Interview

„Deka-Immobilienfonds war grundsolide - und er bleibt es auch“

15.10.2004
, 08:19
Axel Weber, Deka-Bank
Die Deka-Fonds stecken in der Krise. Axel Weber, der Vorstandsvorsitzende der Dekabank, spricht im Interview über Krisenmanagement im Fondsgeschäft, die Umstellung des Investment-Prozesses und Managementverantwortung.
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Die Dekabank muß ihren um Liquidität ringenden Deka-Immobilienfonds alleine stabilisieren. Die Eigentümer, Sparkassen und Landesbanken, entschieden auf der Verwaltungsratssitzung am Mittwoch abend, daß die Dekabank notfalls den gesamten Fonds übernehmen darf.

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Sparkassen und Landesbanken übernahmen - anders als ursprünglich geplant - keine Verpflichtung zur Übernahme von Anteilen. Herr Weber, können Sie nach der Entscheidung von Mittwoch abend den Deka-Immobilienfonds noch guten Gewissens zum Kaufen empfehlen?

Ich denke ja. Der Deka-Immobilienfonds war grundsolide, und er bleibt es auch. Der Fonds macht derzeit die Wertkorrekturen, die der gesamte Immobilienmarkt durchmachen muß. Die Wertveränderungsrendite drückt derzeit die Nettomietrendite. Die Entscheidung, im Hochhaus Skyper, das die Deka Immobilien Investment entwickelt hat, die Hälfte der Fläche selbst anzumieten und selbst zu nutzen, wird die Wertentwicklung verbessern. Darüber hinaus denken wir noch über ein, zwei weitere Maßnahmen nach. Wir gehen davon aus, im laufenden Geschäftsjahr bis zum 30. September 2005 eine Gesamtrendite von zwei Prozent erzielen zu können.

Ist es wirklich nur die Entwicklung des Gesamtmarktes, die Ihnen derzeit zu schaffen macht? Gibt es keine speziellen Deka-Probleme?

Große Projekte wurden in einer Boomphase geplant und werden nun in einer Zeit fertig, in der viele Objekte leer stehen. Da sind wir - mit vielen anderen auch - einer Fehleinschätzung aufgesessen. Das kann aber immer passieren, wenn man Investitionsentscheidungen für eine ungewisse Zukunft treffen muß. Es gibt jedoch inzwischen auch wieder Lichtblicke. Das Berliner Spreepalais konnten wir zu 30 Prozent vermieten. Das ist ein Erfolg in der gegenwärtig schwachen Marktphase. Im Objekt Herriots in Niederrad haben wir 44 Prozent unserer Fläche vermietet. Gerade in jüngster Zeit bewegt sich etwas - dies aber zäh.

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Der Deka-Immobilienfonds ist eine gute Anlage. Es stellt sich zwar derzeit vielleicht nicht die Einstiegsfrage, aber die Frage: Warum nicht halten? Umschichtungen kosten den Anleger Geld. Und der Anleger läuft Gefahr, daß er mit seinem Verkauf jetzt den Tiefpunkt erwischt und die Wertsteigerungen der kommenden Jahre nicht mitmacht.

Was macht Sie so sicher, daß Immobilien nicht weiter an Wert verlieren?

Natürlich sind die ruhigen Jahre der Nachkriegszeit auch für Anleger von Immobilienfonds vorbei. Danach ist es realistisch, daß die Netto-Mietrendite von mehr als 4 Prozent künftig weniger von der Wertveränderungsrendite belastet wird, das heißt, die Immobilienwerte des Deka-Immobilienfonds werden im Geschäftsjahr 2006/2007 insgesamt wieder steigen.

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Könnte nicht ein Indiz für noch immer zu hohe Buchwerte sein, daß Sie so wenige Immobilien abstoßen?

Sie können nicht mit der gleichen Geschwindigkeit von Rückgaben Immobilien verkaufen. Man kann nicht an den Markt gehen als Verkäufer, der verkaufen muß. Außerdem wollen wir in Europa zukaufen, um den Fonds stärker hin zu einem europaweit anlegenden Fonds umzustrukturieren. Die gesetzliche Vorgabe, Wertminderungen und Wertsteigerungen genauso sukzessive und nicht sofort sowie vollständig in den Buchwerten zu berücksichtigen, hat sich bewährt. Das führt zu geringeren Schwankungen.

