Fondsrating

Welche Fondskennzahlen Anleger kennen sollten

29.04.2003
, 07:48
Bei mehr als 6.000 Fonds in Deutschland zugelassenen Fonds ist die Suche nach dem richtigen Fonds schwierig. Einige Kennziffern helfen den Anlegern bei der Anlageentscheidung.

Mehr als 6.000 Fonds stehen dem Anleger in Deutschland mittlerweile zur Auswahl. Damit wird die Suche nach dem richtigen Fonds immer schwieriger. Nun gibt es mittlerweile in vielen Zeitschriften verschiedene Kennziffern, mit deren Hilfe der Anleger einen Eindruck von der Güte und Qualität des Fonds gewinnen soll. Und wer sich über die Qualität seines Fonds informieren will, tut gut daran, zu wissen, was die wichtigsten Kennziffern aussagen.

Kennziffer Nummer eins ist natürlich die Wertentwicklung der Vergangenheit, die aber leider für sich betrachtet relativ wenig Aussagekraft hat. Entscheidend ist vielmehr, wie sich der Fonds im Vergleich zur Konkurrenz oder zum Gesamtmarkt geschlagen hat. Oft wird diese Wertentwicklung des Fonds zu der eines Vergleichsindex ins Verhältnis gesetzt - eine beliebte Rubrik in den sogenannten "Rennlisten" von Anlegermagazinen.

Kombinierte Kennzahlen zur Wertentwicklung und dem Risiko hilfreich

Doch auch das ist noch nicht alles, denn diese Kennzahlen sagen noch nichts über das Risiko aus, das der jeweilige Fondsmanager für den Anleger eingegangen ist. In der Theorie ist die Maßzahl für das Risiko die sogenannte Volatilität, also das Ausmaß der Schwankungsbreiten der Rendite eines Portfolios. Intuitiv nachvollziehbarer für den Anleger sind eher Risikokennzahlen wie das Ausmaß der höchstmöglichen Verluste oder die Dauer und Häufigkeit von Verlustperioden.

Kombiniert man Kennzahlen zur Wertentwicklung mit Risikokennziffern, erhält man sogenannte risikoadjustierte Kennziffern, von denen die bekannteste die Sharpe-Ratio ist: Sie setzt die Risikoprämie - definiert als der Mehrertrag des Fonds gegenüber einer risikolosen Anlage wie beispielsweise dem Geldmarkt - ins Verhältnis zur Volatilität. Je höher diese Kennziffer ist - je höher also entweder die Überrendite oder je geringer die Volatilität, also das Risiko -, um so besser ist der Fonds.

Komplizierte Berechnungen

Eine ähnliche Kennziffer wie die Sharpe-Ratio ist die Treynor-Maßzahl: Hier wird die Überrendite - genauso definiert wie bei der Sharpe-Ratio - ins Verhältnis gesetzt zum Beta des Fondsportfolios. Das Beta gibt an, wie stark das Fondsportfolio auf Schwankungen des Gesamtmarktes reagiert. Je weniger das Portfolio auf Marktschwankungen reagiert - je kleiner also das Beta ist -, um so höher ist die Treynor-Maßzahl und damit auch die risikoadjustierte Wertentwicklung des Fonds. Die geringe Anfälligkeit des Fonds gegenüber Marktschwankungen wird hier als ein Indiz für ein niedrigeres Risiko gewertet.

Eine weitere risikoadjustierte Kennzahl ist Jensens Alpha, das angibt, ob die Überrendite des Fonds über der Überrendite des Vergleichsindex liegt. Zudem wird in dieser Kennziffer wie bei der Treynor-Zahl das Beta berücksichtigt, um auch die Anfälligkeit des Fonds gegen Marktschwankungen als Risikoelement abzubilden. Ein positives Alpha sagt also, daß der Fonds seinen Vergleichsindex nach Berücksichtigung des Risikos geschlagen hat.

Information Ratio berücksichtigt relativen Ertrag und relatives Risiko

Eine weitere Kennziffer zur Beurteilung von Fonds berücksichtigt neben den relativen Erträgen auch das relative Risiko. Hintergrund dieser Idee: Fonds, die auf Wachstumswerte setzen, haben per se schon höhere Wertschwankungen als Standardwertefonds - insofern ist der Vergleich zweier solcher Fonds nur bedingt sinnvoll. Um die "Information Ratio" zu berechnen, wird zuerst der sogenannte Tracking Error ermittelt. Das ist die Abweichung der Wertentwicklung des Fondsportfolios von der Wertentwicklung des Vergleichsindex. Setzt man nun die Überrendite eines Fonds gegenüber seinem Vergleichsindex ins Verhältnis zum Tracking Error, erhält man die Information Ratio.

Sie gibt Auskunft darüber, mit welchem Abweichungsrisiko gegenüber dem Gesamtmarkt der Fondsmanager eine Überrendite erwirtschaftet hat. Je höher die Überrendite und je geringer das Abweichungsrisiko, um so höher ist die Information Ratio und damit die Güte des Fonds. Auch hinter dieser Maßzahl steht die Idee, daß eine Abweichung des Fondsportfolios gegenüber dem Gesamtmarkt nur gerechtfertigt ist, wenn damit auf Dauer eine höhere Wertentwicklung erreicht wird. Bei steigendem Tracking Error - also zunehmenden Abweichungen des Fondsportfolios vom repräsentativen Gesamtmarkt - muß auch die Überrendite zulegen. Tut sie das nicht, sinkt die Information Ratio und weist eine geringere Qualität des Fonds aus. In der Praxis gilt eine Information Ratio von 0,5 als sehr gut.

Noten der Ratingagenturen sind einfache Hilfsmittel

Wem all diese Kennziffern zu kompliziert sind, der kann auf die Arbeit von Rating-Agenturen wie Morningstar, Standard & Poor's oder Feri zurückgreifen, die Fonds - auch unter Verwendung der Kennzahlen - bewerten und mit Noten, also einer Art Gütesiegel versehen.

Teilweise versuchen die Agenturen auch, beim Ratingprozeß den größten Nachteil solcher Kennziffern ein wenig zu relativieren: Allen vergangenheitsbezogenen Kennziffern haftet nämlich der Makel an, daß sie nur wenig Aussagen über die Zukunft machen. Sie sind allenfalls ein Versprechen darauf, daß man genügend Erfahrung hat, um die Ergebnisse der Vergangenheit auch in die Zukunft zu retten. Wechselt der Fondsmanager oder werden die Anlagemaßstäbe verändert, dann sind vergangenheitsorientierte Kennzahlen nur noch von geringem Nutzen.

Deswegen versuchen Ratingagenturen, auch sogenannte "weiche" Faktoren zu berücksichtigen, zum Beispiel den Investment-Prozeß oder die Unternehmenskultur der Gesellschaft. Der Haken an dieser Methode: Je mehr man sich von der harten Realität der Zahlen entfernt, um so mehr Subjektivität bei der Bewertung kommt ins Spiel.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.04.2003, Nr. 99 / Seite 25
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