Hurrikan Katrina

Welche Fonds liegen in Katrinas Bahn?

05.09.2005
, 12:23
Auch Chevron hat von „Katrina” einiges abbekommen.
Standard & Poor's haben untersucht, welches Ausmaß die Folgen von Katrina für diverse Branchen wie Öl und Gas bis hin zu Versicherungsgesellschaften haben. Außerdem werden Fonds aufgelistet, die Aktien von betroffenen Unternehmen enthalten.

Als der Hurrikan Katrina am 29. August 2005 die amerikanische Küste am Golf von Mexiko traf, waren die Auswirkungen bis in die weit entfernte Wall Street zu spüren. Rohöl-Futures schnellten kurzzeitig auf über 70 Dollar. Energieaktien stiegen, während Versicherungstitel an Wert verloren.

Die größte Sorge bereiten im Nachgang wohl grundsätzlich raffinierte Produkte der Ölindustrie, da rund 13 Prozent der amerikanischen Raffineriekapazitäten in der Folge des Wirbelsturms immer noch nicht wieder genutzt werden können. Ähnliches gilt für vor Ort produziertes Gas, so die Einschätzung von Tina Vital, Analystin für Energietitel bei Standard & Poor's.

Ölproduzenten durch Infrastrukturausfälle belastet

Das Sentiment war auch am Markt deutlich zu spüren. Der Preis für leichtes Öl (WTI) ist an der Terminbörse Nymex seit vergangenem Freitag um 5,6 Prozent auf 69,81 Dollar gestiegen, während Benzin um 28 Prozent auf 247,45 Cents und Gas um 19 Prozent auf 11,66 Dollar zulegten. Nur die Freigabe der Ölreserven in den Vereinigten Staaten und Europa konnte den Anstueg aufhalten.

Bild: FAZ.NET

An einigen im Golf von Mexiko aktiven Produzenten wie beispielsweise ConocoPhillips sowie einigen Raffinerien wie Valero Energy ist der Hurrikan zwar vorbeigezogen, aber Tina Vital vermutet trotzdem, daß Stromausfälle, Überflutungen und Schäden an der nahegelegenen Infrakstruktur die größten Hindernisse auf dem Weg zur Wiederherstellung der regulären Aktivitäten sein werden.

Die Colonial Pipeline, die raffinierte Produkte befördert, ist bis mindestens zum Wochenende außer Funktion. Die amerikanischen Benzinvorräte befinden sich bereits auf einem geringen Niveau und dürften bis zum Labor Day-Wochenende reichen. Daher erwartet Vital, daß der durch Katrina verursachte Preisauftrieb noch Monate zu spüren sein wird. Für Aktien von diversifizierten Öl- und Raffinerie-Gesellschaften behält sie jedoch ihre positive Einschätzung bei.

Versicherer: Eine Frage der Preisgestaltung

Einige Dienstleister der Ölbranche sowie Unternehmen, die auf Katastrophenhilfe spezialisiert sind, dürften von Katrina sogar profitieren. Die Abteilung für Aktienanalyse bei Standard & Poor's hat beispielsweise kürzlich Cal Dive International von „Halten“ auf „Kaufen“ hochgestuft. Das Unternehmen bietet weltweit maritime Dienstleistungen für Öl- und Gasplattformen an. Dazu gehören auch Brunnen für Ölbohrungen im Golf von Mexiko.

Viele Investoren werden ihren Fokus wahrscheinlich auf Versicherungsunternehmen richten, insbesondere wenn diese Sachversicherungen oder Unfallschutz anbieten. Gleiches gilt für Rückversicherer. Nach ersten Schätzungen dürfte Katrina den Versicherern Schadensersatzleistungen bis zu einem Gesamtwert von 26 Milliarden Dollar beschert haben, was den Hurrikan zum teuersten Sturm aller Zeiten macht. Hurrikan Andrew verursachte 1992 rund 16 Milliarden Dollar Schaden. Als Florida und die Ostküste 2004 von vier Wirbelstürmen heimgesucht wurden, mußte die Versicherungswirtschaft insgesamt 23 Milliarden Dollar zahlen.

