Gastkommentar

Hedge Fonds totzureden ist ebenso falsch wie sie hochzujubeln

Von Matthew Lynch, Bloomberg News
23.08.2004
, 17:49
Die Stimmen, die von einem Ende des Booms bei Hedge Fonds sprechen, mehren sich. Doch Matthew Lynch von Bloomberg wähnt die Branche trotz der im zweiten Quartal aufgetretenen Probleme weiter auf Wachstumskurs.
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An den Finanzmärkten kommt es bekanntlich oft zu sprunghaften, teilweise fast schon neurotisch anmutenden Stimmungsschwankungen. Trotzdem ist es erschreckend zu sehen, wie schnell zuletzt wieder die Hedge Fonds von Stars zu Versagern unter den Investmentprodukten gemacht wurden.

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Vor ein paar Monaten schien es noch so, als würde jeder eine Hedge Fonds gründen. Jetzt sieht es so aus, als ob sich niemand mehr in ihre Nähe trauen würde. Die notierten Hedge Fonds warten mit enttäuschenden Resultaten auf und die Hedge Fonds Indizes fallen. In London sprechen Analysten von einer geplatzten Blase. Doch deswegen den Tod der Branche vorherzusagen, dürfte doch etwas übertrieben sein.

Herbe Rückschläge für die Branche im zweiten Quartal

Denn die Hedge Fonds sind in den vergangenen Jahren deshalb bedeutender geworden, weil sie in ihrer Struktur den Bedürfnissen der Anleger entsprechen. Und da sich daran zunächst nichts ändern wird, werden auch die Hedge Fonds nicht verschwinden. Trotzdem waren die vergangenen drei Monaten für die Branche sicherlich die schwerste Periode seit dem Zusammenbruch des Long-Term Capital Management LP im Jahr 1998.

Unter Druck kam beispielsweise der weltgrößte Hedge-Fonds-Anbieter Man Group plc., der zudem nur einer von zwei börsennotierten Hedge-Fonds Firmen ist. Hier führten im ersten Halbjahr 2004 eingefahrene Verluste bei zehn der elf größten Fonds dafür, daß sich die Anleger um sinkende Gebühren und Schwierigkeiten bei der Akquirierung weiterer Kundengelder sorgten. Als Folge davon fiel der Aktienkurs im April von 18 auf 13 Pfund.

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Eine schwere Zeit hatte auch die seit diesem Jahr an der Londoner Börse notierte Gesellschaft RAB Capital Plc, die 1,5 Milliarden Dollar verwaltet. Obwohl es dem Unternehmen gelungen ist, den Nettogewinn im ersten Halbjahr klar zu steigern, sprach der Vorstand von einem enttäuschend verlaufenen zweiten Quartal. Als Folge davon wird die Aktie jetzt nur noch bei 27 Pence gehandelt, während kurz nach dem Börsengang in der Spitze 63 Pence gezahlt wurden.

Skeptiker warnen vor einem Platzen der Blase

Aber auch Abseits des Börsengeschehens gibt es negative Signale. Angaben aus dem Umfeld zufolge soll mit Andor Capital Management LLC der Verwalter des weltweit achtgrößten Hedge Fonds im Vormonat bedingt durch eine schwache Performance und dem Abzug von Kundengeldern fast die Hälfte seines Vermögens verloren haben.

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Doch das ist kein Einzelfall. Vielmehr hat die ganze Branche zuletzt mit Schwierigkeiten zu kämpfen, wie ein erstmals seit dem dritten Quartal von Hedge Fonds im Schnitt verbuchter Quartalsverlust bestätigt. „Plötzliche Richtungswechsel bei den Markttrends bedeuteten für die Hedge Fonds ein mehr als schwieriges Umfeld“, erläutert dazu Joshua Rosenberg, President von Hedge Fund Research.

Wegen der enttäuschenden Ergebnisse machen sich manche Beobachter bereits Gedanken darüber, ob das Geschäft mit den Hedge Fonds kurz davor steht ganz zu platzen. So sprach Dresdner Kleinwort Wasserstein in einer Publikation von einer Blase, die ihren Höhepunkt bereits erreicht und eventuell schon überschritten hat.

Bei Warnungen dieser Art stellt sich die Frage, ob die Modeerscheinung Hedge Fonds bereits wieder vorbei ist. Doch das dürfte eine vorschnelle Schlußfolgerung sein. Die Branche hatte zwar sicherlich ein schwieriges Quartal und von den zahlreichen Neugründungen wird der eine oder ander bestimmt auch auf der Strecke bleiben. Aber das bedeutet nicht, daß deswegen die Blase gleich geplatzt ist.

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Für die Existenzberechtigung von Hedge Fonds finden sich weiterhin gute Gründe

Hedge Fonds hatten aus drei Gründen ein explosives Wachstum zu verzeichnen: Erstens wollten die Anleger den regulatorischen Zwängen entfliehen, denen die meisten herkömmlichen Investmentfonds unterliegen. Zweitens zielen die Hedge Funds darauf ab, absolut gesehen eine gute Wertentwicklung zu erzielen und nicht darauf, nur einen Index zu schlagen. Das paßt zu den Ansprüchen der meisten Anleger, die ihr Kapital vermehren und nicht nur einen Index schlagen wollen.

Und drittens haben die Hedge Fonds das Anlageuniversum deutlich erweitert. Sie investieren auch in Bereiche wie Währungen oder Rohstoffen und verwenden dabei mehr Instrumente wie etwa Derivate. Das ermöglicht es den Anlegern, ihr Kapital breiter zu streuen. Alle drei Gründe zusammengefaßt sind das gute Argumente, warum einige unbefriedigend verlaufene Monate die Anleger nicht auf ewig verschrecken dürften.

Die Branche der Hedge Fonds hat neben einigen Dummköpfen und Scharlatanen einige der besten Köpfe angelockt, die sich mit den Finanzmärkten beschäftigen. Auch das spricht dafür, daß Hedge Fonds langfristig eine Wachstumsbranche bleiben werden. Schon jetzt von einem Höhepunkt zu sprechen, wäre so ähnlich wie zu sagen, die Autobranche habe ihren Zenit bereits im Jahr 1910 erreicht und daß der PC-Sektor im Jahr 1980 kein weiteres Wachstumspotenzial mehr gehabt hätte.

Angaben von Morgan Stanley zufolge kontrollieren Hedge Fonds bisher nur rund 1,5 Prozent des weltweit investierten Kapitals. Das ist ein noch winziger Anteil. Hedge Fonds wird es noch eine ganz Zeit lang geben und sie haben noch einiges an Wachstum vor sich.

Quelle: Bloomberg; bearbeitet von @JüB
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