Fondsmarkt

Börsengehandelte Fonds sind eine Erfolgsgeschichte

EIN KOMMENTAR Von Hanno Beck
29.09.2003
, 19:12
Fonds, die an der Börse gehandelt werden ziehen auf Grund ihrer Vorteile immer mehr Gelder an. Gleichzeitig geht die Zahl der Anbieter zurück. Sinkende Kosten verbessern die Attraktivität weiter.
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In den vergangenen drei Jahren war für die Fondsbranche eher Schmalhans der Küchenmeister - die Mittel flossen, wenn überhaupt, vor allem in margenarme Geldmarktfonds. Viele Produkte blieben dagegen wie Blei in den Regalen des Vertriebs liegen.

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Doch auch in dieser dunklen Zeit gibt es positive Entwicklungen wie die börsengehandelten Fonds, die natürlich nicht ohne einen wohlklingenden englischen Namen auskommen: Exchange Traded Funds (ETFs) heißt wohl eine der wenigen Erfolgsgeschichten der jüngeren Vergangenheit.

Börsengehandelte Fonds als Erfolgsgeschichte

Diese Fonds, deren spezifisches Merkmal es ist, daß sie im Gegensatz zu ihren traditionellen Konkurrenzprodukten wie Aktien an der Börse gehandelt werden können, haben in den zurückliegenden drei Jahren einen rasanten Aufschwung erfahren. Gab es zum Jahresende 2000 gerade einmal sechs dieser Fonds, die in Europa vertrieben wurden, so können Europas Anleger mittlerweile unter rund 100 Fonds auswählen. Das Volumen der verwalteten Mittel in diesen Fonds stieg im gleichen Zeitraum von 680 Millionen Euro auf nunmehr rund 16 Milliarden Euro - und das, obwohl die Aktienkurse in diesem Zeitraum auf Tauchfahrt waren und das Gros dieser Produkte Aktienprodukte sind.

Noch ist dieses Geschäft, zumindest was die verwalteten Volumina angeht, eher den institutionellen Anlegern vorbehalten: Schätzungen zufolge gehören 90 Prozent der in ETFs verwalteten Mittel institutionellen Investoren. Was das Handelsvolumen angeht, mischen aber auch schon private Anleger fröhlich mit: Rund die Hälfte der täglichen Umsätze werden Schätzungen zufolge von Privaten getätigt. Allerdings gehen Experten davon aus, daß Umsätze in gleicher Höhe wie an der Börse zusätzlich außerbörslich unter Institutionellen gehandelt werden.

ETFs bei institutionellen Anlegern beliebt

"Institutionelle Anleger schätzen ETFs wegen ihrer einfachen Konstruktion: In der Regel handelt es sich um passive Produkte, die einen Index oder Subindex nachbilden und damit oft den Kern der sogenannten Core-Satellite-Strategie bilden", sagt Thomas Meyer zu Drewer, Vorstand von Indexchange. Diese Strategie läßt sich wie folgt beschreiben: Rund 80 Prozent des Portfolios werden indexorientiert in einem weltweiten Index investiert, mit den verbleibenden 20 Prozent geht man dann bewußte Wetten auf Branchen oder Regionen ein. ETFs auf einen entsprechenden internationalen oder europaweiten Index stellen dann eine flexible Möglichkeit dar, den passiven Teil dieser Strategie abzubilden. Doch auch für den Satelliten-Aspekt dieser Strategie gibt es ETFs, nämlich solche, die einzelne Branchenindizes nachbilden. Damit kann der Investor ebenjene gezielte Wetten auf einzelne Regionen oder Branchen eingehen.

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Doch hier zeigen sich auch leichte Dissonanzen in der Erfolgsgeschichte der ETFs: Börsengehandelte Fonds auf Branchen sind bei den Investoren nicht so beliebt, als daß man hier von einem Erfolg reden könnte. "Diese Produkte wurden von den Investoren nicht genügend nachgefragt", sagt Beate Bastian von der Fondsgesellschaft Unico, die ihre Branchen-ETFs vom Markt genommen hat. Doch Unico ist nicht die einzige Gesellschaft, auch die Kollegen von Fresco haben einige Branchen-ETFs geschlossen. Viele dieser Produkte kamen zu spät auf den Markt, um ausreichend Mittel einzusammeln. Zudem sind es im Zuge der sogenannten Branchenrotation immer nur einige Branchen-ETFs, die gut laufen, während die anderen notleidend werden. Und ohne einen ausreichenden Mittelzufluß sind börsengehandelte Fonds für den Betreiber nicht rentabel, gilt doch auch hier das Gesetz der großen Zahlen: Je mehr Mittel, desto größere Kostenvorteile.

Konsolidierung führt zu sinkenden Kosten

Da dieses Gesetz der großen Zahlen ebenso für die ETFs auf marktbreite Indizes gilt, kann man vermuten, daß es auch hier noch zu einer Konsolidierung kommen dürfte, wenn sie nicht bereits im Gange ist: Kürzlich gab Merrill Lynch bekannt, daß man die ETFs komplett an den Konkurrenten Barclays Global Investors abgebe und sich aus dem Geschäft zurückziehe. Beobachter erwarten, daß weitere solcher Konsolidierungsbewegungen folgen werden. "Es dürften in Europa maximal fünf bis sieben Gesellschaften überleben", prophezeit Meyer zu Drewer, dessen Indexchange zusammen mit dem neuen Marktführer Barclays, was die Marktanteile angeht, fast gleichauf liegt.

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Der Anleger hört das gerne, insofern mit steigenden Volumina der ETFs auch die durchschnittlichen Kosten sinken - wenn die Gesellschaften diese an die Kunden auch weitergeben. "Wir werden sinkende Kosten an unsere Kunden weitergeben", verspricht zumindest Meyer zu Drewer. Ohnehin können sich die Kosten der ETFs sehen lassen: Die durchschnittliche Gesamtkostenbelastung der ETFs liegt Merrill Lynch zufolge bei rund 0,48 Prozent - ein deutscher Indexfonds liegt bei etwa 0,98 Prozent. Kosten für den Anleger fallen allerdings in Form der Geld-Brief-Spanne an, ähnlich wie bei den Konkurrenzprodukten der ETFs, den Zertifikaten.

Pluspunkte für Indexfonds

Doch börsengehandelte Fonds auf einen Preisindex mit hoher Dividendenrendite sind für den Anleger vorteilhafter als Zertifikate, sagt Bastian, da die ETFs diese Dividenden an die Anleger weitergeben, wohingegen bei Zertifikaten, die sich nur auf Preisindizes beziehen, die Dividenden beim Emittenten verbleiben. Zudem seien viele Zertifikate hinsichtlich ihrer Laufzeit begrenzt, womit der Anleger das Wiederanlagerisiko trage. Also durchaus ein paar Argumente dafür, daß die Erfolgsgeschichte auch künftig eine Erfolgsgeschichte bleiben wird - wenn auch nicht für alle Beteiligten.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2003, Nr. 227 / Seite 21
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