalifornischen Arcata. So viel Geld pumpten Anleger zuletzt im Mai 2001 in Fonds.

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Parlamentarier, darunter die demokratischen Senatoren Jon Corzine und Christopher Dodd, der republikanische Senator Peter Fitzgerald und der Abgeordnete Richard Baker drängen auf Gesetze, die die Fondsgesellschaften verpflichten, ihre Gebühren stärker offenzulegen. "Wenn wir einen genauen Blick auf die Gebührenstruktur der Fondsbranche werfen, sehen wir, daß die Gebühren sehr hoch sind", äußerte Fitzgerald vor einem Unterausschuß des amerikanischen Senats am 3. November. "Das müssen wir ändern."

Dem entgegnen die Fondsgesellschaften, daß in ihren Gebühren mehr Dienstleistungen, wie beispielsweise Berichte für die Fondsanleger, enthalten sind als bei den Gebühren für die Verwaltung von Pensionsfonds. "Die Gebühren beinhalten eine ganze Reihe Dienstleistungen, so daß man die von den Pensionsfonds gezahlte Portfolio-Gebühr nicht herausrechnen kann", erläutert John Rea, Chefvolkswirt beim Branchenverband Investment Company Institute in Washington.

Zusatzdienstleistungen teurer

Die Amvescap-Tochter Aim Investments verlangt für die Fondsverwaltung Gebühren in Höhe von 0,75 Prozent des angelegten Kapitals, weil die meisten Fonds der Gesellschaft in Aktien internationaler Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung in speziellen Marktsegmenten wie beispielsweise Gold und Gesundheitswesen investieren, beschreibt Aim-Sprecher Ivy McLemore. "Die Anforderungen an die Analyse-Arbeit der Fondsgesellschaft sind höher und die Analysen zeitaufwendiger, weil viele der Unternehmen im Portfolio nicht von zahlreichen Analysten der Wall Street beobachtet werden", führt McLemore aus.

Zu den Gesellschaften mit den niedrigsten Gebühren zählt die in Valley Forge, Pennsylvania, ansässige Vanguard Group, die 27 Dollar je 10.000 Dollar Anlagekapital verlangt. Vanguard ist allerdings keine Aktiengesellschaft, sondern im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten im Besitz der Fondsanleger, so daß sie geringere Gebühren verlangen kann, erläutert Michael Miller, geschäftsführender Direktor Planung und Entwicklung bei Vanguard.

Quelle: Bloomberg
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