Interview

"Ägyptische Aktien sind noch günstig"

15.03.2005
, 10:00
Ägyptische Börse - steil wie die Pyramiden
Die ägyptische Börse verbuchte in den vergangenen Jahren massive Kursgewinne. Mehr dürfte möglich sein, so Fondsmanagerin Maha Baligh von der Egyptian Portfolio Management Group. Die Regierung bewege sich rasch und deutlich.
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Mit Blick auf das Jahr 2004 ist immer wieder einmal davon die Rede, das Jahr sei für Aktienanleger eher enttäuschend verlaufen. Das mag richtig sein, wenn man auf die vielbeachteten Börsen in Europa und in den Vereinigten Staaten blickt.

Wer allerdings über seinen Tellerrand hinausblickt, kann immer wieder überraschende Entwicklungen entdecken und davon profitieren. Ein aktuelles Beispiel ist die Börse in Ägypten. Sie konnte in den vergangenen Jahren massive Kursgewinne verbuchen. Alleine im laufenden Jahr hat der Kairoer Case 30 Index knapp 74 Prozent zugelegt. Einzelne Werte wie Orascom Projects kommen auf Kursgewinne von bis zu 284 Prozent in lokaler Währung.

Das ist Grund genug, um der Entwicklung einmal auf den Grund zu gehen. FAZ.NET unterhielt sich mit Maha Baligh, Chairperson & Managing Director der Egyptian Portfolio Management Group, einer Sparte der in Kairo ansässigen Investmentbank EFG-Hermes.

Bild: Bloomberg

Die ägyptische Börse boomt und hebt förmlich ab. Wie würden Sie diese Entwicklung erklären?

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Es gibt eine Reihe von Gründen. Zunächst waren die Aktien an sich sehr günstig für viele Jahre. Dann begann sich die Wirtschaft im vergangenen Jahr dynamischer zu entwickeln. Das zeigte sich auch an der Leistungsbilanz, dem zunehmenden Tourismus, der Exportentwicklung und so weiter. Dann gab es im Juli eine neue Regierung, die die Stimmung weiter verbessern konnte.

Läßt sich das konkretisieren?

Ja, die neue Regierung unter Premierminister Ahmed Mahmud Mohamed Nazif hat schon entscheidende Weichen gestellt, wie zum Beispiel die Senkung von Steuern. Die Unternehmenssteuern wurden von 42 auf 20 Prozent gesenkt. Die persönlichen Steuersätze haben nun eine Obergrenzen von 20 Prozent, diese sind heruntergesetzt worden von ursprünglich 32 Prozent. Zusammen mit der Anpassung der Einkommensgruppen führt das zu höheren verfügbaren Einkommen und zunehmender Kaufkraft.

Das heißt indirekt auch zu steigenden Unternehmensgewinnen?

Ja, alleine die Steuersenkungen dürften im Jahr 2005 zu deutlich steigenden Unternehmensgewinnen führen. Aber das ist nicht alles. Denn gleichzeitig wurden auch die Zölle im grenzüberschreitenden Handel reduziert. Die Bearbeitungsprozesse wurden nicht nur vereinfacht und automatisiert, sondern auch transparenter gemacht. Auch der Umgang mit ausländischen Investoren würde überarbeitet. Sie haben nun eine einzelne Stelle, an die sie sich wenden können, die dann alles weitere übernimmt.

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Dazu kommen Reformen im Finanzbereich. Banken und andere bisher öffentliche Unternehmen werden zunehmend privatisiert. Unter anderem die Bank of Alexandria. Auch im Versicherungssektor dürfte es zu deutlichen Veränderungen kommen. Insgesamt ist die neue, junge Regierung wesentlich dynamischer, innovativer und ideenreicher, als es sich die Wirtschaft zuvor erhofft oder gar erträumt hatte. Sie sorgt sehr schnell für deutliche Veränderungen im Umfeld und das treibt auch die Börse an.

Wie sieht es inzwischen aus mit der Bewertung?

