Interview

„Entscheidend ist der richtige Fonds zur richtigen Zeit“

17.06.2005
, 19:10
Ulrich Harmssen, Fondspower.de
Die „Fondslandschaft“ ist in Bewegung. Beim Discountbroker Fondspower sind rund 4.000 Fonds ohne Ausgabeaufschlag zu haben. Geschäftsführer Ulrich Harmssen erläutert im Interview die Eigenarten des Systems und blickt auf den Markt.
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Die „Fondslandschaft“ gerät immer mehr in Bewegung. Auf der einen Seite drängen immer mehr Anbieter auf den Markt, auf der anderen verhalten sich die Anleger immer entschiedener und auch preisbewußter.

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Sie lassen Produkte mit unterdurchschnittlicher Performance immer öfter links liegen. Gleichzeitig vermeiden sie hohe Kosten und investieren lieber in Indexfonds oder in „gute“ Fonds, die günstig zu haben sind.

Unter diesem Aspekt kann sich der Blick auf den Discountbroker Fondspower.de lohnen. Hier sind immerhin rund 4.000 Fonds ohne Ausgabeaufschlag zu haben. Geschäftsführer Ulrich Harmssen erläutert im folgenden Interview die Eigenarten des Systems und blickt auf den Markt.

Fondspower.de - was ist das eigentlich, an wen richtet sich das Angebot und wer steckt dahinter?

Ursprünglich kommen wir aus dem Privatkundengeschäft, haben als Makler früh angefangen und uns aufgestellt. Mit der Zeit haben wir gemerkt, daß das Segment der Kunden, die „beratungsresistent“ sind und gar keine Beratung brauchen und wünschen von Bedeutung ist und deutlich wächst. Aus diesem Grund haben wir mit Fondspower eine Möglichkeit initiiert, bei der Kunden, die keine Beratung brauchen, ihre Fondsanteile sehr günstig kaufen können.

Fondspower ist also eine Art Direktbank für Fondsanteile?

Ja, das könnte man so bezeichnen. Wir vermitteln als Zwischenstelle ein Depot bei der Fondsplattform Ebase, bei der Privatkunden direkt normalerweise keinen Zugang haben.

Das heißt, ich als Privatkunde könnte bei Ihnen ein Depot eröffnen?

Genau, ein Depot, in dem Sie alle möglichen Fonds verwalten können.

Welche Vorteile habe ich dadurch, im Vergleich zu Direktbanken oder anderen Anbietern?

Wir haben den Vorteil, daß wir eine sehr große Fondspalette anbieten. Außerdem haben wir als Vorteil, daß wir Dauertiefpreise bieten. Wir bieten günstige Preise nicht nur zeitlich begrenzt an, sondern dauerhaft. Wir haben sehr moderate Einstiegssummen - Sie können schon ab 50 Euro einen Fondssparplan einrichten und mit Einmalanlagen ab 500 Euro beginnen. Ich denke wir haben außerdem eine sehr attraktive Depotgebühr, die nur 36 Euro pro Jahr beträgt. Sie fällt für Kunden, die bis Ende des Monats ein Depot eröffnen, komplett weg.

Ist das eine Art von „Flat-Rate“?

Ja. Wenn Sie einen Fonds ohne Ausgabeaufschlag kaufen oder später wieder verkaufen, so kostet das - abgesehen von der genannten Jahresgebühr - nichts. Lediglich der Tausch von einem Fonds in den anderen führt zu einer Tauschgebühr von 25 Euro, die Sie durch einen Verkauf und Kauf umgehen können.

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Wie verdienen Sie dann Geld?

Sie wissen, daß die Fonds in der Regel eine Verwaltungsvergütung haben, die liegt bei Aktienfonds zwischen 1,5 und 1,8 Prozent. Wir erhalten daraus eine so genannte Bestandspflegeprovision, die zwischen 0,3 und 0,5 Prozent per anno beträgt. Das ist ein reines Mengengeschäft. Wir verdienen an den Ausgabeaufschlägen nichts mehr, sondern an der Provision, aber auch dann nur, wenn wir die entsprechenden Depots haben. Wir gehen jedoch davon aus, daß wir ein singuläres, vor allem auch attraktives Angebot haben.

Wie wird es denn angenommen?

Die ersten Tage zeigen, daß es sehr gut angenommen wird. Wir haben im Moment jeden Tag etwa 60 Anfragen. Man kann sagen, daß ungefähr 15 Prozent der Kunden, die sich hier melden und informieren, anschließend auch ein Depot eröffnen.

Fondspower wird neben dem ursprünglichen Maklerpool her betrieben?

Der Pool ist nach wie vor da, Fondspower ist gewissermaßen ein Ableger davon. Das ist nur der direkte Zugang zu Kunden, die keine direkte Beratung wollen. Bisher ist das Volumen im Vergleich mit dem Maklerpool noch von geringerer Bedeutung, wir gehen jedoch davon aus, daß wir bis Ende des Jahres vergleichbare Volumina erreichen werden.

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Wie läßt sich die Verschiebung erklären?

Wir sehen eine Informationsflut. Wir haben unglaublich viele Finanzmagazine und die Kunden können sich gleichzeitig umfassend über Produkte und Märkte via Internet informieren. Sie tun dies auch, haben gleichzeitig aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre gelernt - wo sie unter Umständen von ihren Beratern in die Baisse „hineingeritten“ wurden und nicht rechtzeitig ausgestiegen sind - und sind so insgesamt schlauer geworden. Viele treffen ihre Anlageentscheidungen nun lieber alleine.

Das heißt, der Trend geht weg von Maklern und Maklerpools hin zur Direktanlage?

