Fondsmarkt

Fondsanleger sollten Berater nach passiven Fonds fragen

04.03.2005
, 13:17
Bei professionellen Anlegern werden günstige Indexfonds immer beliebter. Privatanlegern werden sie bisher selten empfohlen, da die Berater nichts an ihnen verdienen. Dabei sollten sie sie in den etablierten Märkten in Erwägung ziehen.

Im Allgemeinen stehen Investoren immer wieder vor der gleichen Problematik: Der Großteil der aktiv gemanagten Fonds bleibt hinter den jeweiligen Benchmarks zurück. Passive Anlageinstrumente werden deswegen immer beliebter.

Passive Anlageinstrumente, wie Exchange Traded Funds (ETF), befinden sich weltweit auf dem Vormarsch. Das verwaltete Vermögen der amerikanischen ETSs ist bis Ende 2004 auf 226,2 Milliarden Dollar angestiegen, berichtet der amerikanischen Fondsverband Investment Company Institute (ICI). Im Januar des Vorjahres waren es noch 155,8 Milliarden Dollar. Weltweit ist das Volumen im vergangenen Jahr um 46 Prozent gestiegen, angeführt von Europa. Das geht aus einem aktuellen Bericht der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley hervor. Per Jahresende hatten Investoren insgesamt 310 Milliarden Dollar in 336 börsennotierte Fonds investiert, verglichen mit 212 Milliarden Dollar und 282 ETFs Ende 2003.

ETFs haben Vertriebsnachteile

Bei Privatanlegern sind ETFs jedoch noch nicht sehr beliebt. Das zeigte eine Umfrage des Finanzportals Onvista unter 2.485 Nutzern der Website im November 2004. Nur ein Drittel der Befragten Privatanleger gab damals an, diesen Fondstyp zu kennen. Ein Grund dafür ist unter anderem der provisionshungrige Finanzvertrieb. Während die Berater bei den aktiv gemanagten Investmentfonds satte Ausgabeaufschläge kassieren, fehlt dieser Anreiz bei ETFs. Unter institutionellen Anlegern erfreuen sich ETFs dagegen größerer Beliebtheit.

Konkurrenz senkt Kosten

Mit dem laufend ausgeweiteten Angebot unter ETFs, entsteht auch mehr Konkurrenz unter den Anbietern. Seitdem z.B. die Exklusivlizenz für einen ETF auf den deutschen Dax per Jahresende ausgelaufen ist, bietet neben der Münchner Indexchange nun auch die Deutsche Bank ein entsprechendes Produkt auf den deutschen Aktienindex an.

Für die Anleger ein Vorteil: Neben dem größeren Angebot wurden die Produkte billiger. Denn als Reaktion auf den Start der neuen DVG-Fonds hat die Indexchange die jährliche Verwaltungsgebühr ihrer ETFs auf den Dax und den Dow Jones Euro Stoxx 50 gesenkt. Anleger zahlen für die beiden Indexchange-ETFs sowie für die neuen DVG-Fonds nun jeweils 0,15 Prozent. Bisher wurde beim Euro Stoxx 50 eine Managementgebühr von 0,40 Prozent berechnet, beim Dax Ex von 0,50 Prozent.

Was ist besser: Aktiv oder Passiv?

Generell stehen Investoren aber immer wieder vor der gleichen Problematik. Der Großteil der aktiv gemanagten Fonds bleibt hinter den jeweiligen Benchmarks zurück. Jüngste Zahlen von e-fundresearch bestätigen das: Bei europäischen Aktienfonds lag der Anteil der Fonds, die über die letzten 10 Jahre den MSCI Europe Index schlagen konnten bei mageren 9 Prozent. Nur leicht besser ist die Bilanz bei US-Aktien mit 11 Prozent. Berücksichtigt man dann noch welche Fonds den Index über 5 und 10 Jahre schlagen konnten, halbieren sich die Prozentsätze noch einmal.

Kostenvorteil spricht für Indexinvestments

Dazu kommt noch der enorme Kostenvorteil von passiven Strategien: Während Aktienfonds in Österreich im Schnitt 2,1 Prozent kosten (in Deutschland liegt dieser Wert aufgrund der in der Regel größeren Volumina bei 1,64 Prozent), ist der Dax Ex mit 0,15 Prozent deutlich billiger. Ähnliche Daten gelten auch für die USA: Während der Vanguard 500 den S&P 500 Index um 18 Basispunkte abdeckt, kostet ein typischer Large Cap Blend USA-Aktienfonds 1,22 Prozent pro Jahr. Die höhere Kostenbelastung von mehr als einem Prozent pro Jahr drückt natürlich auf die Netto-Performance. Einen Nachteil, den nur wenige Fondsmanager wieder wettmachen können.

In wenig effizienten Märkten können sich Fondsmanager bewähren

Während also in effizienten Märkten wie Amerika- oder Europa-Aktien die meisten Fonds hinter den breiten Indizes zurückliegen - und nur sehr wenige Fondsmanager langfristig risikoadjustiert herausragende Outperformancezahlen generieren können - unterscheidet sich die Lage in anderen Assetklassen komplett. Denn wenig effiziente Märkte, wie Emerging Markets oder Small Caps, bieten für aktive Manager mehr Chancen. 46 Prozent der globalen Emerging Markets Fonds etwa liegen auf Sicht der vergangenen zehn Jahre vor dem MSCI Emerging Markets Free Index. Unter Berücksichtigung des 5-Jahres-Zeitraumes bleiben immerhin noch 31 Prozent übrig, so eine Analysen von e-fundresearch per Ende 2004 auf Basis der Fondsdatenbank Lipper.

Fazit: In etablierten Märkten auf ETFs setzen

Obwohl es zu jeder Regel zahlreiche Ausnahmen gibt, empfiehlt es sich für Anleger in effizienten Core-Märkten nach kostengünstigen Investments Ausschau zu halten. Dazu zählen neben ETFs jedoch auch gute aktiv gemanagte Fonds mit einer vergleichsweise geringen Total Expense Ratio (TER). In weniger entwickelten Märkten lohnt sich die Suche nach den besten Managern dafür um so mehr.

Quelle: @cri
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