Interview

„Entwicklung bei Minenwerten ähnelt der Dot.com-Blase“

15.12.2004
, 10:02
A. Deden und S. Corrigan von Sage Capital
Wer möglichst schnell möglichst ohne Aufwand möglichst reich werden will liegt beim Edelweiss Fund falsch. Er baut mit großem Erfolg auf reale Werte. Fondsmanager Anthony Deden und Investmentstratege Sean Corrigan im Interview.
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Viele professionelle Börsianer und Anleger neigen zum Optimismus. Sie rechnen mit und bauen auf steigende Umsätze und Gewinne bei Unternehmen, die die Kurse der Aktien immer weiter nach oben treiben würden. Manche von ihnen beschäftigen sich nicht einmal mit den fundamentalen Daten, sondern setzen einfach nur auf entstehende Trends. So kaufen sie manchmal völlig überteuerte Papiere und hoffen, sie später mit Gewinn an einen anderen „Dummen“ verkaufen zu können.

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Gerade das Gegenteil macht der Edelweiss Fund von Sage Capital. Sein Ziel besteht in erster Linie darin, das Kapital der Anleger real zu steigern oder zumindest zu erhalten. FAZ.NET unterhielt sich mit Fondsmanager Anthony Deden und dem Investmentstrategen Sean Corrigan. Obwohl sie höchst konservativ anlegen, konnten sie das Kapital seit der Auflage des Fonds vor genau drei Jahren um 70 Prozent oder 19,3 Prozent pro Jahr steigern.

Sie hatten bisher eine wunderbare Performance, obwohl ihre Anlagephilosophie zumindest in den Augen der Wall Street als etwas seltsam bezeichnet werden könnte. Was sagen Sie dazu, Herr Deden?

Ich halte es nicht für eigentümlich, sondern für realistisch. Denn wir gehen mit den Ersparnissen und zum Teil mit dem Altersgeld unserer Kunden um. Sie wollen nicht, daß wir damit fahrlässig herumspielen.

Was heißt das?

Für uns ist die Geldanlage vergleichbar mit unternehmerischer Tätigkeit. Wir kaufen Vermögenswerte dann, wenn sie niemand haben will, vorausgesetzt es gibt sinnvolle Gelegenheiten. Ich glaube nicht, daß man mit der Geldanlage zehn bis 15 Prozent Rendite pro Jahr verdienen kann, wie es die Banken gerne versprechen. Sondern manchmal verdient man viel, manchmal wenig - das wichtigste ist jedoch, möglichst nie etwas zu verlieren.

Das Risiko spielt also eine Rolle?

Ja, es kommt nicht so sehr darauf an, welche Rendite man erzielt, sondern welche Risiken man dafür eingehen muß. So schauen wir, was wir erreichen können ohne Kredite aufzunehmen, ohne derivative Produkte einzusetzen und ohne zu großen Unwägbarkeiten zu begegnen. Die meisten Leute denken, je größer das Risiko ist, das sie eingehen, desto größer wird auch die Rendite sein. Ich halte das für völlig falsch.

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So glauben Sie nicht an die Portfoliotheorie?

Überhaupt nicht. Risiko ist in meinen Augen, nicht zu wissen was man tut. Ein Unternehmer mag in den Augen Außenstehender Risiken eingehen. Er weiß jedoch genau, was er tut und welche Risiken er eingeht, da er sich in seinem Metier auskennt.

Wie gehen Sie vor?

Man kann sagen, unsere Portfolios sehen aus wie eine Kunstsammlung. Wir kaufen wertvolle Anlagen, wann immer wir sie finden können. Wir nehmen uns dazu allerdings Zeit und spekulieren nicht um der Spekulation willen. Manchmal ist Nichtstun die beste Entscheidung.

Tun Sie etwas zur Zeit?

