Geldanlage

Neugeschäft offener Immobilienfonds stockt

14.10.2004
, 08:01
Im September zogen Fondssparer erstmals in diesem Jahr im Branchendurchschnitt mehr Geld aus diesen Anlageprodukten als sie gleichzeitig einzahlten.
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Die Diskussionen um das Geschäftsgebahren und die Liquiditätssituation einzelner offener Immobilienfonds zeigen in der Anlegerschaft Wirkung. Im September zogen Fondssparer erstmals in diesem Jahr im Branchendurchschnitt mehr Geld aus diesen Anlageprodukten ab als sie gleichzeitig einzahlten.

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Das geht aus den aktuellen Absatzstatistiken hervor, die die einzelnen Gesellschaften in den vergangenen Tagen dem Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) zusandten. Danach wurden im Monatsverlauf netto insgesamt 13,9 Millionen Euro aus den 30 vom BVI erfaßten offenen Immobilienfonds abgezogen. Im August verzeichneten sie noch Nettomittelzuflüsse in der Größenordnung von 161 Millionen Euro.

Rückschlag im Neugeschäft

Besonders hart von dem Rückzug der Anleger wurde dabei wieder der Immobilienfondsanbieter der Sparkassen-Finanzgruppe - die Frankfurter Deka Immobilien Investment GmbH - getroffen. Nachdem seit Jahresbeginn vor allem der auf deutsche Objekte fokussierte Deka-Immobilien-Fonds Mittelabflüsse in Milliardenhöhe hinnehmen mußte, verzeichneten im September erstmals alle drei von der Tochtergesellschaft der Dekabank angebotenen Immobilienfonds - also auch der Deka-Immobilien-Europa und der Deka-Immobilen-Global - einen Rückschlag im Neugeschäft. Der Nettomittelabfluß aus dem Deka-Immobilien-Fonds beschleunigte sich im Vergleich zum Vormonat noch einmal von 214 auf 242 Millionen Euro. Immerhin fiel dieser Wert geringer aus als die zuletzt in der Öffentlichkeit kursierende Zahl von 500 Millionen Euro. Offenbar verfehlten die Aufrufe an die Sparkassen-Gruppe, zurückgegebene Anteile von Kunden zu übernehmen, nicht ihre Wirkung.

Bislang wurden in diesem Jahr insgesamt schon knapp 1,5 Milliarden Euro netto aus dem Deka-Immobilien-Fonds abgezogen. Trotz dieser noch nie zuvor gesehenenen Dimension - insgesamt wird in dem Fonds derzeit ein Vermögen von 5,6 Milliarden Euro verwaltet - versicherte die Dekabank am vergangenen Sonntag, daß eine Einschränkung der Rückgabe von Anteilen nicht zur Debatte stehe. Für Abgabedruck sorgte zuletzt nicht nur die im Branchenvergleich unterdurchschnittliche Wertentwicklung von 1,1 Prozent im abgelaufenen Geschäftsjahr 2003/2004. Die vor anderthalb Monaten bekanntgegebene Entlassung eines Geschäftsführers der Deka-Immobiliengesellschaft wegen dessen möglicher Verstrickung in einen Bestechungsskandal warf zusätzliche Fragen über die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft auf.

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Ansturm der Anleger

Mit den Liquiditätsproblemen des Deka-Immobilien-Fonds rückte in den vergangenen Monaten die Bedeutung dieses Themas für die Geldanlage in offenen Immobilienfonds insgesamt in das Blickfeld der Anleger. In den Zeiten der Baisse an den Aktienmärkten profitierten diese vergleichsweise sicheren Produkte von einem historisch einmaligen Ansturm der Anleger. Innerhalb von nur vier Jahren verdoppelte sich das Fondsvolumen auf heute rund 90 Milliarden Euro. Die größte Gefahr für offene Immobilienfonds besteht nun darin, daß das Geld in gleicher Geschwindigkeit wieder abfließen könnte. Teilweise können die Folgen über die Aufnahme von Krediten, teilweise über den Verkauf von Objekten abgefedert werden. Beides wirkt sich jedoch negativ auf die Wertentwicklung aus.

Aktuelle Angaben zur Liquiditätsquote legen nicht alle Anbieter vor. Die unabhängige Fondsanalysegesellschaft Scope bewertete kürzlich die Liquiditätssituation des Commerzbank-Fonds Hausinvest Europa, des Allianz-Produkts Grundwert-Fonds und des Grundbesitz Invest der Deutschen Bank als besonders positiv. Als Schlußlichter finden sich in dieser Aufstellung der Deka-Immobilen-Fonds sowie die iii-Immobilienfonds Nr. 1 und Nr. 2 der Hypo-Vereinsbank.

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Quelle: sfu. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2004, Nr. 240 / Seite 19
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