Handelssysteme

Quadriga und der Fluch des Systems

23.05.2005
, 17:14
Auf Handelssystemen aufgebaute Anlageprodukte wie das ABC Zertifikat von Superfund (früher: Quadriga) suggerieren kontinuierlichen Anlageerfolg. Doch die Produkte sind volatil und bergen kurzfristig immense Verlustrisiken.

Einen schlechten Start hatte das im März aufgelegte ABC Zertifikat des Hedge Fonds-Unternehmens Superfund (früher: Quadriga). Nach nur rund sieben Wochen Laufzeit mußten die Anleger bereits einen Verlust von 19 Prozent verzeichnen.

Diese Wertentwicklung widerspricht der bisweilen aggressiv anmutenden Werbung für das Produkt. Diese arbeitet mit dem Hinweis auf den Erfolg der traditionellen Superfunds und lockt mit möglichen Jahresrenditen von wenigstens 19,83 Prozent. Die traditionellen Superfunds wurden früher als Genußscheine vermarktet. Dies mußte das Unternehmen auf Druck des Bundesaufsichtsamts für das Finanzwesen (BaFin) einstellen.

Haken im System

Die Strategie der Superfunds als Trendfolgesystem suggeriert hohe Chancen und klingt beim ersten Hören sicher. Insofern überrascht die schlechte Wertentwicklung erst einmal. Doch dem Superfund-Produkt wird just das so ertragheischende Trendfolgesystem bisweilen zum Verhängnis.

Trendfolgesysteme bauen - wie der Name sagt - ihre Anlagestrategie auf Trends auf. Doch nur zu rund 30 Prozent bewegen sich Märkte überhaupt in Trends. Zu anderen Zeiten bestimmen Trading-Phasen und seitwärts gerichtete Zonen das Bild. Das hat zur Folge, daß die Systeme viele Fehlsignale liefern. Der Anteil der profitablen „Trades“ wird im allgemeinen mit 30 bis 40 Prozent angegeben. Die Systeme versuchen daher, die Trendphasen so weit wie möglich auszureizen, um mit den dort erzielten Gewinnen die Verluste aus den Trading-Phasen längerfristig überzukompensieren.

Fehlsignale ziehen nach unten

In Zeiten wie diesen, in denen die Trends vergleichsweise schnell wechseln oder häufig unterbrochen werden, kommt es gehäuft zu Fehlsignalen und infolgedessen zu „Drawdowns“ genannten Wertverlusten, bei denen der Fonds in kurzer Zeit sehr stark ins Minus gehen. Im April hatte Superfund-CEO Christian Baha den Anlegern daher einiges zu erklären. Denn allein in diesem Monat waren die dem Zertifikat zugrundeliegenden Fonds um zehn bis 20 Prozent eingebrochen. Beispielsweise setzte das System bis Anfang April auf einen steigenden Ölpreis und wurde genauso ausgestoppt wie bei Kupfer, dem Topix oder den fünfjährigen amerikanischen Schatzanleihen.

Allein - wie Baha den Anlegern mitteilte: „Dies ist nicht erfreulich, aber Teil des Systems.“ Das zeigt sich beim Vergleich mit anderen Trendfolgesystemen. Der April-Statistik des Vermögensverwalters Portfolio Concept über 16 Trendfolgesysteme zufolge gelang es lediglich vier Systemen in den vorangegangenen zwölf Monaten Gewinne zu erwirtschaften. Drei davon setzten auf Anleihen, eines auf die Nasdaq. Die drei Superfunds, die auf einen Mix aus Anleihen, Aktienindizes, Devisen und Rohstoffe setzen, schlugen sich im Vergleich gar nicht schlecht. Ihr Wert veränderte sich praktisch nicht.

Trading - aber nichts für Trader

Auch im schlechten Monat April sieht die Wertentwicklung im Vergleich nicht so schlimm aus. Während der aggressivste der drei Superfunds, der Superfund C in diesem Monat 20,74 Prozent an Wert einbüßte, verlor das EUR-DT 4.4-System des Anbieters DollarTrader for Currencies 56,15 und das System StrategieTrader des gleichnamigen Anbieters 46,44 Prozent.

Nur wer etliche Jahre auf ein System setzt und dabei auch zum Teil deutliche „Drawdowns“ oder Verlustphasen in Kauf nimmt, kann mit Trendfolgesystemen Erfolge erzielen. Das EUR-DT 4.4-System etwa hat zwar seit Anfang des Jahres 2004 ein Drittel an Wert verloren, seit dem Jahresbeginn 2002 aber dennoch ein Plus von 40,8 Prozent aufzuweisen. Obwohl die Systeme also bisweilen sehr kurzfristig agieren, sind sie nichts für kurzfristig agierende Anleger - und auch nicht für nervenschwache. Auch Sparpläne sind übrigens kaum empfehlenswert. Durch das kontinuierliche Nachschießen von Geld wird die Langfristigkeit des Engagements verwässert. Besser ist es, in Drawdown-Phasen neues Geld für einen ebenso langfristigen Zeitraum anzulegen wie zuvor. Generell gilt für das Investieren in Trendfolgesysteme, daß man günstigerweise - antizyklisch agierend - in Phasen einsteigen sollte, in denen die Produkte stark an Wert verloren haben. Der nächste Trend wird es danken.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @hma
  Zur Startseite
Verlagsangebot