Von dem Beschluß Ihrer Eigentümer geht doch das Signal aus, daß diese den Deka Immobilienfonds nicht für ein lohnenswertes, sondern ein riskantes Investment halten, oder?

Ich bin in gutem Einvernehmen mit unseren Eigentümern. Dank des alternativen Ansatzes, nach dem sich die Dekabank übernommene Fondsanteile nicht als Kredit anrechnen muß, gab es keinen Bedarf für direkte Hilfe.

Hätten Sie sich nicht doch von der Sitzung am Mittwoch abend ein stärkeres Signal der Geschlossenheit der Sparkassen-Finanzgruppe gewünscht?

Die jetzt gefundene Lösung ist die von mir bevorzugte. Ich hatte Angst, daß wir an die Großkreditgrenze stoßen. Deshalb habe ich am 15. September die Eigentümer auf der ordentlichen Verwaltungsratssitzung informiert und gesagt, es könnte sein, daß wir uns aufgrund technischer Vorgaben nicht alleine helfen können. Diese Gefahr ist dank des alternativen Ansatzes erledigt. Es war von Anfang an mein Wunsch, diese starke Bank einzusetzen, um den Liquiditätsengpaß im Deka-Immobilienfonds zu beseitigen. Ich wollte nicht die Landesbanken behelligen, von denen sich viele in einem Restrukturierungsprozeß befinden.

Wird Ihnen nicht mulmig, wenn die Dekabank den gesamten Fonds als Risiko übernähme?

So wird es nicht kommen, aber wir könnten das. Das wäre nicht nur Risiko, sondern auch Chance. Chance auf Renditen von mehr als 4 Prozent. Im übrigen: Auch bei anderen Fonds haben die Muttergesellschaften vermutlich schon längst Fondsanteile in größerem Stil übernommen.

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Erwarten Sie eine Herabstufung durch die Ratingagenturen?

Wir sind momentan in Gesprächen. Aber ich sehe die Gefahr der Herabstufung nicht. Die Dekabank ist in einer betriebswirtschaftlich starken Lage. Eine ungelöste Lage mit den Spekulationen über eine Fondsschließung, die nun ausgeschlossen ist, wäre aus Sicht der Ratingagenturen sicher schlechter.

Die Bafin hatte zuvor gesagt, sie vertraue auf die Stärke Ihrer Eigentümer. Nun müssen sie ohne deren direkte Hilfe auskommen. Wird dies die Bafin akzeptieren?

Die Bafin ist zufrieden, daß es eine Lösung gibt. Wir haben derzeit Fondsanteile im Wert von 200 Millionen Euro im Eigenbestand. Diesen Bestand werden wir ausbauen. Dieser - technisch gesprochen - Vermögensgegenstand bindet Eigenkapital vergleichbar mit einem Kredit, aber mit niedrigerem Risiko. Die Dekabank wird wegen des eingeengteren Eigenkapitalspielraums vielleicht in dem einen oder anderen Bereich nicht mehr so wachsen können wie geplant. Aber dies ist kein Problem. Unsere komfortable Eigenkapitalausstattung setzen wir nun stärker für Immobilienfonds ein.

Braucht die Dekabank eine Kapitalerhöhung?

Wir werden alles tun, um das zu vermeiden. Es wird auch keine Abstriche bei der Dividende geben.

Nur wenige Sparkassen sind derzeit offenbar bereit, Deka-Immobilienfonds in die eigenen Bücher zu nehmen. Denken Sie daran, durch zusätzliche Vertriebsprovisionen den Beratern in den Sparkassen zusätzliche Anreize für den Verkauf Ihrer Fonds zu geben?

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Es wäre grundsätzlich falsch, unsere Verbundpartner nur mit Provisionen zu überzeugen. Dazu sehe ich keine Notwendigkeit, zumal das am Ende nur der Kunde zahlen müßte.

Wie schätzen Sie das Risiko ein, daß Ihre Verbundpartner aufgrund der negativen Presse lieber Fremdprodukte vertreiben, zumal ausländische Anbieter sehr hohe Provisionen zahlen?

Wir haben nach wie vor eine gute Marktstellung: Der Anteil an Fremdfonds, die über unsere Verbundpartner verkauft werden, liegt konstant bei lediglich zehn Prozent. Bei der fondsgebundenen Vermögensverwaltung sind wir Marktführer. Wir glauben sogar, daß wir Kunden zurückgewinnen können.

