Interview

„Es gibt noch viele interessante kleinere Goldminen-Aktien"

19.11.2004
, 19:32
Sieht die Edelmetallpreise weiter im Aufwärtstrend: Goldfondsmanager Markus Bachmann
Viele große Goldminen sind zwar schon hoch bewertet, aber bei den Nebenwerten finden sich noch Schnäppchen. Zumindest glaubt das Markus Bachmann, dessen Craton Capital Precious Metal Fund die Konkurrenz zuletzt abgehängt hat.

Der Goldpreis ist zuletzt auf ein neues Jahreshoch gestiegen. Doch die Goldfonds haben von dieser robusten Entwicklung nicht profitiert. Praktisch alle notieren in diesem Jahr bisher im Minus.

Besser sieht die Bilanz aber im Halbjahresvergleich aus. Da weisen fast alle deutliche Gewinne aus. Am besten schneidet mit Plus 34 Prozent ein Neuling ab. Gemeint ist damit der Craton Capital Precious Metal Fund, den es erst seit fast genau einem Jahr gibt.

Geleitet wird der Fonds mit Markus Bachmann und Joachim Berlenbach (beide sitzen in Südafrika und haben Craton Capital gegründet) von zwei sehr erfahrenen Fondsmanagern, die schon des öfteren für ihre überzeugenden Leistungen ausgezeichnet wurden.

Nachdem sich die gute Bilanz auch mit dem neuen Fonds fortzusetzen scheint, und der hohe Goldpreis eine Steilvorlage abgeliefert hat, haben wir Markus Bachmann zu den weiteren Aussichten am Goldmarkt befragt.


Herr Bachmann, wie entwickeln sich die Geschäfte für einen „Newcomer“ wie es der von Ihnen angebotene Fonds ist?

Die Geschäfte laufen gut. Craton Capital haben wir zwar erst vor 18 Monaten gegründet, Joachim Berlenbach und ich bringen aber bereits eine Menge Erfahrung als Analysten und Fondsmanager mit. Wir können mit sehr guten „Track records“ aufwarten und haben deshalb kein Problem, uns Gehör zu verschaffen. Ein Beleg für die positive Resonanz ist die Entwicklung der Fondsmittel. Diese sind von zwei Millionen Dollar, die wir selbst eingebracht haben, auf inzwischen rund 16 Millionen Dollar gestiegen.

Die Performance Ihres Fonds in den vergangenen Monaten kann sich sehen lassen. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Wir sind absolute Value-Investoren und agieren sehr konservativ. So kaufen wir in der Regel nur dann, wenn eine Aktie deutlich unter ihrem Nettoinventarwert gehandelt wird. So weisen unsere Positionen beim Kauf oft einen Abschlag von 40 bis 50 Prozent zum Nettoinventarwert auf. Viele große Minenaktien werden dagegen nicht selten sogar mit einem Aufschlag zum inneren Wert gehandelt.

Außerdem bilden wir anders als viele Wettbewerber keinen Index nach, sondern betätigen uns als „Stockpicker“. Wir konzentrieren uns dabei auf kleinere und mittlere Titel, weil wir hier bessere Chancen sehen, unterbewertete Titel zu finden. Große Werte wie Newmont Mining werden von vielen Analysten beobachtet. Hier ist es kaum möglich, sich einen Vorsprung zu erarbeiten. Auch ist nicht damit zu rechnen, daß sich so ein Unternehmen schnell einmal im Kurs verdoppelt. Zumal aus unserer Sicht viele der großen Goldminenaktien derzeit etwas überbewertet sind.

Bei den Nebenwerten finden wir in Ländern wie Australien, Kanada oder Amerika dagegen noch immer viele interessante Titel. Bei der Analyse dieser Titel gehen wir im übrigen sehr in die Tiefe. Am besten gefallen uns dabei weniger Explorationswerte als vielmehr Titel, die bereits ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt haben.

Welche Einzeltitel haben zuletzt Ihren Bewertungstest bestanden?

Normalerweise sprechen wir nicht über einzelne Positionen, weil wir den Markt nicht bewegen wollen. In unserem Portfolio befinden sich aber beispielsweise die Unternehmen Gallery Gold und Bolivar Gold. Diese Aktien sind zwar zuletzt schon stark gestiegen, bei beiden Werten sehen wir aber auch weiterhin Chancen.

Der Goldpreis ist zuletzt auf den höchsten Stand seit 1988 gestiegen. Trauen Sie der Feinunze weitere Aufschläge zu?

Grundsätzlich sind wir weiterhin positiv gestimmt. Denn nach unserer Interpretation befinden sich die Edelmetalle in einem mehrjährigen Aufwärtstrend. Getrieben werden die Preis dabei vom schwachen Dollar, eine Überbewertung anderer Assets, neuen Gold-Anlageprodukten und einer gesunkenen Goldproduktion.

Zum Verständnis für unsere Vorgehensweise sei aber noch gesagt, daß unsere Beurteilung von Goldaktien auf einem langfristigen Goldpreis von 400 Dollar je Feinunze basiert. Die absolute Höhe des Goldpreises ist somit für unsere Kauf- und Verkaufsentscheidungen weniger wichtig.

Das Gespräch führte Jürgen Büttner

Quelle: @JüB
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