Fondsmarkt

Profis setzen auf Publikumsfonds

EIN KOMMENTAR Von Hanno Beck
01.11.2004
, 18:12
Privatanleger können einiges von professionellen Geldverwaltern lernen. Die setzen immer mehr auf Publikums- statt auf Spezialfonds. Denn wenige Produkte reichen, um ein vernünftiges Portfolio zu strukturieren.
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Ob im Sport, in der Kunst oder beim Investieren - wer klug ist, versucht von den Profis zu lernen. Vor allem im Investmentgeschäft ist dieser Gedanke sinnvoll: Wer für ein Portfolio von mehreren Millionen Euro verantwortlich ist, dem kann man getrost eine gewisse Sorgfalt und Sachkenntnis unterstellen und versuchen, davon zu profitieren.

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Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt, daß institutionelle Investoren auch oft Trendsetter für das Publikumsgeschäft waren: "Viele institutionelle Investoren haben nach der Baisse der Jahre 2000 und 2001 ihre Risikopositionen reduziert oder sich gegen Risiken abgesichert - und mit etwas Zeitverzögerung haben auch die privaten Anleger das Risiko aus ihren Portfolios genommen und verstärkt auf risikolosere Investments gesetzt", sagt Alexander Schindler, Vorstandsmitglied der Union Investment. Ein anderes Beispiel ist die Hedge-Fonds-Welle, die derzeit ins Publikumsgeschäft hinüberschwappt - nachdem rund um den Globus zunächst institutionelle Anleger zu diesen Produkten gegriffen haben.

„Profis“ setzen immer mehr auf Publikumsfonds

Wenn also das institutionelle Geschäft eine Art Frühindikator ist, fragt man sich natürlich sofort, welcher Trend denn dann als nächster aus dem Lager der Profis zu den Privatanlegern überspringt. Schindlers Antwort ist überraschend: Großinvestoren setzen zunehmend auf Publikumsfonds. Bisher haben institutionelle Investoren wie Versicherungen, Pensionskassen, Stiftungen oder Versorgungswerke sich bei den Fondsgesellschaften eine Extrawurst braten lassen, indem sie ihr Geld in eigens für sie aufgelegte Spezialfonds investierten, die normal sterblichen Anlegern nicht zugänglich sind. Über den sogenannten Anlageausschuß kann der Spezialfondskunde dann zumindest die Rahmendaten des Fonds beeinflussen. Doch immer mehr Investoren erkennen die Vorzüge eines Publikumsfonds: "Vor allem kleinere Investoren, die früher individualisierte Spezialfonds wünschten, setzen zunehmend auf Publikumsfonds", sagt Schindler.

Ein Grund für diesen Trend liegt in den Größenvorteilen, die vor allem mittelgroße institutionelle Anleger in Publikumsfonds sehen: "Vor allem für kleinere Versorgungswerke und Pensionskassen mit geringeren Volumina ist es sinnvoll, einzelne Vermögensklassen über einen Publikumsfonds abzudecken, anstatt mit geringen Mitteln einen eigenen Spezialfonds aufzulegen", sagt Markus Neubauer, Geschäftsführer von Universal Investment. Wenn beispielsweise ein Investor 10 Prozent seiner Mittel in Unternehmensanleihen investieren wolle, dann sei das bei kleineren Investoren ein zu geringes Volumen, für das sich ein eigener Fonds nicht lohne. In der Tat gehen immer mehr Investoren nach einem Ansatz vor, der in der Branche als "core-satellite-Ansatz" beschrieben wird: Neben dem Kern des Portfolios, der sich aus Standardinvestments aller Art zusammensetzt, definiert man Investment-Randthemen wie beispielsweise Hedge-Fonds, Hochzinsanleihen oder Branchenfonds, in die man dann einen kleineren Teil seiner Mittel steckt. Und diese Spezialthemen sind es, die sich preisgünstiger über einen Publikumsfonds abwickeln lassen. Schindler sieht in diesem Trend auch eine risikominimierende Strategie: "Wenn Sie ein ausreichend diversifiziertes Portfolio haben wollen, kommen Sie bei kleineren und mittelgroßen Verwaltungsmandaten nicht an Publikumsfonds vorbei", meint er.

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Publikumsfonds sind fungibler als Spezialfonds

Es gibt noch einen weiteren Grund, der für Publikumsfonds in den Portfolios institutioneller Investoren spricht: "Besitzt ein Investor mehr als 50 Prozent der Anteile an einem Fonds, so muß er alle Einzelpositionen des Fonds bilanzieren. Liegt sein Anteil am Fonds darunter, so muß er nur den Fonds als Ganzes in seiner Bilanz ausweisen", erklärt Volker Kurr von SEB Invest. Hinzu kommt, daß ein Investment in Publikumsfonds wesentlich flexibler ist: Anstatt erst einen Spezialfonds aufzulegen und ihn dann gegebenenfalls zu kündigen - alles zeitaufwendige Vorgänge -, läßt sich ein Publikumsfonds jederzeit kaufen oder verkaufen, und es läßt so schnell auf Marktsituationen reagieren. Die Kosten liegen für die institutionellen Anleger nicht wesentlich über denen eines Spezialfonds, wie immer im Leben gibt es hier auch bei den Verwaltungsvergütungen Mengenrabatt. Und der Haken an der Sache? "Natürlich können Sie als Investor einen Publikumsfonds nicht steuern - im Gegensatz zum Spezialfonds stehen Sie hier mehr oder weniger an der Seitenlinie und können lediglich verkaufen, wenn Ihnen die Strategie des Fondsmanagements nicht mehr zusagt", sagt Neubauer.

Und was bedeutet das für den Privatanleger? Zunächst einmal fragt er sich, ob denn sein Fonds nicht zu groß und unbeweglich wird, wenn nun auch institutionelle Investoren mit ihren enormen Mitteln in den Fonds drängen. "Diese Gefahr sehe ich nicht, solche Größengrenzen gibt es vielleicht für die ganz großen Flaggschiffe, für einen normalen Fonds dürfte das kein Problem sein", sagt Kurr. Im Gegenteil verteilen sich die Fixkosten des Fonds auf mehr Mittel, und mit größeren Ordervolumina könne der Fonds auch bessere Konditionen im Handel erzielen, meint Neubauer.

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Fondsvielfalt ist überflüssig - wenige Produkte reichen

Für den Privatanleger ist dieser Trend eigentlich eine Bestätigung und ein gutes Zeichen: Wenn die institutionellen Anleger zu den gleichen Produkten greifen, dann wissen sie zum einen, daß sie den gleichen Zugang zu den Weltkapitalmärkten haben wie die Investment-Profis. Lernen können Sie auch von der Philosophie des Core-satellite-Ansatzes, mit dem die Investment-Welt einfacher wird: "Sie benötigen eigentlich nur einige wenige Bausteine: ein Rentenprodukt, einen Immobilienfonds, Aktienfonds und ein oder zwei Produkte mit alternativen Investments. Das gewichten Sie in Ihrem Portfolio nach Maßgabe der persönlichen Risikoneigung - fertig", meint Schindler. Vergleichen kann man das mit der Entwicklung bei Stereound HiFi-Anlagen: Mußten es früher komplizierte Anlagen mit immer mehr Knöpfen und Reglern sein, so neigen heute auch die HiFi-Profis zu ganz schlichten Anlagen. Auch bei der Zusammenstellung der Portfolios hält nunmehr der Trend zur Schlichtheit Einzug. Dann kommt es nur noch darauf an, daß man bei der Zusammenstellung der HiFi-Anlage, respektive des Portofolios die besten Bausteine auswählt - dann stimmen auch der Klang und die Rendite.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2004, Nr. 256 / Seite 21
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