Wie wollen Sie das machen?

Ganz einfach: Wir müssen mit unseren Produkten überzeugen. Das beste Mittel ist eine gute Wertentwicklung unserer Produkte.

Genau da gab es aber in den vergangenen Monaten erhebliche Kritik an den Deka-Produkten - und zwar nicht nur auf der Immobilienseite, sondern auch bei den Wertpapieren.

Das sehen wir nicht so: Seit Jahresbeginn liegen unsere Flaggschiffe in ihren Vergleichsgruppen auf Platz zwei oder drei. Da wird auch viel Schlechtes über unsere Produkte geredet, das so einfach nicht stimmt.

Zumindest für die vergangenen Jahre aber ist diese Kritik durchaus berechtigt: Nach der Einführung des neuen Investmentprozesses haben die Produkte der Deka-Gruppe massive Schwierigkeiten mit der Wertentwicklung gehabt.

Unser Investmentprozeß wird oft zu Unrecht kritisiert: Wir haben hier in den vergangenen Jahren viel investiert. Der alte Prozeß war historisch gewachsen, dadurch weniger strukturiert und risikoträchtiger - die Technologiehausse hat da vieles übertüncht. Jetzt haben wir einen strukturierten, arbeitsteiligen Prozeß, der unsere Produkte weniger volatil machen wird.

Ein Prozeß, der aber bei der Belegschaft nicht sehr gut angekommen ist - viele Mitarbeiter haben demotiviert das Unternehmen verlassen.

Wir sind ein guter Arbeitgeber, aber nicht für Menschen, die ein anderes System bevorzugen. Wir haben jedem Mitarbeiter die Chance gegeben, herauszufinden, ob ere sich in der neuen Welt wohl fühlt.

Für die Anleger stellte sich aber nicht die Frage, ob sie sich mit dem neuen Investment-Prozeß wohl fühlen, zumal der neue Prozeß ja in einem Ruck eingeführt wurde, anstatt langsam zu wachsen - haben Sie mit dem Geld der Anleger experimentiert?

Nein. Natürlich kann man darüber streiten, ob man die Umstellung eines Investment-Prozesses in einem Ruck oder in kleinen Schritten einführen kann. Sie können aber nicht einfach behaupten, daß sich unsere Fonds ohne den neuen Investment-Prozeß besser entwickelt hätten.

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Hat der Verwaltungsrat am Mittwoch nicht die Frage nach personellen Konsequenzen gestellt?

Nein. Dies wurde gestern nicht diskutiert. Dafür ist der Aufsichtsrat der Deka Immobilien Investment zuständig. Fritz Oelrich ist seit Mai Aufsichtsratsvorsitzender und steht als junger Aufsichtsratsvorsitzender sofort vor großen Herausforderungen. Er hat für die Suche nach einem Nachfolger des ehemaligen Geschäftsführers der Deka Immobilien einen Personalberater engagiert. Wenn sich hier eine gute Persönlichkeit findet und es ein Personalkonzept für die nächsten Jahre gibt, könnte es Veränderungen geben. In diesem Zusammenhang möchte ich das gerne sehen. Denn bislang gibt es keine Verfehlungen der amtierenden Geschäftsführung.

Kann man aber nicht mit Blick auf die Vorkommnisse beim Immobilienskandal von einem Versagen der Kontrollmechanismen sprechen und zumindest hier Konsequenzen fordern?

Wir haben nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe sofort Sonderprüfungen angeordnet und mit der Staatsanwaltschaft kooperiert. Bisher gibt es keine Hinweise darauf, daß es Versäumnisse bei der Kontrolle oder Mängel in der Organisation gab. Wenn jemand außerhalb Ihrer Büroräume - sich mit dem Makler die Gebühr teilt - das können Sie nicht kontrollieren.

Müssen Sie sich persönlich Fehler ankreiden?

Wir wollten in der ganzen Sache Ruhe bewahren, deswegen haben wir uns zu lange an der falschen Stelle in Zurückhaltung geübt. Wir hätten auf die Mittelabflüsse in unserer Öffentlichkeitsarbeit offensiver reagieren sollen.

Das Gespräch führten Hanno Beck, Folker Dries und Hanno Mußler.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2004, Nr. 241 / Seite 25
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