Hintergrund

Die goldenen Anlageregeln von Marc Faber

Von Marc Faber
21.10.2004
, 15:52
Kennt viele wertvolle Anlagetips: Anlage-Guru Marc Faber
Ohne System läßt sich an der Börse kein Geld verdienen. Damit sich Gewinne einstellen, müssen einige Regeln beachtet werden. Börsenexperte Marc Faber verrät, welche Grundregeln ihm zum Erfolg helfen.

Zu den größten Fehlern, die ein Anleger begehen kann, gehört es, sich ohne ein System und klare Anlagegrundsätze an den Finanzmärkten zu bewegen. Mitunter laufen die Entscheidungsprozesse so unstrukturiert aus, daß dabei fast zwangsläufig verlustträchtige Geschäfte herauskommen müssen.

Da an den Börsen Fehlern in der Regel gnadenlos abgestraft werden, macht es Sinn, sich vor und nach dem Kauf an einige Regeln zu halten. Auf der Suche nach der richtigen Strategie für den individuellen Bedarf, kann dabei die Vorgehensweise von renommierten Börsenexperten eine Orientierungshilfe sein. Einer dieser weltweit anerkannten Börsenexperte ist Marc Faber, der zudem Fondsmanager und Herausgeber des monatlich erscheinenden "Gloom, Boom & Doom Report“ ist.

Nachfolgend finde Sie die wichtigsten Grundregeln, denen sich Faber verpflichtet fühlt (siehe auch Link: Was und wie Anleger lesen sollten)

1. Es gibt keine Anlageregel, die auf jeden Fall paßt

Wenn es eine bestimmte Regel gäbe, die immer zuträfe, würden sich mit der Zeit alle Anleger danach richten, und dann wären wir alle reich. Historisch gesehen ist die Wohlstandspyramide jedoch konstant geblieben: oben einige Reiche und unten zahlreiche Arme. Selbst die besten Regeln ändern sich also von Zeit zu Zeit.

2. Aktien gewinnen auf lange Sicht immer

Dabei handelt es sich um einen Mythos. Die Zahl der Unternehmen, die bankrott gehen, ist sehr viel größer als die derjenigen, die Erfolg haben. Nationale Aktienmärkte sind häufiger zusammengebrochen als daß sie überlebt haben. Beispiele sind Rußland 1918, alle osteuropäischen Aktienmärkte nach 1945, Schanghai nach 1949 und Ägypten 1954.

3. Immobilien gewinnen auf lange Sicht immer

Die Preise für Immobilien steigen tendenziell zwar tatsächlich auf lange Sicht an, was nicht zuletzt auf das Bevölkerungswachstum zurückzuführen ist, aber man darf mögliche Probleme mit Eigentums- und Besitzrechten nicht außer acht lassen. In den vergangenen 1.000 Jahren waren Immobilien in London eine gute Investition. Für die Indianer in Amerika, die Azteken in Mexiko, die Inkas in Peru und die Bevölkerung von Ländern, die im 20. Jahrhundert kommunistisch wurden, sieht das jedoch ganz anders aus. All diese Völker verloren sowohl ihre Immobilien als auch in der Regel ihr Leben.

4. Billig kaufen und teuer verkaufen

Diese Regel konfrontiert die Anleger mit dem Problem, daß man nie genau sagen kann, wann die Preise niedrig bzw. hoch sind. Häufig fallen niedrige Preise noch weiter und hohe Preise klettern noch höher.

5. Kauf ein Portfolio mit hochwertigen Aktien und halte daran fest
Auch diese Regel ist äußerst gefährlich. Unternehmen, die heute attraktiv sind, sind deswegen noch lange nicht die Marktführer von morgen. Xerox, Polaroid, Memorex, Digital Equipment, Burroughs und Control Data waren 1973 marktführend. Und heute? Entweder sind diese Unternehmen vom Markt verschwunden oder ihre Aktien notieren deutlich niedriger als 1973.

6. Kaufe, wenn die Zeiten schwierig sind
Es stimmt schon, daß schlechte Nachrichten häufig ein guter Zeitpunkt für einen Markteinstieg sind, zumindest zu Spekulationszwecken. Langfristig könnte es sich jedoch als bessere Strategie herausstellen, erst dann zu kaufen, wenn bereits längere Zeit ungünstige Nachrichten veröffentlicht wurden. Wenn dann die Kurse nicht weiter zurückgehen, besteht die Chance, daß das Schlimmste in vollem Umfang eingepreist ist.

