Hedge Fonds

Hedge Fonds vor rasantem Wachstum

01.09.2005
, 17:04
Die Hedge Fonds-Branche wird sich nach einer Studie der amerikanischen Beratungsgesellschaft Van Hedge Fund Advisors in den kommenden Jahren mit riesigen Wachstumsschritten zu einer etablierten Anlageklasse entwickeln. Van Hedge Fund prophezeit ihr ein Volumen von sechs Billionen Dollar im Jahr 2015.

Nach Ansicht der amerikanischen Beratungsgesellschaft Van Hedge Fund Advisors werden sich Hedge Fonds in den kommenden Jahren mit riesigen Wachstumsschritten zu einer etablierten Anlageklasse entwickeln. Die Autoren der Untersuchung prophezeien für die kommenden zehn Jahre eine Versechsfachung der von Hedge-Fonds verwalteten Gelder auf dann sechs Billionen Dollar.

Derzeit hätten die 7.500 Hedge-Fonds der Welt rund 950 Milliarden Dollar in ihren Händen. Damit habe sich das verwaltete Kapital dieser weitgehend unregulierten Anlageklasse binnen fünf Jahren in etwa verdoppelt. Zum Vergleich: Das Fondsvermögen der deutschen Investmentgesellschaften ist im selben Zeitraum nur um rund 140 Millionen Euro auf eine Billion Euro geklettert.

Selbst die Weltbank schwört auf Hedge Fonds

Die optimistische Prognose begründet Van damit, daß im vergangenen Jahr eine Zeitenwende für die Hedge Fonds-Branche eingeläutet worden sei. Denn klassische institutionelle Investoren wie Pensionsfonds, Stiftungen und Versicherungen hätten erkannt, daß die Hedge Fonds in den vorangegangenen schwierigen Börsenjahren die Aktienmärkte deutlich geschlagen haben.

Viele Investoren glaubten nun, keine andere Wahl zu haben, als in diese alternativen Anlageformen zu investieren. Eine Signalwirkung habe dabei die Entscheidung der zu den weltweit größten Pensionsfonds zählenden Calpers gehabt, ihre Investitionen in Hedge Fonds von einer auf zwei Milliarden Dollar zu verdoppeln. Auch die Weltbank habe ein Zeichen gesetzt, indem sie mittlerweile 1,5 Milliarden Dollar ihres zwölf Milliarden Dollar schweren Pensionsfonds in diese Anlageklasse gesteckt habe.

Der eigene Erfolg als Gefährdung

Die hohe Nachfrage der Investoren hat die Hedge Fonds-Branche allerdings kurzfristig in eine Zwickmühle gebracht: Dank des anschwellenden Kapitalbergs wird es für die Fondsmanager immer schwieriger, Ineffizienzen an den internationalen Kapitalmärkten aufzustöbern. So gibt es bestimmte Finanzprodukte, in denen Hedge Fonds schon die dominierenden Anleger sind.

Hinzu kommt, daß sich die internen Handelsabteilungen der Banken mittlerweile auf ähnliche Strategien ausgerichtet haben. Die Konsequenz daraus war, daß die Branche in diesem Jahr, gemessen am CSFB/Tremont Hedge Fund Index, lediglich eine Rendite von drei Prozent erzielte, weitaus weniger, als an den internationalen Aktienmärkten zu holen war.

Van warnt daher, die Hedge-Fonds würden noch mindestens ein weiteres Jahr benötigen, um sich der stetig steigenden Nachfrage anzupassen. Doch die häufig geäußerten Befürchtungen, mit dem Ausmerzen von Ineffizienzen an den Kapitalmärkten beinhalte das Geschäftsmodell der Hedge Fonds den eigenen Untergang, teilt Van nicht. Denn zum einen expandierten Hedge Fonds gerade in neue Märkte, etwa in Schwellenländer und nach Europa. Deutschland ist dabei eines der beliebtesten Ziele, wie der Aufstieg der Hedge Fonds zu wichtigen Aktionären vieler Dax-Unternehmen zeigt.

Expandieren in neue Anlageklassen

Und zum anderen entwickelten die Fondsmanager neue Strategien. Beispielsweise drängten sie in die Energie- und Rohstoffmärkte, den Immobiliensektor und avancierten zu einer Konkurrenz der Beteiligungsgesellschaften, indem sie zunehmend ganze Unternehmen kaufen. Darüber hinaus biete auch die Zuhilfenahme neuer Produkte wie Exchange Traded Funds (ETFs) und Kreditderivate neue Chancen.

Einen zusätzlichen Nachfrageschub erwartet Van durch die zunehmende Rolle der Dachfonds. Bereits heute seien 40 Prozent des Hedge Fonds-Vermögens in den Händen von Dachfonds. Außerdem werde der Markt auch für Kleinanleger attraktiver, weil sich immer mehr Hedge Fonds an den Kapitalmärkten notieren lassen. Van rechnet damit, daß viele der großen amerikanischen Hedge Fonds in Zukunft an die Börse gehen werden. In Europa gibt es diesen Trend schon länger, beispielsweise ist die zu den europaweit größten Hedge Fonds zählende britische MAN Group börsennotiert.

Quelle: F.A.Z., 02.09.2005, Nr. 204 / Seite 25
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot