Fondsperformance

Risikobereinigt können nur wenige Aktienfonds brillieren

04.02.2005
, 16:16
Betrachtet man die Renditeentwicklung in den vergangenen fünf Jahren nach Risiko, so haben sich Rentenfonds gut geschlagen. Immobilien- und Aktienfonds tauchen nur vereinzelt vorne auf. Das heißt: Sorgfältige Selektion ist Trumpf.

Fonds seien die idealen Produkte für den „kleinen Mann“, um sein Geld kostengünstig anzulegen und bei vertretbaren Risiken zumindest langfristig eine interessante Rendite erzielen zu können. Langfristig seien vor allem Aktienfonds interessant, da sie eine höhere Rendite erbringen würden als viele andere Anlageformen. Solche Argumente klingen schlüssig und werden in der Regel mit eindrucksvollen Graphiken unterlegt, die die Aussage eindrucksvoll belegen.

Allerdings dürfte auch hier gelten, daß werbende Worte nicht unbedingt für bare Münze genommen werden sollten. Zumindest ein „analytischer Blick“ auf Entwicklung der in Deutschland zugelassen Fonds in den vergangenen fünf Jahren spricht nicht unbedingt für Aktienfonds. Zumindest nicht in ihrer vollen Breite.

Aktienfonds können nur vereinzelt mitalten

Denn auf risikobereinigter Basis, gemessen an der Sharpe Ratio, haben Renten- und Immobilienfonds deutlich besser abgeschlossen als viele der bekannten Aktien-Standardfonds. Die so genannte Sharpe Ratio setzt dabei die erzielte Rendite mit der Volatilität und damit dem Risiko der Entwicklung ins Verhältnis. Das heißt, eine überdurchschnittliche Rendite ist nur dann wirklich interessant, wenn sie nicht über überproportionale Risiken „erkauft“ werden mußte.

Bild: FAZ.NET

Setzt man eine Mindestrendite von fünf Prozent und gewichtet sie gleichzeitig mit der Volatilität, so wird die Fünf-Jahresrangliste angeführt vom SEB Immoinvest, gefolgt von einer langen Reihe von Renten-, Genußschein- und Mischfonds. Die Aktienfonds die mithalten können, lassen sich beinahe an einer Hand abzählen. Dazu zählen unter anderem der DWS Zuerich Invest Aktien Europa Select und der Europa Aktienfonds Ulm von First Private Investment Management in Frankfurt.

Aus dieser Beobachtung und den Ereignissen der vergangenen Jahre und der jüngeren Vergangenheit lassen sich verschiedene Schlußfolgerungen ziehen. Erstens sind pauschale „Verkaufsargumente“ für Aktienfonds nicht sonderlich hilfreich. Denn wer nicht den richtigen Einzelfonds erwischt hat, dürfte für eine mittelmäßige oder gar unterdurchschnittliche Wertentwicklung überproportionale Risiken eingegangen sein und eingehen. Fakt ist, daß viele Fondsmanager den breiten Markt nicht schlagen können und bestenfalls durchschnittlich abschneiden. Es ist überhaupt nicht sinnvoll, sich mit solcher „Durchschnittsware“ überhaupt zu beschäftigen. Denn die logische Alternative sind kostengünstige, jederzeit und ohne Ausgabeaufschläge handelbare Indexfonds. Die sind garantiert nie schlechter als der Markt, denn sie sind der Markt.

Auswahl der Einzelfonds überaus wichtig

Die zweite Schlußfolgerung ist, daß Rentenfonds zumindest ein Zeiten fallender Zinsen überaus attraktiv sein können. Denn die Papiere erwirtschaften über die Kupons ständige Mittelzuflüsse, können gleichzeitig mit steigenden Kursen aufwarten und schwanken in ihrem Wert deutlich weniger stark als Aktien. Zusammengenommen gibt das in diesem Umfeld ein attraktives Bild. Das positive Bild trübt sich allerdings ein, wenn die Zinsen tief sind und voraussichtlich steigen werden. Denn dann sind die Kupons vergleichsweise tief und Kursgewinne lassen sich kaum noch realisieren. Das heißt, das Risiko der Rentenpapiere bleibt bei der Wahl solider Schuldner zwar relativ tief, allerdings auch der Ertrag.

Die dritte Schlußfolgerung ist, daß Immobilienfonds ebenfalls interessant sein können. Angesichts der jüngsten Bestechungsskandale in diesem Segment und angesichts der starken Unterschiede bei der Wertentwicklung von Aktienfonds dürfte die sorgfältige Auswahl der Einzelfonds entscheidend sein. Dabei könnten solche Produkte interessant sein, die schon lange am Markt sind und in dieser Zeit - vor allem auch in den schwierigen Phasen - besser als der Markt abgeschnitten haben. Mit Durchschnittsprodukten sollte man sich erst gar nicht beschäftigen, sondern gleich auf Indexfonds setzen. Sei es bei Aktien- oder auch bei Rentenfonds.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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