7. Vertrau niemandem!
Alle wollen dem Anleger etwas verkaufen. Unternehmensmanager sagen entweder wissentlich die Unwahrheit oder weil sie die tatsächliche Lage ihres Unternehmens nicht kennen, und alle Anleger verdienen, wenn ein einzelner etwas kauft oder verkauft.

8. Die besten Investitionen sind häufig diejenigen, die man gerade nicht getätigt hat

Eine wirklich gute Investition, die im Zeitablauf um das Hundertfache oder mehr aufwertet, ist wie eine Nadel im Heuhaufen. Die meisten „heißen Tips“, „unbedingten Kaufempfehlungen“ und „guten Gelegenheiten“ erweisen sich als Seifenblasen. Daher sollte man nur sehr wenige Anlageentscheidungen treffen, die dann sorgfältig analysiert und im Hinblick auf Risiko und möglichen Ertrag abgewogen sind.

9. Investiere auf einem Gebiet, auf dem du einen Vorteil hast

Wenn man in einer Kleinstadt lebt, kennt man vielleicht den örtlichen Immobilienmarkt, weiß jedoch wenig über Cisco, Yahoo und Oracle. Man sollte in den Bereichen anlegen, in denen man möglicherweise über einen Wissensvorsprung verfügt.

10. Investiere in dich selbst!

Die heutige Gesellschaft interessiert sich vor allem für Geld. Die beste Investition könnte jedoch darin bestehen, etwas für die eigene Bildung zu tun, Zeit mit den Menschen zu verbringen, die man liebt, sich beruflich zu engagieren oder Geld für Bücher auszugeben, die einem neue Ideen nahe bringen und einem die Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven sehen lassen.

Am meisten bewunderte Anleger

Die Anleger, die ich am meisten bewundere, sind Jesus Christus, Mohammed und Buddha. Indem sie nicht materiellen Reichtum mehren wollten, sondern an Instinkte und Bedürfnisse der Menschen appellierten, haben sie unabsichtlich die einzigen Unternehmen geschaffen, die bis heute wachsen, blühen und gedeihen. Aus rein kapitalistischer Sicht war Francisco Pizarro bei weitem der erfolgreichste Anleger, da er Peru, das dann im 16. Jahrhundert den weltweiten Silbermarkt durch die Potosi-Mine beherrschte, mit nur 168 Soldaten eroberte.

Lieblingsbuch: „Der Alchemist“ von Paulo Coelho

Dabei handelt es sich nicht um ein typisches Anlegerhandbuch eines Wall-Street-Spekulanten oder eines Lottogewinners, der dann aufschreibt, wie andere mit seinem System ebenfalls zu Lottogewinnern werden können. Dieses Buch zeigt einem jedoch, daß man zahlreiche Widrigkeiten in Kauf nehmen muß, wenn man sich seine Träume erfüllen will, und daß man Dinge tun muß, die anderen nicht einmal im Traum einfallen würden. Man wird dieses Buch nicht vergessen und nicht bereuen, es gelesen zu haben.

Beste Investitionen

Aktienmärkte in Korea und Taiwan 1979, Philippinen und Thailand 1986, Chile, Argentinien, Brasilien und Peru 1988, japanische Nikkei-Puts 1989, keine Investitionen in Asien nach 1994.

Schlechteste Investitionen

Zu frühes Abstoßen von amerikanischen Aktien. Dies war 1999 und Anfang 2000 eine ungünstige Entscheidung.

Dinge, die ich bedaure

Ich habe immer die Verantwortung für mein Handeln übernommen und nie jemandem anders die Schuld gegeben, wenn etwas nicht funktioniert hat. Daher bedaure ich nichts. Allerdings war ich enttäuscht, wenn ich Freunden Geld geliehen habe, da sie weder das Geld zurückgegeben haben noch die Freundschaft Bestand hatte.

Marc Faber ist Börsenexperte, Fondsmanager und Herausgeber des monatlich erscheinenden "Gloom, Boom & Doom Report“

Quelle: @JüB
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