Indizes

Dow Jones Industrial - 110 Jahre und kein bißchen weise

26.05.2006
, 19:46
Wer sich für die internationale Börsenwelt interessiert kommt sicherlich an einem Index nicht vorbei: am Dow Jones Industrial Index. Er wurde vor genau 110 Jahren zum ersten Mal berechnet und erreichte einen Wert von 40,94 Punkten.

Wer sich für die internationale Börsenwelt interessiert kommt sicherlich an einem Namen nicht vorbei, nämlich an Dow Jones. Dieser Name steht für einen der ältesten und bekanntesten Aktienindizes weltweit.

Er wurde entwickelt vom Journalist Charles Dow. Als er im neunzehnten Jahrhundert an die Wallstreet kam, wurden Aktien zwar rege gehandelt. Aber bei den unterschiedlichen Preisentwicklungen der Einzelwerte wußte niemand genau, ob der Markt in seiner Gesamtheit gerade fiel, stieg oder sich auf der Stelle bewegte.

26. Mai des Jahres 1896: Der Dow Jones Industrial Index startet bei 40,94 Punkten

So begann er im Jahr 1884 für mehr Transparenz zu sorgen, indem er zunächst einen Index mit elf Aktien schuf. Dabei handelte es in erster Linie um Eisenbahn werte. Denn sie waren damals sehr gefragt und dürften in diesem Sinne vergleichbar sein mit den heutigen Internetwerten. Bis dahin ließen sich nur wenige Industriewerte an der Börse finden und wenn, dann galten sie als hoch spekulativ.

Das änderte sich am 26. Mai des Jahres 1896. An diesem Tag führte er den Dow Jones Industrial Index ein, einen gleichgewichteten Index aus den „angesehensten“ Industriewerten aller Branchen außer dem Transportsektor und den Versorgern. Er gilt heute noch als die „Benchmark“ schlechthin, obwohl er einfach konstruiert ist und obwohl er nur wenige Werte enthält. Möglicherweise zeichnet jedoch gerade das seine langjährige Robustheit aus.

Besteht der Index heute aus 30 Aktien, so startete er damals mit folgenden Werten: American Cotton Oil, Laclede Gas, American Tobacco, National Lead, North American, General Electric, Tennessee Coal & Iron, Distilling & Cattle Feeding und U.S. Leather preferred. General Electric ist der einzige Originalwert, der noch im Index enthalten ist. Allerdings ist er zwischenzeitlich zweimal herausgenommen und wieder aufgenommen worden.

Der erste jemals berechnete Wert des Dow Jones Industrial Index lag vor genau 110 Jahren bei 40,94 Punkten. Von da war es ein weiter Weg bis zum Rekordstand von 11.722,98 Punkten, die der Index am 14. Januar des Jahres 2000 erreicht und bisher nicht wieder überschritten hat. Der Dow wurde von den Jahren 1923 bis 1963 stündlich manuell von Arthur Harris berechnet, bevor der gute Mann durch einen Computer ersetzt wurde.

Der Index benötigte nach Angaben von Dow Jones 99 Jahre, bis er die Marke von 5.000 Punkten am 21. November des Jahres 1995 erreicht hatte. Dagegen waren gerade einmal weitere drei Jahre und vier Monate nötig, um die 10.000-Punkte-Grenze am 18. März des Jahres 1999 zu überschreiten. Am dritten Mai des Jahres 1999 überwand der Index erstmals die 11.000 Punkte. Seitdem stagniert er auf hohen Niveau und hat sie bisher insgesamt 24 Mal nach unten und nach oben überquert, ohne nachhaltig weiter nach oben laufen zu können.

Anhaltender „Flirt“ mit der 11.000-Punkte-Marke

Das dürfte mit der Bewertung zusammenhängen. Denn mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinnverhältnis von 21 auf Basis der abgelieferten Gewinne sind die Aktien im Index deutlich über- und mit einem Blick auf die Gewinnschätzungen gerade einmal fair bewertet. Das läßt vermuten, daß das Kurspotential des Index vorerst noch begrenzt bleiben dürfte. Vor allem dann, wenn sich die amerikanische Wirtschaft aufgrund der erhöhten Leitzinsen abkühlen sollte.

Im Rahmen der wechselvollen amerikanischen Wirtschaftsgeschichte hat der Index vieles mitgemacht. Den stärksten Aufschwung konnte er in den Jahren 1982 bis 2000 verbuchen. In diesen 18 Jahren beliefen sich die Kursgewinne auf rund 1.400 Prozent oder 16,3 Prozent pro Jahr. Sie dürften ausgelöst worden sein durch die zunehmende Globalisierung der Wirtschaft in Verbindung mit einer sehr expansiven amerikanischen Geldpolitik und aggressiv-kreativen Bilanzierungspraktiken vieler amerikanischer Unternehmen.

Aus diesem Grund dürften solche Durchschnittsrenditen nicht mehr ohne weiteres wiederholbar sein, auch wenn sie viele Aktienstrategen immer wieder als Argument für den Kauf von Aktien in die Waagschale werfen. In diese Periode fiel auch der größte Tagesverlust: Am 19. Oktober des Jahres 1987 verlor der Index satte 22 Prozent. Angesichts des anhaltenden Optimismus weltweit scheint eine Wiederholung zwar im Moment optisch nicht unwahrscheinlich sein. Blickt man jedoch auf die strukturellen Probleme der amerikanischen Volkswirtschaft und kritisch auf die Bilanzen der amerikanischen Unternehmen - die wiederaufgeflammte Diskussion um die dubiose Verbuchung von Mitarbeiteroptionen dürfte nur ein Symptom sein - so kann sie nie völlig ausgeschlossen werden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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