Fondskosten

Fonds werden immer teurer

18.05.2004
, 20:55
Die Gesamtkostenbelastung wird ständig größer. Daß deutsche Fonds billiger wirken als ausländische, könnte an den Verrechnungsmethoden zwischen Fonds und Muttergesellschaft liegen.
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Deutsche Aktienfonds haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verteuert. Das ist das Ergebnis einer Auswertung des Finanzdienstleisters Fitzrovia. Laut Fitzrovia ist die durchschnittliche Gesamtkostenbelastung aktiv geführter Aktienfonds, die sogenannte Total Expense Ratio (TER), von 1998 bis 2003 um 21 Prozent gestiegen.

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Gewichtet man die Fonds mit ihrem Fondsvolumen, so ist die Gesamtkostenbelastung der Fonds sogar um 45 Prozent gestiegen. Mit dieser erhöhten Kostenbelastung stehen deutsche Fondskunden nicht alleine da: In ganz Europa sind laut Fitzrovia seit Ende der neunziger Jahre die Kosten des Fondsinvestments deutlich gestiegen.

Teure Vertriebsförderung

Vereinfacht ausgedrückt berechnet man die TER, indem man die Gesamtkosten des Fonds auf dessen durchschnittliches Fondsvolumen bezieht. Das Ergebnis ist eine Prozentzahl, die zeigt, wie hoch die gesamte Kostenbelastung des Fonds ist. Diese übersteigt die in den Prospekten ausgewiesenen Verwaltungsprovisionen deutlich, denn die Verwaltungsprovision blendet die Kosten für Rechtsberatung, Druck und Veröffentlichung der Rechenschaftsberichte, Kosten für die Wirtschaftsprüfer und Steuer aus.

Die Ausgabeaufschläge allerdings werden in der TER nicht berücksichtigt - auch hier zeichnet sich ab, daß die Ausgabeaufschläge und damit die Kosten für die Anleger zunehmend in die Höhe gehen (F.A.Z. vom 13. Mai).

Ursache der steigenden Kosten für die Anleger ist vor allem der harte Kampf um den Vertrieb der Fonds. Vor allem die ausländischen Fonds zahlen an ihre deutschen Vertriebspartner einen hohen Anteil der Verwaltungsvergütung als Bestandsprovision, um den Vertrieb ihrer Produkte in Deutschland zu fördern.

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Versteckte Kosten

Das macht sich auch in den Kostenunterschieden zwischen deutschen und ausländischen Fonds bemerkbar: Laut Fitzrovia sind Fonds, die in Deutschland aufgelegt wurden, im Durchschnitt mit einer TER von 1,42 Prozent billiger als Fonds, die für den Zielmarkt Deutschland im Ausland aufgelegt werden. Ähnliches beobachtet auch Michael Mann, Fondsanalyst beim Finanzdienstleister ifa Privates Institut für Fondsanalyse AG: "Laut unseren Zahlen haben deutsche Fonds im Durchschnitt eine TER von 1,13 Prozent, ausländische Fonds hingegen bringen es auf eine TER von 1,51 Prozent."

Doch die großzügige Provisionspraxis der ausländischen Fondsgesellschaften ist nicht der einzige Grund für die Kostenunterschiede zwischen deutschen und ausländischen Fonds. Ausländische Anbieter verweisen darauf, daß in der TER nicht die Transaktionskosten, also die Maklercourtagen und weitere Kosten für den Handel berücksichtigt werden - eine nicht zu vernachlässigende Größe, wie Mann erklärt: "Die Handelskosten machen nochmals 30 bis 50 Basispunkte aus, die Sie zu der TER addieren müssen, um die tatsächliche Gesamtkostenbelastung zu erhalten."

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Und genau hier setzt die Kritik der ausländischen Gesellschaften ein: "Die Geschäftsbeziehungen zwischen den deutschen Fondsgesellschaften und ihren Mutterhäusern sind nicht so transparent wie es das bei ausländischen Gesellschaften der Fall ist. Anleger können sich kaum darüber informieren, zu welchen Konditionen die Wertpapiertransaktionen zwischen Fondshaus und Muttergesellschaft abgewickelt werden", sagt Martin Theisinger von der britischen Fondsgesellschaft Schroders. Werden also die Transaktionen zwischen Fonds und Muttergesellschaft zu ungünstigeren Konditionen abgewickelt als bei ausländischen Gesellschaften, so kostet das die deutschen Fondsanleger mehr Geld, ohne daß diese Mehrkosten in der TER Niederschlag finden.

Auch Fitzrovia warnt allerdings davor, daß billigere Fonds nicht notwendigerweise die besseren sein müssen. Eine Studie des Finanzdienstleisters Lipper will sogar Anhaltspunkte dafür gefunden haben, daß teure Fonds ihr Geld wert sind, da sie mit besseren Managern und damit auch mit einer besseren Wertentwicklung aufwarten können.

Quelle: hbe., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2004, Nr. 116 / Seite 23
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