Die Börse hat schon sehr deutlich zugelegt. Setzt man jedoch die Kursentwicklung ins Verhältnis zum Wachstum, so ist die Bewertung noch günstig. Es kommt teilweise zu völligen Veränderungen. Nehmen wir zum Beispiel die Düngemittelhersteller. Sie konnten bisher nicht exportieren, sondern mußten ihre Produkte auf dem lokalen Markt verkaufen. Nun können sie sich nicht nur Absatzmärkte im Ausland erschließen, sondern auch die Preise selbst festsetzen. Insgesamt gibt es massive Veränderungen.

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Läßt sich das auch an der Entwicklung der Währung ablesen?

Ja, das ägyptische Pfund hat zugelegt. Auch das zeigt, daß das Wirtschaftsvertrauen in Ägypten so hoch ist wie nie zuvor.

Sie sprachen die Bewertung an - wo liegt sie denn?

Wenn man einmal die vergleichsweise teuren Aktien der Telekommunikationswerte ausblendet, dann liegt das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis des Marktes bei etwa zwölf. Das ist noch sehr vernünftig. Vor allem wenn man berücksichtigt, daß sich die Börse in den vergangenen beiden Jahren jeweils verdoppelt hat. Die Telekom-Aktien sind teuer, da sie deutlich schneller als der Markt wachsen.

Können Unternehmen wie Orascom Telecom weiterhin so deutlich wachsen?

Ich denke schon. Denn blickt man nur auf Ägypten alleine, so hat das Land eine Bevölkerung von 70 Millionen Leuten und einen Verbreitungsgrad von zehn Prozent. Marokko kommt bei vergleichbarem Einkommen pro Kopf auf eine Penetrationsrate von 20 Prozent.

Wo sehen Sie den Case-Index zum Jahresende?

25 bis 30 Prozent höher als jetzt. Mehr ist möglich, wenn die Regierung das Land noch aggressiver umkrempelt. Wir haben die weiteren Privatisierungspläne noch nicht gesehen, aber wenn die Regierung bei der geplanten Plazierung zweier petrochemischer Unternehmen nicht zu gierig wird und das „Pricing“ stimmt, sehen wir sehr gute Chancen auf weitere Kursgewinne.

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Welche Anleger sind das, die die ägyptischen Aktien aktuell kaufen?

Bisher sind es vor allem lokale Anleger. Von den internationalen Investoren sieht man erst die Pioniere. Auch die Anleger aus der Golfregion kommen erst jetzt so langsam in den Markt, weil die Bewertung im Verhältnis zu den eigenen Aktien noch vergleichsweise günstig ist. Sie hatten vor drei, vier Jahren schlechte Erfahrungen gemacht mit der Konvertibilität der Währung, so daß sie lange gezögert haben, wieder zu kommen. Die Ägypter dagegen fühlen und leben die Veränderungen und investieren deswegen ihr Geld an der Börse.

Sind die nun vorgenommen Veränderungen nachhaltig?

Ich denke schon. Das Land ist riesig und hat mit dem richtigen „Management“ gute Chancen, ein höheres Niveau zu erreichen als das, auf dem es sich gegenwärtig befindet.

Fürchten Sie keine Rückschläge?

Natürlich wird es immer wieder deutlich Rückschläge und Korrekturen geben, aber der Haupttrend dürfte positiv sein. Dazu sollten auch Änderungen in der Subventions- und Bildungspolitik beitragen.

Können religiöse Umtriebe nicht gefährlich werden?

Ich denke, solche Bewegungen haben vor allem dann regen Zulauf, wenn es wirtschaftlich nicht gut geht und so lange sich die Bevölkerung die wichtigsten Dinge im Leben nicht leisten kann. Mit einer florierenden Wirtschaft und steigendem Lebensstandard dürften die Gefahren zurückgehen. Im einzelnen ist es schwierig, genaue Prognosen zu machen.

Ist es einfach, an der ägyptischen Börse zu investieren?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Internationale Anleger gehen in den Regel über in Dollar denominierten „Off-Shore-Funds“, wie zum Beispiel unseren Egypt Fund, oder öffnen so genannte Bokerage-Accounts.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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