Fondsmarkt

Fondsmanagern nachzulaufen, kann sinnvoll sein

EIN KOMMENTAR Von Hanno Beck
08.11.2004
, 18:12
Früher galt es als Ehrung, wenn ein Vorstand einem die Hand schüttelte und selbige mit einer goldenen Armbanduhr für langjährige Betriebszugehörigkeit schmückte. Solche Treue zum Produkt ist bei Fondsmanagern indes selten.

Früher galt es als Auszeichnung, wenn der Vorstand eines Unternehmens einem die Hand schüttelte und selbige mit einer goldenen Armbanduhr für langjährige Betriebszugehörigkeit schmückte - wer in Deutschland seinem Arbeitgeber die Treue hält, dem zollt die deutsche Arbeitswelt Respekt. Welch rauhe Sitten herrschen demgegenüber in den angelsächsischen Ländern, wo eine Betriebszugehörigkeit jenseits der fünf Jahre nicht immer als Treue, sondern als Bequemlichkeit interpretiert wird.

Besonders wechselhaft, so hat der Finanzdienstleister Morningstar herausgefunden, geht es in der europäischen Fondsbranche zu: Nur 15 Prozent der Fondsgesellschaften bekennen, daß ihre Fondsmanager ein und den gleichen Fonds mehr als sechs Jahre lang betreuen - und fast 40 Prozent sagen, daß ihre Fondsmanager einen Fonds im Durchschnitt gerade einmal zwei Jahre betreuen. Das sieht nicht unbedingt danach aus, als ob es viele Fondsmanager gebe, denen eine goldene Armbanduhr zusteht.

Beste Talente werden mit höheren Gehältern geködert

Doch man kann angesichts der nach wie vor hohen Gehälter sein Mitleid darüber zügeln, zumal die Fondsgesellschaften durchaus um ihr Personal kämpfen. Laut Morningstar haben mehr als 40 Prozent der insgesamt 50 befragten europäischen Fondsgesellschaften angegeben, daß man versuche, die besten Talente zu halten, indem man höhere Gehälter und Bonifikationen zahle. Und offenbar passen sich auch die Gehaltsverhältnisse an die steigende Unstetigkeit der Fondsmanager an. 37 Prozent der Gesellschaften gaben an, daß sich ihre Bonuszahlungen am eher kurzfristigen Zeithorizont von einem Jahr orientieren.

Insgesamt wirft diese Studie ein nicht gerade freundliches Licht auf die Branche: Sind europäische Fondsmanager nur geldgetriebene Investmentnomaden, die, vom Lockruf des schnellen Geldes getrieben, kreuz und quer über den Kontinent ziehen? „Bisher haben wir in Deutschland keine amerikanischen Verhältnisse“, sagt Norbert Sowa vom ifa Privates Institut für Fondsanalyse. Nicht hinter jedem Fondsmanagerwechsel sollte man das Bild eines Finanznomaden sehen, glaubt er.

Natürlich muß man die Zahlen in mancherlei Hinsicht relativieren. Zum einen hat das äußerst volatile Geschäft in den vergangenen fünf Jahren, als zuerst viele Fonds auf den Markt geworfen und anschließend wieder aufgelöst wurden, naturgemäß zu einer höheren Fluktuation geführt. Hinzu kommt die Biologie, wie Branchenbeobachter sagen: Neben dem regulären altersbedingten Wechsel, bei dem der Senior-Fondsmanager den Stab an einen von ihm eingearbeiteten Nachfolger übergibt, ist im Fondsmanagement ein Trend zu mehr Jugendlichkeit zu beobachten.

Langjährige Erfahrung bei Rentenfonds eher geschätzt

Denn mit zunehmender Bedeutung der Aktienfonds sind auch die Fondsmanager jünger geworden; anders als bei Rentenfonds, wo langjährige Erfahrung von den Gesellschaften offenbar noch mehr geschätzt wird. Und mit der anstehenden Konsolidierung in der Branche dürfte bei anstehenden Übernahmen oder Fusionen sicherlich auch das Personalkarussell weiter kräftig rotieren. In jungen Jahren schade es nichts, seinen Horizont durch einen Arbeitsplatzwechsel zu erweitern, relativieren Branchenkenner. Doch unbestreitbar haben die Gehaltverhältnisse viel mit der Wechselfreudigkeit der Fondsmanager zu tun.

In den wenigsten Fällen könne man einem Fondsmanagerwechsel gute Seiten abgewinnen, glaubt Thomas Portig von HCM: "Wenn ein Fondsmanager lange bei einer Gesellschaft ist und dort gute Arbeit abliefert, dann gibt es wenig überzeugende Gründe, warum er wechseln sollte - zumal er dann auch anständig bezahlt werden dürfte", sagt er. Natürlich gebe es Einzelfälle, in denen der Fondsmanager das Gefühl habe, seinen Investmentstil nicht so entfalten könne, wie er sich das vorstelle - das sei aber die Minderheit.

Wer diesen Traum der Freiheit hege, wechsle oft nicht zu einer anderen Fondsgesellschaft, sondern gründe seine eigene, kleine Investmentboutique. Hier gibt die Morningstar-Umfrage Portig recht: Nur zehn Prozent der scheidenden Fondsmanager gingen zu Hedge Fonds und 23 Prozent zu kleineren Investment-Boutiquen. Die wenigsten Fondsmanager folgen also dem Ruf der Investment-Freiheit.

Dem Fondsmanager hinterherreisen

Muß der Anleger sich für die Wanderlust der Fondsmanager interessieren? Ja, betont Eckhard Sauren, Dachfondsmanager aus Köln: "In vielen Fällen macht es für die Kunden Sinn, dem Fondsmanager hinterherzureisen", sagt er und verweist auf das Beispiel Jürgen Kirsch, einen der renommiertesten Fondsmanager für Schwellenländer. Von 1995 bis 1997 schlug Kirsch für die Fondsgesellschaft Mercury die Konkurrenz aus dem Feld. Dann wechselte Kirsch zu Griffin, und seither sind die von ihm für Griffin betreuten Produkte besser als die der Konkurrenz. "Wer einen Blick auf die Erfahrung des Fondsmanagers wirft, erhöht seine Prognosequalität", meint Sauren. "Die Nachfolger schaffen es oft nicht, an die Leistungen ihrer Vorgänger anzuknüpfen", sagt auch Portig. Lediglich bei extrem teamorientierten Investmentprozessen gelinge es Gesellschaften, sich von solchen Brüchen freizumachen.

Dabei muß es nicht immer nur die Person des Fondsmanagers alleine sein: Oft nimmt dieser bei seinem Weggang Teile des Teams mit und hinterläßt eine Umgebung, die speziell auf ihn und sein Team zugeschnitten war und die sein Nachfolger nun mühsam seinen eigenen Gepflogenheiten anpassen muß. Das Problem für den Anleger: Erfährt er in den wenigsten Fällen, daß das Management seines Fonds wechselt, so erfährt er noch weniger über die Hintergründe, Motive oder darüber, ob das gesamte Team wechselt oder wie es für den Fonds weitergeht. "Wenn das Fondsmanagement wechselt, dann sollten Sie den Fonds mindestens ein halbes Jahr beobachten und gegebenenfalls handeln", rät Portig. Wer das tut, kann unter Umständen viel Geld sparen, das er dann sinnvoll ausgeben kann - zum Beispiel für eine goldene Uhr.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.11.2004, Nr. 262 / Seite 21
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot