Fondsschließungen

Das Ende unrentabler Fonds ohne Zukunft

Von Mara Perkons
13.08.2002
, 10:00
Immer mehr Anleger müssen wohl oder übel ihre Investitionsstrategie überdenken, wenn ihre Fonds schließen.

immer mehr Fonds werden geschlossen. Beispielsweise fünf Unterfonds des vor zwei Jahre gegründeten Umbrellafonds CB Fund der Adig-Investment Luxemburg S.A. werden zum Geschäftsjahresende (30.9.2002) geschlossen.

Die geschlossenen Fonds verwalteten durchschnittlich jeweils ein Fondsvermögen von etwa drei Millionen Euro. Damit lagen sie deutlich unter der Grenze, die bei der Adig als sinnvolle Mindestgröße angesehen wird. „Diese Grenze würde ich bei etwa fünf bis zehn Millionen Euro sehen“, so der Pressesprecher Dr. Josef Wild.

Bumerang nach der Börsen-Hype

Die Adig steht mit der Bereinigung ihrer Produktpalette aber bei weitem nicht alleine da. Laut BVI wurden in der ersten Jahreshälfte 63 Publikumsfonds geschlossen. Damit wurden in nur sechs Monaten mehr Fonds geschlossen als im gesamten vergangenen Jahr. 2001 betrug die Anzahl der Fondsschließungen 54, im Jahr 2000 waren es nur 29. Viele der Fonds, die jetzt geschlossen werden, sind noch relativ jung und in der Zeit des Börsen-Hypes aufgelegt worden.

Bei Universal Investment, bei der ebenfalls sieben Fonds von der Auflösung stehen oder bereits aufgelöst wurden, heißt es dazu lapidar: „Bei den Fondschließungen handelt es sich um eine Straffung der Produktpalette. Das Volumen der Fonds war gesunken, und da auch nicht mit einem kurzfristig ansteigenden Anlegerinteresse zu rechnen war, haben wir uns zur Auflösung der Fonds entschlossen", so Universal-Marketingleiter Michael Wolf-Arndt.

Zu kleine Fonds sind zu teuer

Unterhalb eines Volumens von fünf Millionen Euro sind Investmentfonds kaum rentabel, hat auch das Fonds-Research-Unternehmen Fitzrovia herausgefunden. Die Total Expense Ratio, eine Kennzahl, die alle jährlich anfallenden Kosten eines Fonds ins Verhältnis zu dem verwalteten Fondsvermögen setzt, beträgt bei Fonds mit einem Anlagevolumen von weniger als fünf Millionen Dollar durchschnittlich 3,06 Prozent. Kosten in dieser Höhe mindern die Rendite spürbar. Investmentfonds mit einem Vermögen von mehr als 500 Millionen Dollar haben eine durchschnittliche Total Expense Ratio von 1,66 Prozent.

Die Kosten eines Fonds sind vor allem abhängig von der benötigten Expertise. Ein Fonds, der mit sehr geringem Management-Aufwand betrieben werden kann, kann also durchaus auch bei einem geringeren Fondsvermögen rentabel sein. Produkte, die stichtagsbezogen ein sehr geringes Volumen aufweisen, aber eindeutig noch Wachstumspotenzial haben, werden ebenfalls nicht geschlossen. Das sind bei der Adig zum Beispiel Fonds aus dem Bereich Altersvorsorge-Sondervermögen.

Gründe für die mangelhafte Entwicklung einzelner Fondsvolumina sind nach Angaben von Josef Wild zum einen ein schwieriges Marktumfeld, so zum Beispiel bei den Produkten „Mobile@Society“ und „Internet@Services“. „Außerdem ist die extensive Vertriebsstrategie deutlich zurückgefahren worden und nun verstärkt auf Europa ausgerichtet.“ Da Adig-Produkte nun in weniger Ländern vertrieben werden, ist der Markt vor allem für spezielle Produkte wie den „Japanese Small Cap Equity“ verschwindend gering geworden und wird auch in Zukunft nicht wachsen.

Gesellschaften unterschiedlich kulant

Wie groß die Nachteile für den Anleger sind, hängt vor allem davon ab, wie kulant die jeweilige Kapitalanlagegesellschaft ist. Die Adig bietet einen kostenfreien Wechsel nicht nur zu ähnlichen Produkten an, wie dies etwa die Allianz Dresdner Asset Management im Zuge ihrer Produktbereinigung getan hat, sondern innerhalb der gesamten Fondspalette. Daher entfällt auch das Problem, dass der Anleger mit einem Vergleichsprodukt vorlieb nehmen muss, das in der Vergangenheit schlechter performt hat. Die von der Adig geschlossenen Fonds weisen ohnehin alle eine negative Wertentwicklung auf. Daher relativiert sich hier auch der vielzitierte Nachteil der Spekulationsgewinne. „Bei der Adig wird es wohl kaum einen Anleger geben, der sich aufgrund einer Fondsschließung über zu versteuernde Spekulationsgewinne Gedanken machen muss“, meint Josef Wild. Der Anleger hat jedoch die Möglichkeit, seine Investitionsstrategie zu überdenken und sein Portfolio neu zu gestalten - kostenfrei.

Das Risiko einer möglichen Fondsschließung sollte bei der Entscheidung für einen Fonds natürlich nicht das Hauptkriterium sein. Wer von einem Fonds eine aggressive Anlagestrategie erwartet, sollte auch in Zukunft die „Platzhirsche“ meiden und sich für kleinere, flexible Fonds entscheiden. Dabei sollte aber zumindest das Fondsvolumen in die Entscheidung einbezogen werden. Denn kaum etwas dürfte für den Anleger ärgerlicher sein, wie die Schließung seines Fonds auf niedrigem Niveau. Und damit die Realisierung von Verlusten.

Quelle: @scom
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