Interview

Hymer: „Wir wollen weiter wachsen“

13.07.2005
, 16:43
Hans-Jürgen Burkert, Vorstand von Hymer
Das Geschäft mit Reisemobilen scheint nicht schlecht zu laufen. Hymer konnte Umsatz und Ertrag in den vergangenen Jahren steigern, die Aktie legte zu. Vorstand Hans-Jürgen Burkert blickt im Interview optimistisch nach vorne.
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Die Konsumneigung in Kerneuropa ist eher verhalten. Viele Einzelhändler klagen über den trägen Geschäftsverlauf. Anders scheint es dagegen im Reise- und Freizeitbereich auszusehen. Das zeigt sich unter anderem an der Umsatz- und Ertragsentwicklung des Wohnmobilherstellers Hymer. Sie zeigt schon seit Jahren im Trend nach oben.

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Auch die Kursentwicklung der Aktie des Unternehmens kann sich sehen lassen. Das Papier hat seit einem Zwischentief bei 21 Euro im Oktober des Jahres 2002 etwas mehr als 300 Prozent zugelegt. Die Aktie ist noch günstig bewertet und der Trend zeigt weiterhin nach oben. Auch die fundamentalen Zeichen für weitere Kursgewinne scheinen nicht schlecht zu sein. Denn das profitable Wachstum des Unternehmens hält an. Davon ist Vorstand Hans-Jürgen Burkert im folgenden Interview überzeugt.

Ihre Aktie hat sich in den vergangenen Monaten prächtig entwickelt. Wie können Sie sich das erklären?

Der Hintergrund ist einmal, daß wir unter der Berücksichtigung der allgemeinen Wirtschaftslage nicht klagen können. Unser Geschäft hat sich seit Jahren gut entwickelt. Für dieses Jahr haben wir vor kurzem eine Ad-hoc-Meldung herausgegeben, die besagt, daß die Ertragsentwicklung im Rahmen der Erwartungen ausfallen wird. Der Umsatz wird nicht so stark zunehmen wie im vergangenen Jahr, allerdings war das auch sehr gut.

S-Klasse von Hymer
S-Klasse von Hymer Bild: Hymer

Wie sehen die weiteren Perspektiven aus?

Hymer die Absicht, zusammen mit einem Unternehmen der Hymer-Gruppe, das aber nicht zum Konzern gehört, mit Dethleffs, in Ostdeutschland ein Werk gemeinsam zu kaufen. Der Vertrag ist allerdings noch nicht vollzogen. Außerdem planen wir eine neue Montagehalle mit extremen Dimensionen in Bad Waldsee. Wir befanden uns mit den Gewerkschaften in Verhandlungen über eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 38 Stunden. Die sind allerdings gescheitert. Inzwischen sind wir dazu übergegangen, Verträge mit den einzelnen Mitarbeitern abzuschließen, die eine Mehrarbeit von 135 Stunden im Jahr vorsehen. Als Ausgleicht gibt es eine Erfolgsbeteiligung, die in gleicher Höhe an alle Mitarbeiter ausgeschüttet wird, die dabei mitmachen. Das Interesse daran ist sehr groß und wir haben das Ziel, daß alle Mitarbeiter sich dem Modell anschließen. Die Beteiligung gab es in den vergangenen beiden Jahren schon.

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Hintergrund ist die Absicht, die Kosten zu senken?

Ja. Der Betriebsrat hat das gebilligt, aber die Gewerkschaft nicht. Sie kritisiert uns zur Zeit massiv.

Insgesamt scheinen Sie optimistisch auf die weitere Entwicklung des Marktes zu blicken?

Ja, das tun wir.

Wie ist das möglich? Viele Firmen klagen doch gerade auch über die Lage im Inland?

Im Inland klagen wir auch etwas. Zwar auf hohem Niveau, aber wir klagen. Im Export dagegen läuft es nach wie vor sehr gut und über 60 Prozent unserer Produkte gehen in den Export.

Welches sind Ihre Hauptmärkte?

Wir sind ein typischer Reisemobilhersteller. Neben Deutschland sind die Hauptmärkte in dieser Reihenfolge Frankreich, England und Italien und dann verteilt es sich relativ gleichmäßig auf die europäischen Länder.

Es gibt andere Unternehmen der Branche wie etwa Trigano, die sich in der jüngeren Vergangenheit etwas vorsichtiger geäußert haben. Was sagen Sie dazu?

Wir haben uns immer auf den Premiumbereich konzentriert. Unsere Philosophie bestand nicht in der Massenproduktion. Wir bauen deutlich weniger Reisemobile wie die Trigano-Gruppe, haben jedoch zumindest im vergangenen Jahr einen höheren Umsatz gehabt. Das heißt, wir sind profitabler und den Weg wollen wir weiterhin gehen. Über den Betrieb im Osten wollen wir auch in den Bereich der günstigeren Fahrzeuge gehen, die wollen wir allerdings nicht unter dem Namen Hymer anbieten.

Ist das so eine Art „Low-Cost-Strategie“?

Ja absolut. Ein Teil der italienischen Hersteller drängt auf den deutschen Markt mit sehr billigen Produkten und dem wollen wir Paroli bieten.

Besteht sonst die Gefahr, daß sie Ihnen Marktanteile abnehmen?

Ja, zumindest in dem sehr billigen Preissegment. Man kann die Entwicklung in etwa mit dem Automobilbereich vergleichen, wo immer mehr billige Fahrzeuge wie der Fox auf den Markt kommen. Haben Einsteiger früher gebrauchte Fahrzeuge erworben, so kaufen sie heute für das gleiche Geld Neufahrzeuge. Und die kommen beinahe ausschließlich aus Italien. Dem wollen wir begegnen.

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Sie sehen nicht die Gefahr, daß die gesamte Preisstruktur nach unten rutscht?

Nein. Deswegen werden wir diese Fahrzeuge eindeutig unterhalb der Marke Hymer positionieren und nicht unter diesem Namen verkaufen.

Sie bieten neben Ihren Kernprodukten auch eine ganze Palette von Nebenprodukten an wie Internetzugänge et cetera. Sind das neue Geschäftsfelder oder dienen sie dazu, die Marke zu pflegen?

Nur um die Marke zu pflegen. Angebote wie die Hymercard oder Hymerreisen sind keine Geschäftsfelder, sondern Marketingaktivitäten. Sie sollen Kunden binden oder neue Kunden erschließen.

Gilt das auch für die Finanzierungsangebote?

Ja, wir arbeiten zusammen mit der CC-Bank. Wir haben festgestellt, daß die Kunden sich lieber von Hymer finanzieren lassen, als von ihr. Auch wenn sie dahintersteht. Hymerkunden sind zwar dafür bekannt, daß sie normalerweise das Geld zum Kauf von Reisemobilen haben. Aber es gibt jedoch auch den einen oder anderen, dem wir auf dieser Weise den Einstieg möglich machen wollen.

Wenn man sich die Umsatz- und Gewinnentwicklung Ihres Unternehmens in den vergangenen Jahren betrachtet, so zeigen beide im Trend schön nach oben. Sie haben keine Bedenken, daß sich das einmal ändern könnte?

Nein. Wir planen derzeit neue Investitionen, die nicht nur die Kapazitäten deutlich steigern, sondern auch die Produktivität verbessern werden. Wir sehen neben den Reisemobilen erhebliches Potential für Zuwächse im Caravanbereich, den wir in den vergangenen Jahren etwas vernachlässigt haben. Die Nachfrage ist da. Das zeigt sich daran, daß wir im Januar ausverkauft waren für die gesamte Saison. Hier wollen wir noch erheblich wachsen, denn das Geschäft führt zu einer guten Gemeinkostenverteilung.

Sie haben das „Hickhack“ mit den Gewerkschaften angesprochen. Was müßte aus Sicht eines mittelständischern Unternehmens eine neue Regierung anders machen als bisher?

Sie müßte für Erleichterung im Arbeitsbereich sorgen. Stichwort Kündigungsschutz. Obwohl er heute nicht mehr unbedingt das Problem ist. Denn wir haben befristete Arbeitsverträge, wir haben Leiharbeiter und wir haben flexible Arbeitszeitkonten. Was man erreichen sollte ist, daß man mit seinen Betriebsräten eigene Vereinbarungen abschließen kann. Denn die Gewerkschaften nehmen auf die betrieblichen Eigenheiten keine Rücksicht.

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Das heißt, man müßte ihren Einfluß beschränken?

Eindeutig ja. Denn die Betriebsräte sind vor Ort und kennen die Sorgen. Wir haben sogar zwei Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, so daß sie bestens informiert sind. Bei uns hat der Betriebsrat gegen den Widerstand der Gewerkschaft eine Rahmenvereinbarung mit uns getroffen. Nun ist er von der Gewerkschaft aus der Tarifkommission ausgeschlossen worden und der Betriebsratsvorsitzende wird von der Gewerkschaft nicht mehr als Arbeitsrichter vorgeschlagen, was er bisher war. Der Betriebsrat von Hymer wird auf dieser Weise in seiner Funktionalität eingeschränkt und kann die Interessen der Angestellten von Hymer nicht mehr richtig wahrnehmen.

Sie produzieren in Bad Waldsee und demnächst wohl auch in den neuen Bundesländern. Abwanderungsgedanken wie viele andere Unternehmen haben Sie nicht?

Nein. Wir sind der Meinung, daß man in Deutschland nach wie vor gut produzieren kann, wenn man auch die Möglichkeit hat, über die Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen zu reden. Die Entscheidung für Ostdeutschland ist unter anderem deswegen gefallen, weil da eine 40-Stunden-Woche möglich ist. Entscheidend ist auch eine gewisse Nähe zu den Absatzmärkten und die Materialbereitstellung. Viele der Materialien, die wir zukaufen, sind in den Oststaaten nicht in der Qualität verfügbar, in der wir sie brauchen.

Das kann man sich gar nicht richtig vorstellen!?

Unsere Kernkompetenz sind im Prinzip Möbel beziehungsweise die Inneneinrichtungen. Dabei verwenden wir leichte Materialien wie Sperrholz oder Sandwich-Elemente. Das ist eine eigene Technologie und sie ist auch innovationsgetrieben.

Das heißt, sie beziehen die Materialien von hier ansässigen, spezialisierten Zulieferern?

Ja, wir kaufen vor allem in Deutschland und Italien ein.

Sie rechnen nicht mit Konkurrenz aus dem Osten?

Nein. Es gibt einen nennenswerten Anbieter aus Slowenien, aber auch er kauft hier ein.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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