Gastkommentar

Fondsmanager - mehr Freiräume, bessere Performance

Von Jaap van Duijn
01.07.2004
, 12:09
Jaap van Duijn, Chefstratege von Robeco
Die Benchmark hat das Management von Investmentfonds im Griff und schafft unattraktive Fondsprodukte. Jaap van Duijn, Fondsmanager ud Chefstratege von Robeco, fordert mehr Freiheiten für Fondsmanager.

„Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ forderte Emanuel Kant vor 200 Jahren. Das gilt auch für die Investmentbranche.

Seit den 80er-Jahren hat die Bedeutung des Vergleichsindex als Meßgröße im Fondsgeschäft deutlich zugenommen. Dem Fondsmanager ist dadurch viel an Spielraum im Management genommen worden. Die Mehrheit der Fondsmanager „klebt“ mittlerweile an der Benchmark wie an einem Magneten. Das Resultat: Der Tracking Error, das ist die Differenz zwischen Portfolio -und Benchmarkrendite, liegt in Europa mit drei Prozent derart niedrig, daß es kaum Möglichkeiten für eine starke Performance der Portfolios gibt. Zum Vergleich: In Amerika beträgt die Abweichung in der Regel zwischen fünf und zehn Prozent.

Fondsperformance muß hohe Managementgebühren rechtfertigen

Das ist eine Entwicklung, die die Anleger nicht zufriedenstellen kann. Im Gegenteil, denn sie haben Anspruch auf Produkte, die auf Grund ihrer guten Performance die hohen Managementgebühren der Fondsmanager rechtfertigen. Gleichzeitig muß die Wertentwicklung auch zeigen, daß und warum sie besser sind als zum Beispiel Indexzertifikate. Um von der Benchmark-Fixierung wieder loszukommen müssen die Restriktionen im Fondsmanagement gelockert werden. Dazu einige Vorschläge.

Zunächst müssen auf organisatorischer Seite einige Änderungen vorgenommen werden. So besteht eine der Grundvoraussetzungen in der Vergrößerung des Tracking Errors. Außerdem müssen die Fondsmanager auch die Möglichkeit haben, auch einmal schlechter als die Benchmark abzuschneiden. Aus diesem Grund muß der bisher übliche Bewertungszeitraum für ein Produkt verlängert werden. Die Bewertung sollte nicht mehr auf Monatsbasis erfolgen.

Großzügige Tracking Errors oder Fokus Fonds empfehlenswert

Hier kommt eine psychologische Komponente ins Spiel. Jüngere Fondsmanager kennen fast ausschließlich den Wettbewerb gegen die Benchmark. Sei nutzen selbst großzügige Tracking Errors nur selten in vollem Umfang aus. Dabei sollten sie die Möglichkeit bekommen, überschaubare Risiken einzugehen. Dazu gehört ein Portfolio, von dessen Titel sie selbst überzeugt sind. Bisher sind Fondsmanager zu oft im Dilemma, Schwergewichte der jeweiligen Benchmark, wie beispielsweise Microsoft oder Nokia, auf Grund ihrer Größe in das Portfolio aufnehmen zu müssen. Selbst wenn die Manager von den Werten nicht richtig überzeugt sind, da die Unternehmen schon lange kein Wachstum mehr zeigen.

Eine Alternative sind so genannte Fokus Fonds, die mit 40 bis 50 Titel auskommen. Hier werden die Werte vom Fondsmanager selbst ausgesucht, wobei sie sich nicht stur an einem Vergleichsindex orientieren.. Das kann beispielsweise ein Portfolio sein, das in Unternehmen mit einer hohen Dividendenausschüttung investiert oder in die weltweit 50 Top-Konzerne, die in ihrem Marktsegment jeweils führend sind. Solche Fonds konzentrieren sich also auf eine bestimmte Anlagekategorie - und strategie, womit die Benchmark als einzige Vergleichsgröße entfällt. Ein Fondsmanager muß sich neue Zielvorgaben suchen, die er dem Anleger klar definieren muß. Da die Bewertung der Leistung eines Fondsmanagers davon abhängt, ob und in wie weit er die selbst gesteckten Ziele erreicht, rücken seine Fähigkeiten mehr als bisher in den Fordergrund.

Der Autor war lange Zeit Fondsmanager und Chefstratege von Robeco

Quelle: @cri
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