Interview

„Hedge Fonds sind nicht undurchsichtiger als Banken“

12.07.2003
, 20:00
Urs Spörri kennt sich mit Hedge Fonds aus
Hedge Fonds sind eher berüchtigt als berühmt und kommen nur langsam in Mode. Im folgenden Interview beseitigt Urs Spörri von der britischen Man-Group einige Vorurteile. Er ist Mitglied des Management Committees.

Hedge Fonds waren in der Vergangenheit eher berüchtigt als beliebt. Spektakuläre Ereignisse wie das Sprengen des europäischen Wechselkursmechanismus durch George Soros oder die Pleite von LTCM dürften neben der Undurchsichtigkeit des Geschäfts dazu beigetragen haben.

Erst in den vergangenen Monaten hat sich das Bild gewandelt. Nun rücken immer mehr die Vorteile oder zumindest die Vermeintlichen in den Vordergrund. Ab dem kommenden Jahren sollen sie nun sogar in Deutschland zugelassen werden.

Im folgenden Interview beseitigt Urs Spörri von der britischen Man-Group einige Vorurteile. Er ist Mitglied des Management Committees.

Herr Spörri, auch deutsche Privatanleger dürfen bald in Hedgefonds investieren - wie gefährlich ist das Geschäft?

Hedgefonds sind eine komplexe Materie mit vielen Risiken, und es gibt natürlich auch Verlierer. Gute Fachleute können diese Risiken aber eliminieren. Ich habe in meinem Leben mehr Geld mit Aktien als mit Hedgefonds verloren.

Sind sie als Anbieter von Hedge-Fund-of-Funds besser als der „normale“ Fondsmanager?

Im traditionellen Investmentgeschäft gilt es, eine Benchmark zu schlagen. Wenn der Stoxx 50 um 20 Prozent fällt und der Fondsmanager nur 15 Prozent verliert, dann hat er einen guten Job gemacht.

Und bei Ihnen?

Wir haben beispielsweise einen Kunden aus der Versicherungswirtschaft, dem wir immer, egal wie der Markt sich entwickelt, eine Rendite von acht Prozent liefern müssen. Das ist eine absolute Rendite und der grundlegende Unterschied.

Intransparent wie die Branche ist, werden Sie ihre Strategie nicht erläutern?

Die Hedgefonds sind auch nicht intransparenter als andere Anbieter. Die Handelsabteilungen der großen Banken werden Ihnen auch nicht verraten, welche Trades sie gemacht haben - zumal diese Information im Nachhinein ja auch wertlos ist. Und auch bei den Banken haben Sie keine Transparenz der Handelsbestände oder des Kreditengagements.

Ist es wirklich so einfach?

Es ist gefährlich, wenn der Markt weiß, wie ein Hedgefonds positioniert ist. Dies ist einer der Gründe, weshalb der amerikanische Fonds LTCM Probleme bekam. Der Hedgefonds mußte Positionen liquidieren und zwar dieselben Positionen wie Investmentbanken, die die Strategie von LTCM kopiert hatten. Man sieht: Transparenz schadet ab einem gewissen Punkt.

Wieso haben Hedgefonds diesen umstrittenen Ruf?

Ich verstehe es auch nicht. Jeder Aktionär der Deutschen Bank hat im Prinzip in einen Hedgefonds investiert.

Bitte?

Die Banken operieren mit einem Eigenkapital von acht bis zehn Prozent. Der Rest ist geborgt. Das ist purer Leverage.

Gibt es eine kritische Größe für Hedgefonds?

Alle erfolgreichen Hedgefonds-Manager schließen ab einer gewissen Größe und verzichten auf zusätzliche Gebühreneinnahmen. Ist der Fonds zu groß, verliert der Manager seine Beweglichkeit.

Haben die erfolgreichen Hedgefonds Interesse an den Spargroschen der Privatanleger. Wollen sie überhaupt in einem Publikums-Dachfonds auftauchen?

Das ist eine schwierige Frage. Prinzipiell ist der Hedgefonds an stabilen Geldzuflüssen interessiert. Und das bieten eben die institutionellen Investoren mit einem Anlagehorizont von 15 Jahren. Im Retailgeschäft kann sich bei entsprechenden Marktbewegungen innerhalb von sechs Monaten alles verändern. Die Fluktuation der Anlagegelder ist größer.

Warum fehlt es vielen Pensionskassen an Mut, in Hedgefonds zu investieren?

Es gibt das Reputationsrisiko. Verliert ein Fondsmanager mit dem Dax 20 Prozent - dann wird das akzeptiert. Büßt ein Hedgefonds 20 Prozent ein, dann ist der Pensionskassenmanager seinen Job los.

Das Gespräch führte Markus Zydra

Quelle: @cri
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot