Interview

„Die Hausse geht weiter"

05.04.2004
, 07:10
Der Pioneer Top European Players Fonds findet sich regelmäßig unter den besten Europa-Fonds. Im Interview verrät Fondsmanager Andrew Arbuthnott, welche Aktien er mag und welche ihm nicht gefallen.
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Andrew Arbuthnott managt den Pioneer Top European Players Fonds. Er investiert höchstens in 30 Aktien, allesamt europäische Standardwerte mit einer Marktkapitalisierung von wenigstens zwei Milliarden Euro. Seit 2000 wird der Fonds, der schon 1998 aufgelegt wurde, in Deutschland vertrieben. Seither findet er sich Jahr für Jahr unter den besten zehn Prozent seiner Kategorie. In den vergangenen zwölf Monaten hat er es auf ein Plus von 28,4 Prozent gebracht.

Herr Arbuthnott, ist die Hausse schon vorbei?

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Nein. Europäische Aktien sind auch nach zwölf Monaten Rally noch sehr attraktiv. Das Konjunkturklima ist mild, Zinsen und Inflation sind niedrig - und werden das auch noch einige Zeit bleiben. Und die Börsen sind, gemessen am Kurs-Gewinnverhältnis oder der Dividendenrendite von rund drei Prozent, günstig bewertet.

Wieviel Rendite dürfen Anleger künftig erwarten?

Es gibt keinen Grund anzunehmen, daß sich die Börsengewinne in Zukunft dramatisch von jenen in der Vergangenheit unterscheiden werden. Bei moderatem Wirtschaftswachstum sind mit Aktien sieben bis acht Prozent im Jahr zu verdienen. In der Vergangenheit stammten 60 Prozent dieser Erträge aus Dividenden. Deshalb ist es wichtig, auf Aktien mit hoher Dividendenrendite zu setzen.

Wer bietet besonders viel?

Eindrucksvolle Dividendenrenditen von mehr als vier Prozent zeigen zum Beispiel British American Tobacco, Barclays Bank, Danske Bank, Allied Irish Banks und Eni, die alle in meinem Fonds sind. Das ist eine starke Basis für künftige Gewinne. Vier Prozent sind wirklich viel Rendite, verglichen mit der Verzinsung von Tagesgeldern.

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Von welchen Aktien lassen Sie lieber die Finger?

Von der Informationstechnologie: Ich habe nicht ein einziges Unternehmen dieser Branche im Fonds, obwohl sie in der Benchmark, dem MSCI Europe, mit 5,2 Prozent gewichtet ist.

Warum so vorsichtig?

Das liegt vor allem an der hohe Bewertung der IT-Aktien. Mich interessieren nur Werte, die Qualität zu einem günstigen Preis bieten. Das ist eine Kombination, die Sie unter Technologieaktien nicht antreffen.

Sie bleiben abstinent, auch wenn diese Aktien hervorragend laufen?

Ja, wir wollen nicht kurzfristige Markttrends spielen. Nur weil eine Branche gerade mal steigt, ist das noch kein Grund, sie zu kaufen.

Was macht eine europäische Spitzenaktie aus?

Sie muß attraktiv bewertet sein, hohe Einnahmeüberschüsse erzielen, und das Unternehmen muß hervorragend gemanagt sein. Die Chefs müssen viel Erfahrung mitbringen, sich in der Vergangenheit als kluge Investoren bewährt haben und die Interessen ihrer Aktionäre im Blick haben. Die Firma sollte eine starke Marktposition und damit Preissetzungsmacht besitzen. Eine solide Bilanz und gute Noten von den Ratingagenturen sind selbstverständlich.

Und sie muß im Trend liegen?

Nein, wenn wir eine Aktie finden, die diesen Kriterien genügt, kaufen wir sie. Wir überlegen nicht lange, ob jetzt Konsumwerte laufen oder doch eher Pharmaaktien.

Sind gute Aktien schwer zu finden?

Wenn Sie nur 30 Werte brauchen, ist es nicht so schwer. Sie haben ja das gesamte europäische Anlageuniversum zur Auswahl.

Sie investieren nur in 30 Aktien?

Das ist der ganze Witz unseres Depots: Anders als andere Fonds konzentrieren wir uns auf höchstens 30 Aktien. Wir wählen ganz gezielt aus, und stecken dann richtig viel Geld in die Ideen, von denen wir überzeugt sind. Das gibt uns die Chance, besser abzuschneiden als die Konkurrenz.

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Wie heißen Ihre Favoriten?

Das meiste Kurspotential traue ich BNP Paribas zu. Die französische Bank erzielt eine hohe Eigenkapitalrendite, zahlt eine hübsche Dividende und lockt mit Aktienrückkaufprogrammen.

Wo haben Sie noch investiert?

In CRH, das ist eine irische Baufirma, die international arbeitet, stets hohe Einnahmeüberschüsse präsentiert und das Geld geschickt für Übernahmen eingesetzt hat. Ihr wichtigster Markt ist Nordamerika. CRH ist aber auch in Irland, den Niederlanden, Spanien und Polen tätig.

Was gefällt Ihnen sonst?

Red Elsevier, der niederländische Sachbuchverlag, verbucht stetiges Wachstum, besonders mit seinen Wissenschaftszeitschriften. Aber auch mit Wirtschafts- und Jura-Journalen verdient das Unternehmen gutes Geld. Zudem wird nach einem flauen Jahr das Geschäft mit Lehrbüchern in Nordamerika 2005 wieder wachsen.

Deutsche Aktien zählen nicht zur Spitze?

Doch, Deutschland ist derzeit sogar übergewichtet. Das hat natürlich nichts damit zu tun, daß hier die Wirtschaft so toll liefe. Aber es gibt eine ganze Reihe guter Aktien wie Porsche oder die Deutsche Börse, die wir stark gewichtet haben. Auch Celesio, der europäische Marktführer im Pharmagroßhandel, ist im Depot. Und ich habe in BASF-Aktien investiert.

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Was halten Sie von klassischen stabilen Aktien wie Nestle und Novartis?

Sie finden eine Reihe davon im Depot. Wir besitzen Nestle und British American Tobacco, die langfristig sehr viel zur guten Performance des Fonds beigetragen haben. Novartis halten wir nicht, aber Glaxosmithkline. Die Aktie ist zwar nicht gerade in Mode. Wir haben sie aber jüngst gekauft, denn die Bewertung ist sehr verlockend. Derzeit fehlt das Vertrauen, da für viele Medikamente bald die Patente auslaufen. Wir sind aber überzeugt, daß das Pharmaunternehmen über eine starke Produktpipeline verfügt. Wenn die Medikamente auf den Markt kommen, wird das dem Kurs guttun.

Das Gespräch führte Catherine Hoffmann

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 04.04.2004, Nr. 14 / Seite 43
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