Fondsmarkt

Mit "Super-Fonds" werden Fondsmanager flexibler

EIN KOMMENTAR Von Hanno Beck
27.09.2004
, 18:12
Auch in Deutschland werden Fonds vom Gesetz nicht mehr nach verschiedenen Klassen unterschieden, sondern es sind gemischte Dach-, Wertpapier-, Geldmarkt- und Derivatefonds möglich. Fondsmanager haben mehr Handlungsspielraum.

Wir leben in einer Zeit der Superlative. Alles muß schneller, höher, weiter werden, noch besser und noch anspruchsvoller. Wen wundert es da, daß auch die um Superlative selten verlegene Fondsbranche gerne mit dem Wort "super" haussieren geht?

Immerhin wird seit diesem Jahr auch auf deutschem Boden endlich ein Super-Fonds angeboten, nämlich der sogenannte Super-OGAW. OGAW steht dabei für "Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren", und ein Super-OGAW ist ein Fonds, der entgegen der bisherigen deutschen Gewohnheiten in fast alles investieren kann, was Rendite bringt.

Super-Fonds dürfen beinahe alle „Anlageregister“ ziehen

Was im Ausland schon seit langem möglich ist, ist jetzt auch in Deutschland erlaubt: Fonds werden vom Gesetz nicht mehr nach verschiedenen Klassen unterschieden, sondern es sind gemischte Dach-, Wertpapier-, Geldmarkt- und Derivatefonds möglich. Diese Fonds dürfen dann in wesentlich mehr Instrumente investieren als die bisherigen Fonds nach deutschem Recht. Und da dann die bisher in Deutschland üblichen Fondsklassifizierungen entfallen und nur noch die zulässigen Anlageinstrumente im Gesetz benannt werden, kann ein neuer Investmentfonds auch aus einer Mischung aller zulässigen Anlageformen bestehen. Anders als im bisher geltenden deutschen Recht können dann beispielsweise gemischte Fonds aufgelegt werden, die neben Aktien und Renten auch Fondsanteile über fünf Prozent hinaus halten dürfen. Zudem können sie Derivate nutzen und so den Investitionsgrad des Fonds auf bis zu 200 Prozent anheben.

Klingt doch super, so ein Super-Fonds - allein, die meisten Gesellschaften zieren sich bisher, ihren Kunden ein solches Produkt auch anzubieten. "Solche Produkte lassen sich nicht vom Reißbrett weg verkaufen", meint Ralf Freiherr von Ziegesar von der Fondsgesellschaft Veritas. Er sieht einen Haken am Super-Konzept vor allem im Vertrieb: Ein Super-Fonds, der alles könne und dürfe, lasse sich nur schwerlich beim durchschnittlichen Kunden verkaufen. Der Erklärungsbedarf sei extrem hoch. Zudem wisse der Berater ohne eine entsprechende Kategorisierung auch nicht, für welche Zielgruppe ein solcher Fonds geeignet wäre.

Nicht einfach zu vermarkten

Viele Branchenkenner geben Ziegesar recht: Wer einen Fonds verkaufen wolle, der alles dürfe - ob es der Fondsmanager kann, steht auf einem anderen Blatt -, mute dem Kunden im Extremfall zu, sein Geld in ein schwarzes Loch zu werfen und sich davon überraschen zu lassen, was dann am Ende des Tages herauskommen werde. Insofern sei das "Super" in "Super-OGAW" eher eine Marketing-Geschichte als ein Investment-Konzept. Und wer die Funktionsmechanismen des Marketing kennt, der wundert sich, daß nicht schon der Super-Super-OGAW ausgerufen wurde, denn den gibt es nämlich auch: Das deutsche Investmentrecht erlaubt jetzt den Fondsmanagern sogar, Hedge Fonds oder Immobilienfonds-Anteile beizumischen - allerdings um den Preis, daß es mit der Zulassung des Fonds im Ausland etwas schwieriger wird. Schneller, höher, weiter - Deutschlands Fonds werden also noch flexibler, noch leistungsfähiger?

Das Problem an dem erweiterten Kreis der Möglichkeiten dürfte in zwei Punkten liegen: "Sie müssen sich zuerst fragen, ob der Kunde exakt noch das Produkt erhält, das er eingekauft hat, und dann müssen Sie sich fragen, ob der Fondsmanager auch alle Möglichkeiten, die er nun hat, sinnvoll nutzen kann", sagt Baki Irmak von der DWS. "Solche Fondskonzepte sind schwer zu durchschauen und zu überprüfen", sagt auch Kai Wiecking vom Finanzdienstleister Morningstar - und spricht damit aus, was der Großteil der Branche denkt: Der Super- oder Super-Super-Fonds dürfe eben nicht zum schwarzen Rendite-Loch mutieren. "Sie müssen weiterhin auf Produktwahrheit, Klarheit und Transparenz achten", sagt Michael Peters von der Fondsgesellschaft Dit. Dort will man keinen Super-OGAW auflegen. Statt dessen wolle man, wo es sinnvoll ist, bei einzelnen Produkten eine Umstellung auf die neuen Möglichkeiten in Erwägung ziehen.

Flexibilität der Fondsmanager erhöht sich

Das, so sind sich Experten auch einig, ist die eigentliche Geschichte hinter Super-OGAW: Die Flexibilität der Fondsmanager erhöht sich. So kann dann beispielsweise ein Dachfonds Einzelwerte beimischen oder ein Aktienfonds sich mit Derivaten absichern. "Vor allem in kleinen Portfolios können Sie einige Randthemen wie beispielsweise Asien dann über Fonds abdecken - das ist viel flexibler und effizienter, als auf Einzelwerte zu setzen", sagt der Vermögensverwalter Jens Erhardt, der in Deutschland den ersten Super-OGAW aufgelegt hat. "Sinn macht so etwas beispielsweise bei Garantiefonds, die sich jetzt effizienter mit Derivaten absichern können", ergänzt Franz Feldmann von Union Investment.

Doch machen die erweiterten Anlagemöglichkeiten der Fonds nicht andere Fondskonstruktionen wie Dachfonds, Mischfonds oder sogar Hedge Fonds überflüssig? "Sie können beispielsweise Mischfonds um Immobilienfondsanteile erweitern - das kann durchaus Sinn machen", glaubt Feldmann. Ob allerdings Mischfonds von Super-OGAWs abgelöst werden, ist eine andere Frage. "Mischfonds sind eher defensivere Investments, ein Super-OGAW ist eher gezwungen, dorthin zu gehen, wo gerade viel passiert - das ist eine aggressivere Strategie", glaubt Erhardt. Auch bei den Dachfonds ist ein Wachwechsel nicht in Sicht. "Sobald ein Fonds mehr als 10 Prozent anderer Fondsanteile enthält, kommt er nicht mehr als Zielfonds für andere Dachfonds in Frage - da bricht dann ein wichtiger Vertriebskanal weg", sagt Dit-Experte Peters. Ebenso gibt es noch Abgrenzungen zu Hedge Fonds: Ein Hedge Fonds darf auch direkt in Rohstoffe investieren, darf Kredite aufnehmen, darf Einzelwerte leer verkaufen und auch einen Investitionsgrad haben, der über den für Super-OGAWs erlaubten 200 Prozent liegt. Insofern könnte man hier von Super-Super-Super-Fonds sprechen - aber diese Ballung von Superlativen ist wohl selbst dem stets um Aufmerksamkeit bemühten Marketing der Fondsgesellschaften etwas zuviel des Guten gewesen.

Quelle: hbe., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.09.2004, Nr. 226 / Seite 25
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