Ich denke, der im Jahr 2000 begonnene Grundsatztrend hält immer noch an. Er besteht im wesentlichen in der Umschichtung von Papiergeld in physische Produkte. Sei es im Energie-, Rohstoff- oder im Immobilienbereich. Nachdem wir im Jahr 2000 darauf gesetzt haben, bleiben wir dabei. Bisher haben wir nett davon profitiert.

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Das heißt, Sie haben Energie-, Gold- und Rohstoffaktien erworden?

Wir haben von all dem etwas im Depot. Grundsätzlich zielen wir jedoch auf die Bodenschätze und haben Minenwerte in Kanada, Norwegen und den Vereinigten Staaten erworben. Wir meiden die politischen Risiken, welchen multinationale Unternehmen ausgesetzt sind. Das Problem besteht darin, daß die meisten Minenwerte Zeit- und Geldverschwendung sind. Viele erzielen selbst unter den günstigsten Bedingungen keine angemessene Rendite.

Wie unterscheiden Sie die guten von den schlechten?

Wir haben Gold und Minenwerte gekauft, als sie niemand haben wollte. Newmont Mining zum Beispiel unter 20 Dollar. Grundsätzlich ist es ein schwieriges Geschäft und man muß die Leute kennen, die hinter den Firmen stehen. Ich denke, die Tatsache, daß jetzt soviel Geld in diesen Bereich fließt, ähnelt der „Dot.com-Kursblase“. Wir halten unsere Positionen allenfalls und bauen sie nicht weiter aus. Ich denke, in nächster Zeit bietet Gold selbst eine bessere Perspektive, nicht nur in Dollar, sondern auch in Euro gerechnet.

Das heißt, der Dollar wird weiter fallen?

Nicht unbedingt heute oder morgen, aber über die kommenden drei Jahre wird er deutlich tiefer gehen. Nicht nur gegen andere Währungen, sondern auch gegen physische Gegenstände.

Das ist doch ein Zeichen von Inflation?

Inflation ist in unseren Augen die Zunahme der Geldmenge. Steigende Preise - sei es bei Gütern, Rohstoffen, Wertpapieren oder Immobilien - können ein indirektes Anzeichen dafür sein, denn das Geld wird irgendwo hinfließen. Da die Inflation - nicht gemessen an den verzerrten Indikatoren wie sie regelmäßig veröffentlicht werden - unsere wichtigste Benchmark ist, achten wir auf solche Entwicklungen und versuchen uns dagegen zu schützen.

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Was erwarten Sie von der näheren Zukunft?

Es ist schwierig, Prognosen zu machen, denn viele Faktoren spielen eine Rolle. Wir rechnen allerdings mit zunehmender Volatilität und verzweifelten Bedingungen. Zur Entwicklung der Indizes kann ich nichts sagen, denn sie interessieren uns nicht. Wir beschäftigen uns nur mit den Märkten, um zu finden, was wir wollen. Im Moment sehen wir so gut wie keine günstigen Gelegenheiten, wohin man auch blicken mag. So tun wir nichts und halten an den Werten fest, die wir bisher gefunden haben. Grundsätzlich ist es nicht entscheidend, viele Ideen zu haben, sondern wenige sehr gute. In manchen Jahren kaufen wir gerade einmal die Aktien zweier Unternehmen und nicht mehr. Broker können an uns also nicht viel verdienen.

Investieren Sie nur in Aktien oder geht es auch in Richtung Private Equity - und können Sie ein paar Beispiele nennen?

Wir investieren ausschließlich in börsengehandelte Werte. Es ist nicht nur eine Frage der Liquidität, sondern wir wollen auch die Möglichkeit haben, aussteigen zu können, wenn wir uns einmal irren. Das gehört dazu. In jüngster Zeit haben wir beispielsweise gegen den Trend und gegen die Marktmeinung Aktien von Rhodia gekauft. Das wird sicherlich keine Langzeitinvestition sein, aber die Lage scheint übertrieben zu sein. Andere Beispiele sind Yara in Norwegen, Belimo, Orell Füssli und Precious Woods in der Schweiz, Flughafen Wien und Semperit in Österreich und Imperial Oil in Kanada. Wenn ich nur eine einzige Aktie kaufen dürfte, dann wäre es diese. In der jüngeren Vergangenheit wurden wir vor allem bei kleineren und mittleren Unternehmen fündig.