Vermögende Kunden begreifen mehr und mehr, daß sie sich durch die regelmäßige Lektüre von Zeitungen und Zeitschriften et cetera selbst informieren und weiterbilden können. Dann können sie auch das wichtigste selber erledigen, nämlich die Bildung der so genannten Asset Allocation. Es ist im Prinzip relativ unwichtig, welchen Fonds sie wählen. Entscheidend ist, in der richtigen Phase im richtigen Markt zu sein und dabei die eigene Risikopräferenz zu berücksichtigen.

Machen die Kunden das?

Wir sehen an den Depots, daß sich die Kunden ihre Gedanken gemacht haben. Wir sehen zur Zeit eine deutliche Untergewichtung der amerikanischen Märkte, eine deutliche Übergewichtung in Europa und eine relativ hohe Gewichtung der Schwellenländer. Im Branchenfokus liegen die Schwerpunkte im Bereich Energie und Rohstoffe. Im Moment kommt gerade die Biotechnologie wieder etwas in Mode. Man sieht daran, daß die Kunden noch etwas zyklisch agieren, aber deutlich intelligenter, als noch vor wenigen Jahren.

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Das heißt, „buy and hold“ ist Vergangenheit?

Ja, die Kunden sind aktiver geworden. Sie orientieren sich am Momentum und hängen sich gerne an Trends an, informieren sich ständig und steigen auch relativ rechtzeitig wieder aus. Das können wir an den Kunden-Logins ablesen.

Habe ich die Möglichkeit, Absicherungsstrategien zu implementieren?

Ja, sie können Limits setzen, bei denen Sie kostenlos per Email informiert werden, sobald sie erreicht werden. Allerdings kommt es nicht zu einer automatischen Umsetzung. Käufe und Verkäufe müssen die Kunden dann selbst ausführen.

Ihre aktuell laufende Kampagne mit Dauertiefpreisen - ist das nicht die Flucht nach vorne, da immer mehr Anleger auf günstige Indexfonds oder auf börsengehandelte Produkte setzen?

Was den Börsenhandel angeht, sehe ich die Konkurrenz nicht unbedingt. Denn die Spreads zwischen Ankaufs- und Verkaufskursen sind an den Börsen noch relativ groß. Indexfonds sind eine starke Konkurrenz für jene Produkte, die unterdurchschnittlich abschneiden. Es gibt allerdings eine Reihe von Fonds, die nachhaltig besser als der Markt abschneiden - und die können Sie bei uns kaufen.

Können Sie das tatsächlich beobachten?

Ja, 60 bis 70 Prozent der in den Depots liegenden Fonds gehören zu den „guten“. Das und gelegentliche Gespräche mit Kunden zeigen, daß sie sehr gut informiert sind und die vielfältigen Informationsmöglichkeiten auch nutzen.

Sie sprachen die Spreads an den Börsen an, gibt es die bei Fondspower nicht?

Nein, bei uns können sie zu den von den Fondsgesellschaften täglich festgelegten Kursen direkt handeln. Das so genannte „Forward-Pricing“, bei dem die Gesellschaften starke Bewegungen am Markt in ihren Preisen nachvollziehen, verhindert Arbitragemöglichkeiten, die noch vor wenigen Monaten möglich waren.

Sind Sie auch selbst am Markt - und wie würden Sie ihn im Moment einschätzen?

Wir betreuen eigene Dachfonds und haben mit dem Fonds Select Systematic in diesem Jahr etwa zwölf Prozent gemacht. Wir haben ein Absolut-Return-Konzept und sind absolut frei in unserer Ausrichtung. Im Moment sind wir sehr skeptisch und haben eine sehr hohe „Cash-Quote“. Wir haben in den vergangenen Wochen nette Gewinne gemacht, gehen nun aber langsam heraus. Denn es kommt uns etwas spanisch vor, was da passiert. Wir halten die Dollaraufwertung für temporär.

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Ich denke, daß die Schwellenländer langfristig ein Thema bleiben werden. Gleichzeitig ist Europa deutlich günstiger bewertet als Amerika. Aber ich sehe auch viele „Blasen“, unter anderem in den Anleihe- und den Immobilienmärkten. Auch mit Blick auf die horrenden Defizite in Amerika muß man aufpassen. Es ist jeder gut beraten, seine Positionen im Blick zu halten, mit Stop-Loss-Limits zu arbeiten und diese auch konsequent einzuhalten. Wir arbeiten stark nach quantitativen Vorgaben und versuchen das Bauchgefühl auszuschalten.

Wo haben sie in jüngster Zeit Gewinne mitgenommen?

In der Türkei und im europäischen Immobiliensektor und wir werden demnächst wohl im Bereich Energie beginnen, Gewinne mitzunehmen. Das heißt allerdings nicht gleich, daß wir die Positionen gleich glattstellen, sondern wir gehen dynamisch vor. Wir versuchen relativ früh hereinzukommen und wieder relativ früh herauszugehen. Denn sonst werden wir zu zyklisch.

Wie viele Mittel verwalten Sie?

Im Moment sind es etwa 28 Millionen Euro.

In den vergangenen Tagen war zu lesen, sie versuchten, ihren Maklerpool zu verkaufen. Stimmt das?

Ja, ich habe immer weniger Lust, mich mit dem Vertrieb zu beschäftigen. Im Moment ist der Markt allerdings sehr schwierig. Ich stehe aber nicht unter Zugzwang und kann mir sich bietende Möglichkeiten in aller Ruhe ansehen.

Was macht diesen „Makler-Markt“ denn so schwierig?

Es gibt einen fürchterlichen Verdrängungswettbewerb und es gibt nicht mehr viel zu verdienen.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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