Fondsskandal

Spitzer für mehr Transparenz bei Fondsgebühren

16.01.2004
, 13:29
Bei amerikanischen Fondsgesellschaften gab es nicht nur Unregelmäßigkeiten beim Handel mit Anteilen. Auch die Transparenz bei den Gebühren läßt zu wünschen übrig. Nun soll sie per Gesetz hergestellt werden.

Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer und die Finanzminister der amerikanischen Bundesstaaten Kalifornien, New York und North Carolina haben die Investmentfondsgesellschaften aufgefordert ihre Gebühren, die Handelskosten und die Bezahlung der Fondsmanager offen zu legen. Das würde zu mehr Wettbewerb führen und den Investoren wie den staatlichen Pensionsfonds Einsparungen in Milliardenhöhe einbringen.

Die drei Finanzminister, Phil Angelides aus Kalifornien, Alan Hevesi aus New York und Richard Moore aus North Carolina unterstützten die Pläne von Spitzer und veröffentlichten sie gemeinsam unter der Überschrift "protection principles". Zusammen verwalten die drei 405 Milliarden Dollar an Pensionsgeldern für die Mitarbeiter der öffentlichen Hand. "Wir handeln nicht als Aufsichtsbehörde," sagte Moore auf einer Pressekonferenz." Wir sind lediglich große Kunden, die bessere Leistungen von jedem verlangen, der mit uns Geschäfte machen will."

„Normalanleger“ zahlen mehr als Institutionelle

Seit September ermitteln staatliche und bundesstaatliche Behörden bei über zehn Fondsgesellschaften wegen illegaler Handelspraktiken. Die Vorfälle haben das Vertrauen der Amerikaner in die 7,2 Billionen schwere Fondsbranche erschüttert. Spitzer hat bereits mehrfach angeprangert, daß Investmentfondsbesitzer etwa das doppelte an Verwaltungsgebühren zahlen wie institutionelle Anleger. Die Finanzminister erwarten, daß die Vermögensverwalter künftig die exakten Gebühren, die sie von den Pensionsfonds und den so genannten 401 (k) Pensionssparplänen erhalten, aufschlüsseln. Bisher weisen sie nur einen Satz aus, der auf einem hypothetischen Konto beruht.

Darüber hinaus sollte ein Fonds im Jahresbericht die Handelskosten sowie die Bezahlung der einzelnen Fondsmanager veröffentlichen, was derzeit nicht erforderlich ist. Die Veränderungen wären auf freiwilliger Basis und würden eine weitere Regulierung überflüssig machen, sagt Moore. "Wir müssen darauf hinarbeiten, daß es Fairness in dem System gibt," erläutert Hevesi.

Die Finanzminister erklärten außerdem, daß sie andere staatliche Fonds und 401 (k) Pensionsfonds überzeugen wollen, sich den Prinzipien anzuschließen. Angelides will die Aufsichtsräte, die für den größten Pensionsfonds für Bedienstete der öffentlichen Hand, California Public Employees' Retirement System zuständig sind, auffordern, die Vorschläge zu unterstützen. Er hat außerdem Gouverneur Arnold Schwarzenegger gebeten, die Richtlinien auf die Verwaltung von Pensionssparplänen, die insgesamt fünf Milliarden Dollar betreuen, anzuwenden.

Höhere Kostentransparenz angestrebt

Alle drei haben mit früheren Aktivitäten bereits Bewegung in die Fondsbranche gebracht. Am 16. September forderten sie den Rücktritt von Richard Grasso, dem Vorsitzenden der New York Stock Exchange wegen seines umstrittenen Gehaltspakets von 140 Millionen Dollar. Am nächsten Tag nahm Grasso seinen Hut. Spitzer lobte, daß die Marktteilnehmer mit dieser Initiative ihre Marktmacht nutzen, um damit niedrigere Kosten herbeizuführen. "Mit den Maßnahmen gehen die Käufer zu den Anbietern und sagen "Hier, das fordern wir von euch. Wenn ihr das nicht erfüllt, werden wir keine Geschäfte mit euch machen," sagt Spitzer.

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hatte am Mittwoch Abend ihre Vorschläge für Verbesserungen in der Fondsindustrie präsentiert. Sie fordert, daß unabhängige Vorsitzende den Aufsichtsrat eines Fonds leiten, Händler Verkaufsanreize für den Verkauf von Investmentfonds offen legen, Fondsmanager einen Ethikkodex akzeptieren und Handelsgeschäfte melden, die sie bei ihren Fonds machen. Dem Abgeordneten Richard Baker, der den Finanzdienstleistungsunterausschuß im Kongreß leitet, gehen die Vorschläge nicht weit genug. Er verlangt, daß der Kongreß ein neues Gesetz verabschiedet. Dies soll die Investmentfonds zu einer stärkeren Offenlegung der Gebühren verpflichten und unabhängigen Fondsaufsichtsräten mehr Befugnisse einräumen. Ein neues Gesetz "ist unbedingt notwendig, um die Mißstände in der amerikanischen Fondsindustrie abzustellen," erklärt er. Schließlich verwaltet diese die Ersparnisse von 95 Millionen Amerikaner.

Baker, ein Republikaner aus dem Bundesstaat Louisiana, bezeichnete den Vorschlag der SEC in einem Brief an den SEC-Vorsitzenden William Donaldson als "wichtigen ersten Schritt, um das Vertrauen der Anleger in die Investmentfonds wieder herzustellen". Allerdings seien weitere aufsichtsrechtliche Maßnahmen nötig sowie eine neues Investmentfondsgesetz. Sein Gesetzesvorschlag umfaßt eine genauere Gebührenaufschlüsselung der Fonds, Veränderungen auf der Führungsebene, einschließlich der Ernennung von unabhängigen Compliance-Beauftragten und ein Verbot, daß ein und dieselbe Person Hedgefonds und Investmentfonds verwaltet. Sein Gesetzentwurf wurde letzten November vom Repräsentantenhaus verabschiedet und muß noch vom Senat genehmigt werden.

Quelle: Bloomberg
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