Fondsmarkt

In börsengehandelten Fonds steckt soviel Kapital wie noch nie

06.01.2004
, 18:46
Auf den „Dax” kann man mit ausgewählten Exchange Traded Funds wetten
Exchange Traded Funds, die meist Aktienindizes abbilden, schwimmen auf einer Erfolgswelle. In den Produkten steckt soviel Kapital wie noch nie. Zudem ist mit ihnen mehr Geld zu verdienen als mit vielen gemanagten Fonds.

Für Karl-Friedrich Mengel, Vorstand der Starcapital AG, ist es „eine sehr grobschlächtige Art des Anlegens“, auf einen ganzen Index zu setzen statt sich einzelne Aktien herauszupicken. Doch die Exchange Traded Funds (ETFs), die wie der Dax ex oder der MDax ex des Anbieters Indexchange in der Regel einen Aktienindex abbilden, schwimmen gleichwohl auf einer Erfolgswelle. In diesen Tagen steckt rund um den Globus in den auch börsengehandelten Fonds genannten Investments soviel Kapital wie niemals zuvor.

Zudem steigt nach einer Phase des Rückgangs auch die Zahl der verfügbaren Produkte dieses Segments wieder an. Dies zeigt eine neue Studie der Investmentbank Morgan Stanley, für die Analystin Deborah Fuhr von London aus die ETF-Welt im Blick hat, die gerade für unerfahrene Anleger viele Vorteile birgt.

Amerika kann das größte Fondsvolumen vorweisen...

Ende des vergangenen Jahres betrug das Volumen der Exchange Traded Funds auf der Welt rund 211,061 Milliarden Dollar, wie der Studie zu entnehmen ist. Zum Vergleich: Nach dem dritten Quartal 2003 standen 176,742 Milliarden Dollar zu Buche. Mithin ist der Wert der ETFs innerhalb eines Vierteljahrs um fast 20 Prozent gestiegen. Binnen Jahresfrist ist das Gesamtvolumen um annähernd 50 Prozent gewachsen.

Der größte Markt für diese Wertpapiere sind weiter mit großem Abstand die Vereinigten Staaten, wo 150,71 Milliarden Dollar in diesem Fonds-Segment stecken. Japan folgt an zweiter Stelle mit einem Anlagekapital von 27,63 Milliarden Dollar vor Europa mit 19,5 Milliarden Dollar, wobei nicht zwischen den einzelnen Ländern unterschieden wird. Auf Rang vier liegt Kanada mit 5,136 Milliarden Dollar, so Morgan Stanley.

...Europa dagegen die höchste Zahl an gelisteten ETFs

Anders sieht es bei der Zahl der verfügbaren Exchange Traded Funds aus: Hier liegt Europa mit 158 verschiedenen Produkten an der Spitze, das sind drei mehr als Ende September. In Amerika sind 116 börsengehandelter Fonds gelistet und damit zwei weniger als am Ende des dritten Quartals 2003. Jeweils 18 dieser Produkte sind an den Börsen in Tokio und Hongkong gelistet. Der mit einem Volumen von 662 Millionen Dollar kleine isrealische Markt kann inzwischen drei ETFs vorweisen, nachdem ein Fonds im vierten Quartal hinzugekommen ist.

Auch bei der Zahl der Fondsmanager hat Europa die Nase vorn: In der EU gibt es 14 Experten, die Exchange Traded Funds betreuen, in Amerika acht, in Japan und Korea jeweils vier, in Indien drei sowie in Australien, Hongkong, Kanada und Südafrika jeweils zwei.

Die schwersten europäischen ETFs - Vorteile für Anleger

Der schwerste europäische ETF ist der auf den französischen Leitindex laufende CAC 40 Master Unit (ISIN: FR0007052782), der Ende Dezember auf 2,071 Milliarden Dollar kam. An zweiter Stelle rangierte der in London gehandelte iShares DJ Euro Stoxx 50 Total (IE0008471009) vor dem Konkurrenzprodukt von Indexchange, dem DJ Euro Stoxx 50 ex Total (DE0005933956) mit 1,818 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Dax ex (DE0005933931) von Indexchange, der den deutschen Leitindex abbildet, war am 31. Dezember 1,326 Milliarden Dollar schwer, während im TecDax ex (DE0005933972) lediglich 164,7 Millionen Dollar und im MDax ex (DE0005933923) nur 46,4 Millionen Dollar steckten.

Exchange Traded Funds haben gerade für eher unerfahrene Anleger eine Reihe von Vorteilen. Anders als üblichen Aktienfonds wird beim Kauf kein Ausgabeaufschlag fällig, der gewöhnlich zwischen vier und fünf Prozent beträgt. Mithin profitieren Investoren unmittelbar, falls der Kurs am Tag nach dem Kauf steigt, ohne erst den Schluß der Lücke zwischen dem Ausgabe- und dem Rücknahmepreis abwarten zu müssen. Zudem ist die Verwaltungsgebühr, die vom Anlagekapital abgezogen wird, geringer als bei Aktienfonds.

Indexfonds deutlich besser als viele gemanagte Produkte

Anleger müssen bei ETFs auch nicht den Werdegang einzelner Aktien verfolgen kümmern, deren Wert sich von einem Tag auf den anderen je nach der Nachrichtenlage und Investitionsentscheidungen großer Anleger stark verändern kann - nach oben oder nach unten. Vielmehr genügt es, den Markt an sich im Auge zu behalten, etwa indem man Nachrichten liest, hört oder sieht. Nicht zuletzt sind die Kurse der ETFs wie bei Aktien laufend aktuell verfügbar und mithin anders als bei Aktienfonds, deren Wert nur einmal am Tag festgestellt wird, stets transparent.

Im übrigen mag das Geldanlegen über Indexfonds „grobschlächtig“ im Vergleich zur Auswahl bestimmter Einzelwerte sein. Doch im Vergleich mit gemanagten Fonds können sie sich sehen lassen. Ein Beispiel der Dax ex liegt unter 101 Deutschlandaktien-Fonds auf Platz 46 bei der Jahresperformance. Das heißt: 55 gemanagte Produkte haben schlechter abgeschnitten, zum Teil deutlich...

Quelle: @thwi
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