Hedge Fonds

Überwachung wird Run auf Hedge Fonds nicht bremsen

Von Chet Currier, Bloomberg News
20.05.2005
, 11:46
Ähnlich wie früher bei den Investmentfonds hat sich die Partystimmung bei Hedge Fonds in Krisenstimmung verwandelt. Dabei wird zu viel Schwarz-Weiß-Malerei dem Produkt nicht gerecht, schreibt Gastautor Chet Currier.

Bei den Hedge Fonds geht derzeit die Post ab. Trotz dieser Partystimmung stellt sich ein déjà-vu- Erlebnis ein: die Erfolgsgeschichte der Hedge Fonds erinnert sehr stark an die Entwicklung der Investmentfonds.

Es handelt sich zwar um zwei ganz verschiedene Anlageinstrumente. Hedge Fonds sind in erster Linie für die reichsten und gewieftesten Investoren konzipiert, die Investmentfonds mehr für den "Otto-Normal-Investor". Jedoch ist bei den Hedge Fonds das Risiko, daß etwas daneben geht, sehr viel größer. Ihre Vorliebe, auf Pump zu kaufen und die lockere Überwachung können ihnen zum Verhängnis werden.

Diese Risiken standen in letzter Zeit stark im Rampenlicht. Unruhig wurde der Markt, als kürzlich bekannt wurde, daß einige Hedge Fonds-Strategien fehlgeschlagen sind. Die Hedge Fondsmanager wurden von den Schwankungen bei den Aktien- und Anleihekursen geschwächter Autohersteller kalt erwischt.

Rasantes Wachstum in den vergangenen Jahren

William Donaldson, der Vorsitzende der amerikanischen Börsenaufsicht SEC, zeigte sich besorgt darüber, daß sich Hedge Fonds "in Scharen auf die gleichen Anlagestrategien stürzen". "Diese Art von Druck kann dazu führen, daß Spezialisten in bester Absicht Strategien verfolgen, die für ihre Investoren in der Katastrophe enden," sagte Donaldson in einer Rede am 12. Mai. Das ist ein überzeugendes Credo für mehr Publizität und Überwachung.

Mit einem verwalteten Kapital von einer Billion Dollar, Tendenz stark steigend, sind Hedge Fonds an dem selben Punkt wie 1990 die Investmentfonds. Für Investmentfonds war eine Billion Dollar nur der Anfang. Heute sind sie achtmal so groß, weltweit kommen sie sogar auf 16 Milliarden Dollar, berichtet der Branchenverband Investment Company Institute. Die Wachstumsrate hat sich zwar verlangsamt, kam aber nicht zum Stillstand, als in den vergangenen fünf Jahren die Börsen rund um den Globus auf Talfahrt gingen.

Von der Katerstimmung nach der Börseneuphorie in den neunziger Jahren profitierten die Hedge Fonds, denn sie sind sehr viel freier, Hochs und Tiefs an der Börse auszureizen. Zwischen Ende 1999 bis Ende 2004 hat sich das Anlagekapital der Hedge Fonds schätzungsweise verdoppelt, während Investmentfonds weniger als 20 Prozent zulegten.

Zu viel Schwarz-Weiß-Malerei

Für Investmentfonds waren die sechziger Jahre das goldene Zeitalter, während sie in den siebziger Jahren in Ungnade fielen, als sie in einer spekulative Baisse Federn lassen mußten. Heute wird bei Hedge Fonds eine ähnliche Schwarz-Weiß-Malerei betrieben, sie werden entweder als wunderwirkende Kurs-Zauberer oder als böse Markthexen dargestellt.

Ende der achtziger Jahre entdeckten die Anleger eine neue Seite bei den Investmentfonds, sie avancierten zum wichtigstes Instrument für Investments in Anleihen und am Geldmarkt und waren nicht mehr nur auf Aktien beschränkt. Die Begeisterung schwand jedoch, als die Marke von einer Billion Dollar erreicht wurde. Die Fonds waren jetzt nicht mehr die jungen Ungestümen, die das finanzielle Establishment aufrüttelten, sondern wurden selbst zum Establishment.

Dasselbe passiert in jüngster Zeit bei den Hedge Fonds, auch ihnen schauen die Aufsichtsbehörden und die Presse mehr auf die Finger, nachdem die Marke von einer Billion Dollar Anlagekapital genommen wurde. Wenn die Vergangenheit als Maßstab genommen wird, dürften die Rufe nach einer stärkeren Regulierung der Hedgefonds ihr Wachstum nicht bremsen. Auch die Investmentfondsbranche ist trotz der Skandale in den letzten Jahren weiter gewachsen und gediehen, selbst wenn die Präsenz der Finanzpolizei unübersehbar war.

Sinkende Volatilitäten nicht mit dem Vormarsch der Hedge Fonds verbinden

Bei den Hedge Fonds ist schwer zu sagen, ob und in welchem Ausmaß das Vertrauen wächst, wenn Dinge wie Handelsstrategien stärker beleuchtet werden. Vielleicht kommen sogar Investoren zu dem Schluß, daß die Hedge Fonds angesichts des harten Wettbewerbs untereinander die Tiefe und Liquidität des Marktes fördern und keinen destabilisierenden Einfluß haben.

Ist es purer Zufall, daß die Volatilität an den Aktienmärkten in den vergangenen Jahren, als das Anlagekapital der Hedge Fonds rasant wuchs, kontinuierlich gesunken sind. Der Chicago Board Options Exchange Volatility Index für den Standard & Poor's 500 ist von durchschnittlich 27 im Jahr 2002 auf 22 im Jahr 2003, 15 im Jahr 2004 und 13 in den ersten vier Monaten 2005 gefallen.

Der Volatilitätsschwund bereitet jedoch den Hedge Fonds Probleme, für sie wird es schwieriger die Traumrenditen zu erzielen, um ihr Image als Kurszauberer zu nähren. Beim Rest der Welt ist das anders, dort ist man ganz glücklich über die zusätzliche Effizienz und Liquidität an den Finanzmärkten.

Quelle: Bloomberg
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