Fondsmarkt

Templeton Growth Fund wird 50

EIN KOMMENTAR Von Hanno Beck
29.11.2004
, 18:29
Der Templeton Growth Fund wird 50 Jahre alt. Was anfangs als exotisch galt, ist längst zum „Basisinvestment“ für langfristig orientierte Anleger geworden. Allerdings ist es auch nur für solche geeignet, denn günstig ist es nicht.

Geburtstage sind immer etwas Schönes, und runde Geburtstage sind zudem etwas Besonderes. Und etwas ganz Schönes und Besonderes ist der fünfzigste Geburtstag - wer diesen Ehrentag begehen darf, der hat einiges hinter sich, worüber er berichten kann, hat aber auch noch viel vor sich, worauf er sich freuen kann.

Einen solchen Geburtstag gilt es zu feiern: Auf den Schlag genau am Montag vor 50 Jahren erblickte ein Fonds das Licht der Welt, der damals revolutionär erschien und heute als einer der ganz Großen gilt und es - gemessen am Volumen - auch ist. Heute vor 50 Jahren hob John Templeton, der sich heute Sir Templeton nennen darf, den mittlerweile legendären Templeton Growth Fund aus der Taufe.

Templeton Growth Fund war am Anfang exotisch

In der Tat war der Fonds damals etwas Besonderes, denn Sir John war einer der ersten Investoren, die über den Tellerrand der eigenen Börse hinausblickten und auch im Ausland investierten. So merkwürdig dies einem angesichts der heutigen Investmentlandschaft vorkommen mag - 1954 war das vor allem für amerikanische Investoren eine Revolution. Damals glaubten die amerikanischen Investoren noch, der einzig sichere Ort zum Investieren sei die Heimat. "Ich galt als Exot", sagt Sir John, der sich einen Teil seines Studiums durch Pokerspielen finanzierte, heute in Anspielung auf seine damaligen Ambitionen, im Ausland zu investieren.

Heute ist der Exotenfonds etabliert, fast 20 Milliarden Dollar schwer und hat eine beachtliche "Leistungsbilanz": Kalter Krieg, Kuba-Krise, Vietnam-Krieg, Ölkrisen, Wettrüsten, das Fallen des Eisernen Vorhangs, Asien-Krise, Afghanistan, "11. September", Golfkriege - all das überstand der Fonds mit einer beachtlichen Wertentwicklung von rund 11 Prozent pro Jahr. Natürlich gab es auch schlechte Zeiten: Als zum Ende des vergangenen Jahrtausends die Börse ihre offenbar in regelmäßigen Abständen auftretende intellektuelle Auszeit nahm, hinkte der Fonds in der Wertentwicklung hinter vielen "heißen" Produkten hinterher. Damals waren sogenannte Wachstumswerte der Renner an den Börsen, und Fonds, die auf den sogenannten Growth-Stil setzten, führten die Hitlisten an. Da konnte der Templeton Growth nicht mithalten, denn obwohl er so heißt, verfolgt das Fondsmanagement bei diesem Produkt einen sogenannten wertorientierten Investmentstil. In den fünfziger Jahren kannte man die Unterscheidung zwischen Growth- und Value-Anlagestil noch nicht, und der Templeton Growth müßte nach der heutigen Investment-Diktion eher Templeton Value heißen. "Die Leute fragen immer, wo die Aussichten gut sind. Das ist die falsche Frage. Sie müssen fragen, wo der Ausblick schlecht ist", hat Sir John einmal seine Investmentphilosophie des "maximalen Pessimismus" umschrieben - kurzum: Optimismus verkaufen, Pessimismus kaufen.

Dieser Investment-Stil, bei dem man auf klassische Bewertungsmaßstäbe wie Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Dividendenrendite achtet und nach unterbewerteten Aktien sucht, schien um die Jahrtausendwende ausgedient zu haben. Viele Value-Investoren überlebten diese Zeit nicht oder konvertierten zum Growth-Glauben. Der Templeton Growth überlebte - vermutlich nicht zuletzt auch aufgrund der Tatsache, daß er über einen so langen Zeitraum zuverlässig immer wieder gute Ergebnisse abliefern konnte. Das wirkte als unbezahlbarer Vertrauensvorschuß. Nach 2002 machte sich die Kontinuität in der Anlage- und der Personalpolitik - in fünfzig Jahren hatte der Fonds bisher nur drei Fondsmanager - bezahlt: Im laufenden Jahr hat der Fonds auf ein, drei, fünf und zehn Jahre seinen Vergleichsindex übertroffen, nachdem 90 Prozent der Internetwerte 90 Prozent an Wert verloren haben - so wie es der damalige Templeton-Growth-Fondsmanager Mark Holowesko im März 2000 prophezeit hatte.

Fonds für ein „Basisinvestment“ - aber nicht gerade günstig

In der Tat ist der Fonds nicht für Investoren gedacht, die auf den schnellen Euro setzen. Ein echter Kostolany-Fonds, meint Detlef Glow von Feri Trust in Anspielung auf den bekannten Börsen-Guru: "Der Fonds ist ein echtes Basisinvestment, vor allem, weil er auch eher defensiv agiert. Sie müssen allerdings auch bereit sein, kurzfristig schlechter als der Vergleichsindex abzuschneiden."Damit ist auch gesagt, wer den Fonds nicht braucht: "Der Fonds ist weniger gedacht für informierte Anleger, die sich ihr Portfolio selbst zusammenstellen wollen und können", sagt Thomas Portig von HCM. Als Basisinvestment, da ist sich Portig mit Glow einig, sei der Fonds aber absolut empfehlenswert.

Natürlich gibt es auch einige kritische Fragen zum Fonds, vor allem wenn es um dessen Größe geht: Kann ein Fonds mit fast 20 Milliarden Euro Volumen denn überhaupt noch flexibel und variabel agieren, oder ist er nicht doch darauf angewiesen, nur noch in große, liquide Standardwerte zu investieren? Die meisten Analysten sehen darin kein Problem. Solange der Fonds aus einem weltweiten Universum von fast 39 000 Titeln auswählen könne, müsse einem nicht bange sein. Rund 15 000 Titel umfaßt die Datenbank der Aktienanalyse des Fondsmanagements, ein wenig mehr als 100 davon landen dann im Portfolio des Fonds und verbleiben dort im Durchschnitt fünf Jahre.

Bleibt noch die Frage, was so eine Legende kostet: Mit einem Ausgabeaufschlag von 5,75 Prozent ist er im Einkauf "sportlich gepreist". Das liegt vor allem daran, daß aus diesem Ausgabeaufschlag der stets provisionshungrige Vertrieb bezahlt werden muß. Die Gesamtkostenquote (TER) liegt bei 1,39. "In Anbetracht der Größe des Fonds sind die Verwaltungsgebühren vor allem im Vergleich zum amerikanischen Markt, wo der Fonds herkommt, etwas zu hoch", meint Kai Wiecking vom Finanzdienstleister Morningstar.

Am besten kann man den Erfolg des Fonds daran erkennen, daß die Wettbewerber immer mehr dazu neigen, ihn zu kopieren, sagt Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer von SJB Fondsskyline: "Seit dem Börsencrash 2000 ist die Korrelation anderer internationaler Aktienfonds und Mitkonkurrenten - darunter so illustre Fonds wie der DWS Vermögensbildungsfonds I - zum Templeton Growth stetig gestiegen. Mit anderen Worten: Viele internationale Aktienfonds werden dem Templeton Growth immer ähnlicher." Ein recht schmeichelhaftes Kompliment, das zeigt, daß Alter oft keine Rolle spielt - es sei denn, es handelt sich um eine Flasche Wein.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2004, Nr. 280 / Seite 21
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