Katastrophen dieser Art sind für Versicherungstitel langfristig manchmal sogar von Vorteil, da die Anleger erwarten, daß die Unternehmen ihre Prämien maßgeblich erhöhen. Tom Davis, Analyst für den Finanzdienstleistungssektor bei Loomis Sayles, glaubt jedoch nicht, daß das auch dieses Mal der Fall sein wird: „Die Versicherungswirtschaft blickt auf fast ein Jahrzehnt sinkender Preise zurück und befindet sich derzeit in einem vorteilhaften Preisumfeld, nachdem seit vier Jahren die Prämien wieder signifikant angehoben werden konnten. Daher ist es eher unwahrscheinlich, daß die Kurse von Versicherungsaktien sehr viel höher schießen werden.“

Weiter neutral für Versicherer

Davis führt außerdem an, daß die vier Hurrikans, die im vergangenen Jahr den Südosten der Vereinigten Staaten getroffen haben, „auch nicht zu einem branchenweiten Preisauftrieb geführt haben.“ Versicherungstitel haben „in den vergangenen sechs bis neun Monaten sehr gut abgeschnitten, vor allem weil die Gewinne der Gesellschaften nun durch Preis- und Prämienerhöhungen realisiert worden sind, die in den vergangenen Jahren durchgesetzt wurden - und nicht wegen der großen Stürme in 2004.“

Nachdem Katrina am 29. August auf die Küsten getroffen ist, hat Cathy Seifert, S&P-Aktienanalystin für den Versicherungssektor, ihre neutrale Prognose für die Bereiche Sach- und Unfallversicherungen erneut bestätigt. „Versicherungsaktien gewinnen in der Wirbelsturmsaison normalerweise an Stärke, da allgemein davon ausgegangen wird, daß die Sturmschäden zu höheren Prämien führen“, so Seifert. „Aber sollte Katrina Ölplattformen im Golf von Mexiko schwerwiegend beschädigt haben, dürfte der Ölpreis weiter anziehen. Diese Entwicklung würde unserer Ansicht nach sämtliche potentiellen Aufwärtsbewegungen für Versicherungsaktien durch die Erwartung auf höhere Prämien wieder aufheben.“

Flutschäden sind nicht versichert

Die S&P-Analystin fügt außerdem hinzu, daß die mit einer klaren Kaufempfehlung eingestuften Unternehmen Allstate und die Hartford Financial Services Group in diesem Sektor ihre Favoriten bleiben.

Der Schaden für Allstate wird letztlich nicht so groß ausfallen wie ursprünglich befürchtet, so ihre Einschätzung. „Auf Basis unserer Analyse der regionalen Marktanteile sind wir der Meinung, daß Allstate im betroffenen Gebiet zwar mit Eigenheimversicherungen stark vertreten ist. Da dieser Wirbelsturm aber die tiefer liegenden Gebiete der Region getroffen hat, dürften Überflutung für einen höheren Anteil der gesamten Verluste verantwortlich sein als dies bei anderen Katastrophen der Fall gewesen ist. Die typische Eigenheimversicherung schließt jedoch Flutschäden aus.“

Tom Davis von Loomis Sayles stimmt dem zu: „Allstate wird durch Katrina ordentlich zu leiden haben, aber in Anbetracht der Tatsache, daß die Gesellschaft in den gesamten Vereinigten Staaten engagiert ist, dürfte sie in der Lage sein, diese Versicherungsansprüche ziemlich schnell zu verkraften. Im Gegensatz dazu werden die kleineren lokalen Anbieter, die nur in den am Golf von Mexiko gelegenen Staaten Policen vertreiben, je nach Ausrichtung ihres Versicherungsangebotes in große Schwierigkeiten geraten.“

Rückversicherer stärker gefährdet

Die Rückversicherer, die den Versicherungsgesellschaften Versicherungen ausstellen, dürften ein größeres Risiko tragen, da sie auch den größten Teil der Kosten übernehmen müssen, die in Zusammenhang mit Schadensansprüchen nach Katastrophen entstehen. Alles in allem verteilen die Versicherungsgesellschaften ihr Gesamtrisiko auf ihre Rückversicherer.

„Ist die Katastrophe groß genug, könnten die Rückversicherer immense Verluste erleiden“, glaubt Davis. „Während die Rückversicherer im Vergleich zu den Versicherungsgesellschaften größeren potentiellen Verlusten ins Auge blicken müssen, tritt der Fall jedoch sehr viel seltener ein.“ Cathy Seifert bleibt aufgrund ihrer Bedenken, was Preise und die Angemessenheit der gebildeten Rücklagen betrifft, gegenüber Rückversicherern vorsichtig.

Für manche Fluglinien wie ein Todesstoß

Vielleicht gibt es keine Branche, die so von den dauerhaft hohen Ölpreisen betroffen ist, wie die seit langem kämpfenden Fluggesellschaften. Durch Katrina haben sie bereits eine Welle von Flughafenschließungen und gestrichenen Flügen zu verkraften. Höhere Flugbenzinpreise dürften ihre Profitabilität sowie die ohnehin fragile Finanzlage weiter belasten.

Am Rande des Ruins steht bereits die in Atlanta ansässige Delta Air Lines. Am Tag als Katrina die Küste der Vereinigten Staaten traf, fiel die Aktie bereits um 2,3 Prozent und verlor am 30. August weitere 5,8 Prozent. Northwest Airlines versucht ebenfalls dem Bankrott zu entgehen. Die Aktie fiel am 29. August um 1,5 Prozent, am 30. August um weitere 5,1 Prozent. Der Kurs der bereits zahlungsunfähigen U.S.Airways Group rauschte am 29. August um 13,3 Prozent in den Keller.

Katrina dürfte aufgrund der in der Folge steigenden Benzinpreise auch den Einzelhandel auf breiter Front schwer belasten, erklärt John Derrick, Co-Fondsmanager des Holmes Growth Fund. „Die Konsumkraft wird voraussichtlich abnehmen“, prognostiziert er. „Selbst vor dem verheerenden Wirbelsturm zeichnete sich bei den Absatzzahlen von Wal-Mart, Gap und vielen anderen in den vergangenen Monaten eine gewisse Schwäche ab. Jetzt verschärfen die höheren Benzinpreise noch die Situation.“

Pechsträhne für Glücksspiel-Aktien

Andere Branchen mit einem hohen Engagement in Mississippi, Alabama und Louisiana - wie zum Beispiel Kasinos, der Tourismus und das Glücksspiel auf den Schaufelraddampfern - dürften ebenfalls unter den Zerstörungen und dem Verlust lokaler Umsätze zu leiden haben. „Wir erwarten, daß der Hurrikan Katrina die Glücksspielindustrie an der Golfküsten und in der Region New Orleans schwer belasten wird“, meint Thomas Graves, Analyst bei Standard & Poor's für die Bereiche Hotelgewerbe und Glücksspiel. Für Kasino-Titel behält er seine neutrale Wertung bei.

Zu den Unternehmen, die seiner Ansicht nach betroffen sind, zählt Harrah's Entertainment, Betreiber eines Spielkasinos in New Orleans sowie von zwei Kasinos mit angeschlossenem Hotel an der südlichen Küste von Mississippi. Außerdem ist noch MGM Mirage zu nennen, die ein Kasino mit Hotel in Biloxi, Mississippi, betreiben. Die meisten Geschäfte dieser Unternehmen befinden sich jedoch außerhalb des Südostens der Vereinigten Staaten.

Auf den Infografiken findet sich eine Auswahl von Investmentfonds und ETFs (Exchange Traded Funds), die bei Öl- und Versicherungsaktien stark gewichtet sind, die aller Wahrscheinlichkeit durch Katrina Einbußen erleiden. Besonders hervorzuheben ist der 191 Millionen-Dollar schwere Branchenfonds Fidelity Select Insurance.

Quelle: Standard & Poor's
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