Gastkommentar

Die Vorteile von Index-Fonds sind offensichtlich

EIN KOMMENTAR Von Christopher Farrell, BusinessWeek Online
17.11.2003
, 10:45
Amerikanische Fondsgesellschaften, deren Produkte auch hierzulande verkauft werden, stehen wegen illegaler Praktiken im Zwielicht. Christopher Farrell (BusinessWeek Online) rügt auch hohe Gebühren und empfiehlt Exchange Traded Funds als Alternative.

Für viele Investoren haben aktiv gemanagte offene Fonds nie viel Sinn ergeben. Nach dem jüngsten Skandal hat sich dieses Bild noch verschlechtert. Hier ein paar Auszüge aus E-Mails, die ich kürzlich zum Skandal in der Fondsbranche erhalten habe. Verständlicherweise sind derzeit sehr viele Anleger zunehmend besorgt, da die Verbrecherkartei mit denen, die einen illegalen und mißbräuchlichen Handel in ihren Fonds zugelassen haben sollen, wächst. Folgendes haben die Leser zu sagen:

„Ich bin weder reich noch berühmt - daher mache ich mir Sorgen, zu verarmen...“

„Die Großinvestoren ziehen ihr Geld aus Putnam einfach ab. Aber was ist mit den einfachen Leuten, die mit dem ganzen Schlammassel zurückgelassen werden?“

„Was würden Sie den Anlegern in Anbetracht der jüngsten Probleme bei den Putnam Fonds empfehlen? Soll ich warten, bis sich der Sturm wieder legt oder lieber nach einer anderen Investitionsmöglichkeit Ausschau halten?“

Eingeschränkte Wahlmöglichkeiten

All diese Bedenken sind gerechtfertigt, betrachtet man die Namensliste der Fondsgesellschaften, die bereits in den sich ausweitenden Skandal verstrickt sind: Janus, Nations Bank, Bank of America, Strong, Alliance, Putnam, Prudential und Alger. Und alle Anzeichen deuten darauf hin, daß in den kommenden Wochen noch mehr der Top-Namen aus der offenen Fondsbranche beschuldigt werden, ihre treuhändlerischen Pflichten verletzt zu haben. Dieser Skandal ist der beste Beweis für die „Kakerlaken-Theorie“ der Wall Street: Wo eine schlechte Nachricht aus dem Verborgenen enthüllt worden ist, existieren meist noch viele andere „Kakerlaken“, die unmittelbar zum Vorschein kommen werden.

Der Skandal wirkt sich ganz besonders schlimm aus, da viele Menschen aus einer Notwendigkeit heraus und nicht aus freiem Willen in offene Fonds investiert haben: für ihre Altersvorsorge.

Nun, was kann der Kleinanleger nicht nur in Amerika tun? Die Wahrheit ist: Um für die eigene Altersversorgung, die Ausbildung der Kinder oder auch für andere langfristige Ziele zu sparen, bleiben für die meisten nicht viele attraktive Möglichkeiten übrig, außer in offene Fonds zu investieren. Dennoch würde ich in Erwägung ziehen, das Geld von den aktiv gemanagten offenen Fonds abzuziehen und in Index-Fonds zu investieren. Denn alles in allem sind die meisten professionellen Fondsmanager in der Vergangenheit ihre hohen Gehälter nicht wert gewesen - und das ohne die Auswirkungen des Skandals zu berücksichtigen.

Die meisten dieser Profis waren nämlich nicht in der Lage, über einen stetigen Zeitraum den Markt zu übertreffen. Nach Berechnungen von Burton Malkiel, Professor für Kapitalmärkte an der Princeton University, hat der Standard & Poor's 500-Aktienindex als Benchmark in den letzten zehn Jahren besser abgeschnitten als 84 Prozent der aktiv gemanagten offenen Large-Cap-Aktienfonds. Über einen Zeitraum von 20 Jahren übertraf er 88 Prozent der Fonds.

Unverschämt hohe Verwaltungskosten

Hinzu kommt, daß die aktiv gemanagten offenen Fonds viel zu viel der hart verdienten Ersparnisse ihrer Anleger verschlingen. Ja sicher, den Anteilseignern ist zugesichert worden, daß die Verluste pro Person äußerst gering ausfallen - bei einer Anlagesumme von 10.000 Dollar betragen sie im Verlauf eines Jahres vielleicht nicht mehr als ein Prozent. Diese Kostenkalkulation hinsichtlich des Mißbrauches mag zwar stimmen, aber die Auswirkungen auf den durchschnittlichen Anteilseigners eines offenen Fonds sind dennoch um einiges größer.

