Fondsmarkt

Fondsgebundene Lebensversicherungen verlieren an Reiz

EIN KOMMENTAR Von Hanno Beck
26.07.2004
, 18:12
Mit dem Wegfall des Steuerprivilegs ab dem kommenden Jahr werden fondsgebundene Lebensversicherungen nur noch schwer zu verkaufen sein. Dagegen dürften „Leibrentenmodelle“ attraktiver werden.

Ihnen wird etwas weggenommen, was Sie bisher schon nicht wollten", spotten Vertriebsprofis über die Verkaufsoffensive, welche die Versicherungsbranche in den kommenden Monaten entfalten dürfte: Da ab dem kommenden Jahr das Steuerprivileg der Versicherer deutlich gestutzt wird, werden die Vertriebstruppen über die Lande ziehen und versuchen, denjenigen Kunden, die bisher noch keine Lebensversicherung wollten, die letzte Chance auf die in diesem Jahr auslaufende Steuerersparnis zu verkaufen. Vom kommenden Jahr an wird allgemein damit gerechnet, daß das Geschäft der Versicherer einen herben Dämpfer erhalten wird.

Für einige der Versicherungsprodukte könnte die steuerliche Neuordnung der Altersvorsorge sogar das komplette Aus bedeuten. Vor allem die fondsgebundene Lebensversicherung dürfte nach Ansicht von Experten zu einer gefährdeten Spezies mutieren: "Bisher war eine fondsgebundene Lebensversicherung vor allem wegen ihres steuerlichen Mantels attraktiv: Neben der Rendite eines Fonds kam dann noch die steuerliche Attraktivität der Lebensversicherung dazu - wenn dieses Privileg nun entfällt oder zumindest deutlich gestutzt wird, gibt es keinen Grund mehr, diese Produkte zu kaufen", meint Dirk Popielas, Altersvorsorge- und Versicherungsexperte bei Goldman Sachs.

Fondsgebundene Lebensversicherungen verlieren ihre Reize ...

In der Tat wird die fondsgebundene Lebensversicherung eines ihrer größten Vorteile beraubt: Man konnte die Steuervorteile einer Lebensversicherung mit der Renditestärke von Fondsprodukten verbinden. Am Ende des Sparprozesses konnte sich der Anleger die komplette Summe steuerfrei auszahlen lassen - ein Prozedere, das übrigens auch bei fondsgebundenen Rentenversicherungen möglich war. Bei einem normalen Fondssparplan hingegen können Anleger zwar die Kursgewinne steuerfrei einstreichen, müssen aber im Gegensatz zu den Policen-Besitzern die jedes Jahr anfallenden Zinsen und Dividenden versteuern.

Vom kommenden Jahr an greift nun der Fiskus zu: Wer sich jetzt seine fondsgebundene Kapital- oder Rentenversicherung auszahlen lassen will, muß die Hälfte des Gesamtertrages aus seinen Einzahlungen mit seinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern - das macht diese Produkte deutlich unattraktiver. Wie bisher muß er den Gesamtertrag versteuern, wenn die Laufzeit der Versicherung unter zwölf Jahren liegt und er nicht mindestens das sechzigste Lebensjahr vollendet hat.

Dabei waren diese Produkte bereits vorher nicht so rentierlich, wie man es vermutet, meint Steffen Leipold, Direktor Vertrieb bei der DWS: "Die Steuerfreiheit hat sich nicht so massiv auf die Rendite ausgewirkt, da die wichtigste Renditequelle eines Fondssparplans die Kursgewinne sind - und die sind auch im normalen Fondssparplan steuerfrei, wenn man von den Kursgewinnen der letzten elf Monate des Sparplans absieht." Und je mehr der Anleger zudem noch seinen Sparerfreibetrag nicht komplett ausgeschöpft habe und deswegen auch die jährlichen Dividendenzahlungen steuerfrei vereinnahmen konnte, um so mehr löse sich der Steuervorteil auf.

... da ein Teil der Rendite verlorengeht

Jetzt allerdings wendet sich das Blatt: Wenn am Ende des Sparprozesses die Hälfte des Ertrages versteuert werden muß, dann ist der Sparerfreibetrag rasch erschöpft, zudem droht dem Anleger eine höhere Steuerprogression. Wenn der steuerschützende Mantel der Lebensversicherung nun im kommenden Jahre Löcher bekommt, werden Anleger genauer nachrechnen: Was bringen und kosten fondsgebundene Versicherungsprodukte denn wirklich?

Klar ist, daß ein Teil der Rendite eines Fondssparplans in einer fondsgebundenen Lebensversicherung verlorengeht, weil daraus der Versicherungsschutz bezahlt wird. Was denn die Fondsgebundene wirklich kostet, läßt sich bei seriösen Anbietern nachrechnen: Gute Anbieter weisen aus, wieviel der Kunde nach Ablauf des Sparprozesses erhält, wenn man unterstellt, daß der Fonds eine Rendite von null Prozent abwerfen würde. Daraus läßt sich leicht errechnen, wie hoch der wirkliche Anlagebetrag und die anfallenden Kosten sind: Man subtrahiert von dieser ausgewiesenen Ablaufleistung des Vertrages bei einer Rendite von null Prozent die Summe der geleisteten Beiträge und erhält damit die tatsächlichen Kosten des Vertrags. Die Differenz zwischen den nominalen Beiträgen, die der Kunde tatsächlich zahlt, und der nominalen ausgewiesenen Ablaufleistung ist jener Anteil, den der Versicherer zur Bezahlung des Versicherungsschutzes, des Vertriebs und der Verwaltung abzwackt.

... neben der Unflexibilität

Mit dem Rückgang der Steuervergünstigungen rückt noch ein anderer Nachteil der fondsgebundenen Produkte in den Vordergrund: ihre im Vergleich zu normalen Fondssparplänen geringe Flexibilität. Wer in einen normalen Fondssparplan investiert und dazu eine Risiko-Lebensversicherung abschließt, hat das gleiche Produktpaket, kann aber die Versicherung jederzeit kündigen, ohne die Fonds-Anlage zu tangieren - bei einer fondsgebundenen Anlage ist das nicht möglich. Hinzu kommt, daß er die Kosten sowohl des Fonds als auch der Risiko-Lebensversicherung mehr oder weniger genau weiß - im Gegensatz zu einer fondsgebundenen Anlage.

Das sind viele Argumente, die gegen eine fondsgebundene Police sprechen - wird es eine Zukunft für solche Produkte geben? Experten vermuten, daß der Trend in den kommenden Jahren dazu gehen wird, Versicherungsprodukte stärker mit Produkten oder Dienstleistungen der Fondsbranche zu koppeln. "Es werden zunehmend Produkte angeboten werden, die am Ende des Sparprozesses eine regelmäßig Rente offerieren oder Wandlungsrechte in eine solche Rente vorsehen und damit das Langlebigkeitsrisiko abdecken", glaubt Popielas. Den Grund dafür sieht er in den zum kommenden Jahr verbesserten steuerlichen Rahmenbedingung für Leibrenten: Wer eine Leibrente zum 65. Geburtstag vereinbarte, mußte sich bisher einer Ertragsanteilsbesteuerung von 27 Prozent unterwerfen. Dieser Satz wurde von der Regierung auf 18 Prozent gesenkt - äußerst attraktiv, wie Popielas meint. Vielleicht wird dem Bürger ja hier ausnahmsweise einmal etwas gegeben, was er auch will und gebrauchen kann.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.07.2004, Nr. 172 / Seite 19
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