In welche „Ecke“ könnte sich nach Ihrer Meinung ein neuer, fundamentaler Trend abzeichnen?

Im Nahrungsmittelbereich. Bis noch vor kurzem hatten die Unternehmen der Branche Schwierigkeiten, Preiserhöhungen durchzusetzen. Das könnte sich allerdings in Zukunft ändern. Es gibt in diesem Bereich nur sehr begrenzte Produktionskapazitäten, die vor allem in Asien auf rasch zunehmende Nachfrage treffen könnten. Gleichzeitig sind viele landwirtschaftliche Güter im meinen Augen zum Teil massiv unterbewertet.

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Wer sind Ihre Kunden?

Vor allem größere Familienvermögen. Wir haben den Edelweiss Fund gegründet, um auch Leuten mit etwas weniger Geld Gelegenheit zu geben, an unseren Ideen teilzuhaben. Wir wollen keine große Firma daraus machen, machen keine Werbung und verdienen auch kein Geld am Geld unserer Kunden. Das wichtigste überhaupt ist die Vermeidung von Interessenkonflikten. Zu viele Leute wollen möglichst ohne Arbeit schnell reich werden.

Zum makroökonomischen Hintergrund, Herr Corrigan, wie geht es mit dem Dollar weiter?

Unter den gegenwärtigen Bedingungen kann er nur weiter nach unten gehen. Die Ungleichgewichte - Leistungsbilanzdefizit, Verschuldung, Überkonsum, nachlassender Zustrom ausländischer Gelder - deuten darauf hin, daß die amerikanische Wirtschaft in einer deutlich schwächeren Verfassung ist, als traditionelle Analysen zeigen.

Grundsätzlich haben zu viele Parteien zu viele Dollars. Fakt ist auch, daß ein fallender Dollar alleine die vorherrschenden Ungleichgewichte nicht abbauen wird, so lange in Amerika nicht mehr gespart wird. Aus diesem Grund müßte die Geldmenge deutlich verringert werden. Die amerikanische Zentralbank wird aber nicht den Immobilienmarkt und die Banken gefährden wollen. Gleichzeitig war die amerikanische Regierung mit ihrer Verschuldungspolitik äußerst unverantwortlich und sie dürfte ihre Verhalten kaum ändern.

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Zeichnet sich deswegen nicht eine Krise ab?

Die Amerikaner müssen mehr sparen und die asiatischen Staaten dürften früher oder später ihre Währungsreserven besser als bisher verwenden wollen. Wenn beides gleichzeitig passieren würde, könnte der Anpassungsprozeß in geordneten Bahnen verlaufen. Da das nicht absehbar ist, dürften Turbulenzen wie zum Ende des Bretton Woods Systems der festen Wechselkurse nicht ausgeschlossen sein. Grundsätzlich liegt das Problem der verzerrten Zins- und Wechselkurse und der deutlich überzogenen amerikanischen Geldmenge darin, daß Finanzmittel in die falschen Branchen und auch in die falschen Regionen gezogen werden und dort zu Überkapazitäten führen, die später wieder abgebaut oder angepaßt werden müssen.

Das heißt, unabhängig von statistischen Inflationsindikatoren müßten die Notenbanken an sich eine überzogene Geldmenge reduzieren um das Kreditangebot zu verknappen?

Ja - und ich denke, immer mehr Zentralbanken sehen das ähnlich.

Auch die amerikanische Fed?

Nein, nicht die Fed. Sie ist ein inhärent inflationistisches Institut.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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