Die Kosten, wenn man Anteile an einem aktiv gemanagten offenen Fonds besitzt, sind unverschämt. Rechnet man die hohen Verwaltungsgebühren, die Verkaufsgebühren und andere Ausgaben zusammen, kommt man pro Jahr auf durchschnittlich knapp drei Prozent. John Bogle, Gründer der großen Fondsgesellschaft Vanguard und Kritiker der Fondsbranche, schätzt, daß die durchschnittliche Rendite eines offenen Fonds im Zeitraum zwischen 1984 und 2002 etwas über neun Prozent beagen hat. Die jährliche Rendite des S&P 500 lag hingegen bei zwölf Prozent.

Empörend ist, daß einige Fondsgesellschaften sich entschlossen haben, eine weitere „Gebühr“ zu erheben: das bereits erwähnte eine Prozent, damit Hedge Fonds und andere Revolverhelden auf Kosten der langjährigen Anteilseigner profitieren können. Einmal mehr reduzieren sie die Renditen, die eigentlich den Anteilseignern ihrer offenen Fonds zustehen würden. Was für ein großartiges Geschäft!

Indexierung zahlt sich aus

Für die meisten Kleinanleger dürften breiter gefaßte offene Aktienindex-Fonds den richtigen Weg darstellen. Genauso wie Exchange-Traded-Fonds (ETFs), also Index-Fonds, die an den größten Börsen gehandelt werden. Diese Index-Fonds funktionieren vergleichsweise einfach und die Verwaltungsgebühren sind äußerst gering; auch die Ordergebühren fallen minimal aus.

Die Menschen scheinen vergessen zu haben, wie unglaublich effizient so ein Aktienmarkt arbeitet. Jeden Tag werden phänomenale Summen von einer Hand zur nächsten gereicht, denn Millionen schlaue Leute - und noch viel mehr weniger schlaue Menschen - versuchen, ihren Konkurrenten um eine Nasenlänge voraus zu sein. Das, was Aktienkurse bewegt, sind neue Informationen - welche schon per se nicht vorhersehbar sind. Rex Sinquefield, Chairman und Chief Investment Officer bei Dimensional Fund Advisors, hat einmal gesagt: „Es gibt drei Klassen von Leuten, die nicht glauben wollen, daß Märkte funktionieren: die Kubaner, die Nordkoreaner und die aktiven Fondsverwalter.“

Kurzfristig sollten Sie einfach ruhig bleiben, insbesondere wenn Ihre Fondsgesellschaft nicht in den Skandal verwickelt ist. Für die Anleger, die bereits betroffen sind, wäre es vielleicht sinnvoll, auszusteigen. Aber niemand sollte sein Kapital aus seinem Fonds herausziehen, ohne vorher seine Hausaufgaben richtig gemacht zu haben: Müssen Verkaufsgebühren gezahlt werden? Wie sehen die steuerlichen Konsequenzen aus? Wohin werden Sie das Geld transferieren? Ist jetzt vielleicht der richtige Zeitpunkt, um vollständig aus dem Markt auszusteigen? Und bedenken Sie nicht zuletzt folgende Tatsache, die im „Morningstar“ treffend beschrieben wurde: „Die Fondsbranche wird dazu gezwungen, eine Bereinigung ihrer Handlungsweisen vorzunehmen. Dies bedeutet, daß die Fondsgesellschaften geneigt sind, sich nun besser kontrollieren zu lassen und in der Zukunft anlegerfreundlicher zu agieren, als sie das im Moment noch tun.“

Eine der großen Debatten der vergangenen Dekaden an der Wall Street besteht zwischen den Befürwortern der professionellen Fondsverwaltern und den Fürsprechern der Indexierung. Der große Wall Street-Skandal des Jahres 2003 ist einfach ein Grund mehr, warum sich das Indexieren auszahlt. An diesem Punkt können Aktionäre jede Hilfe annehmen, die sich ihnen bietet.

Quelle: Bearbeitung: @thwi
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