Interview

„In der Phase der Erholung bei Blue Chips unterproportional dabei“

09.12.2004
, 08:35
Jörg-Matthias Butzlaff vom Bankhaus Metzler
Mehr als 40 Deutschland-Aktienfonds hinken seit mindestens drei Jahren dem Dax hinterher. Einer davon ist der Metzler Aktien Deutschland. J.M. Butzlaff vom Bankhaus Metzler sucht im Interview von FAZ.NET nach Erklärungen.

Mit deutschen Standardwerten konnten Anleger dieses Jahr im Durchschnitt nicht viel Geld verdienen. Seit Jahresbeginn hat sich der Dax lediglich um 5,75 Prozent verbessert. Binnen Jahresfrist ist ein Kursgewinn von knapp zehn Prozent aufgelaufen. Die Bilanz vieler Aktienfonds, die auf Dax-Aktien setzen, fällt indes noch magerer aus: Nur knapp 8,4 Prozent haben diese Produkte seit Anfang Dezember 2003 gutgemacht. Dabei schneiden 80 von 96 Deutschland-Aktienfonds schlechter ab als der Dax und der Fonds Dax ex von Indexchange, der den Leitindex abbildet. Und dies ist in vielen kein Ausrutscher: Auf Sicht von drei Jahren sind immerhin 44 Fonds hinter dem Dax zurückgeblieben und etwa ein Dutzend kaum besser.

Zu diesen „Underperformern“ zählt der vom Frankfurter Privatbankhaus Metzler gemanagte Fonds Aktien Deutschland. Er hat sei Auflegung im Jahr 1992 einen Kursgewinn von gut 100 Prozent erwirtschaftet, sich aber in den vergangenen fünf Jahren einen Verlust von fast 40 Prozent geleistet, obschon der deutsche Leitindex „nur“ 32 Prozent verloren hat. In den jüngsten drei Jahren ist beim Metzler Aktien Deutschland ein Verlust von 24 Prozent aufgelaufen, während der Dax im selben Zeitraum 19,4 Prozent eingebüßt hat. Auch der Jahresvergleich fällt zu Lasten des Metzler-Fonds aus: Dieser hat ein Plus von 5,22 Prozent zu Buche stehen, der Dax einen Aufschlag von knapp zehn Prozent.

Jörg-Matthias Butzlaff vom Bankhaus Metzler stellte sich den Fragen von FAZ.NET zu der schwachen Wertentwicklung und sucht im folgenden Interview nach Erklärungen. Auch wagt er einen Ausblick auf das nächste Jahr.

Wie kann es sein, daß ein auf deutsche Standardwerte setzender Aktienfonds über längere Zeit hinter dem Dax herläuft?

Wir sind Stock-Picker und haben uns in einem sehr schwierigen Marktumfeld befunden. Es gab gewisse Themen, die von den Investoren bevorzugt wurden, und dazu eine recht kräftige, aber späte Erholung von Standardwerten. Ausgebrochen ist der Dax zudem erst in den jüngsten Wochen.

Wie erklären Sie die Underperformance Ihres Fonds?

Wir waren bei großen Indexwerten wie Siemens und Deutsche Bank zwar investiert, allerdings sind Nebenwerte deutlich besser gelaufen. Im Jahresverlauf haben wir große Werte etwas abgebaut. Dadurch waren wir in der Phase, in der sich einige Schwergewichte erholt haben, unterproportional dabei. So ist ein Großteil der Underperformance im jüngsten Quartal entstanden.

Daran kann es aber nicht allein liegen. Ihr Fonds weist als größte Position die Siemens-Aktie auf, die binnen Jahresfrist fast vier Prozent verloren hat. Drittgrößter Wert ist Deutsche Bank vor Daimler-Chrysler, die beide nur ein Plus von etwa 4,5 Prozent aufzuweisen haben, und SAP mit einem Kursgewinn von 2,2 Prozent. Warum halten Sie solche Underperformer überhaupt?

Der Metzler Aktien Deutschland ist ein Standardaktienfonds. Die Anlagerichtlinien des Fonds verpflichten uns, vor allem in große deutsche Titel zu investieren. Das heißt, wir dürfen Aktien mittlerer und kleiner Unternehmen beimischen, aber eben nur bis zu einem gewissen Grad. Selbst wenn wir von der Daimler-Chrysler-Aktie nicht überzeugt wären, könnten wir sie nie ganz abbauen, da sie ein großes Gewicht im Dax hat.

Aber wenn Sie nichts mit einem Schwergewicht verdienen, hat es doch keinen Sinn, es zu halten!

Es geht auch darum, das Gesamtrisiko abzuschätzen. Und wir dürfen, wie gesagt, Nebenwerte wie Leoni oder Beru nur beimischen. 60 Prozent des Fondskapitals in mittlere und kleinere Titel zu investieren, die besser laufen als große Werte, entspricht nicht unseren Anlagerichtlinien.

Nun haben Sie die sehr gut gelaufene E.on als zweite Top-Position und mit BASF, Deutsche Telekom und RWE weitere „Outperformer“ unter den am stärksten gewichteten Titeln. Aber die besten Werte - Continental, Adidas und Schering - finden sich dort nicht. Warum nicht?

Continental haben wir Mitte des Jahres verkauft, denn wir dachten, die Story ist vorbei. Von der Bewertung her ist der Titel zwar immer noch sehr günstig, aber sie war zur Jahresmitte schon sehr stark gestiegen, der sogenannte Re-Rating-Prozeß mithin schon weit vorangeschritten. Somit hatten wir nicht damit gerechnet, daß die Aktie weiter steigen würde.

Aber der Titel ist nicht nur weiter recht günstig, sondern im Aufwärtstrend. Warum haben Sie dann verkauft?

Wenn ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von sechs auf zehn gestiegen ist wie in diesem Fall, ist eine Aktie nicht mehr so günstig wie zuvor. Zudem haben wir angesichts der steigenden Rohstoffpreise bei Öl und Kautschuk nicht gedacht, daß Continental die Gewinne weiter steigern würde. Schering haben wir wegen des Wechselkursrisikos aufgrund der Eurostärke nicht so deutlich gewichtet, wie es gut gewesen wäre. Und bei E.on und RWE können wir kaum noch aufstocken, um die erlaubte Grenze bei der Gewichtung nicht zu überschreiten. Gleiches gilt für die Deutsche Telekom. So war die einzige Möglichkeit, mit ausländischen Standardwerten zu diversifizieren. Das haben wir auch gemacht, so haben wir die France Télécom im Portfolio, die gut gelaufen ist.

Dürfen Sie denn große MDax-Werte wie Depfa Bank, EADS oder Puma, die sehr gut gelaufen sind, in den Fonds nehmen?

Das dürfen wir - aber diese Titel haben wir nicht gekauft. Unsere Idee war vielmehr, bei Titeln zuzuschlagen, die weniger gut gelaufen waren und entsprechenden Nachholbedarf hatten. Bei Puma galt aus unserer Sicht mit Blick auf das Re-Rating das Gleiche wie für Continental. Die Frage ist, wie das Unternehmen im nächsten Jahr operativ wachsen wird. Da bin ich eher weniger positiv gestimmt.

Wir reden aber über dieses Jahr und die in diesem Zeitraum bei Puma aufgelaufenen Kursgewinne von 48 Prozent...

Wir schauen aber immer auf die Bewertung für die nächsten Jahre. Und wir haben auf die Erholung der Gewinne gesetzt. Einer der besten Werte in unserem Portfolio ist Salzgitter aus dem MDax. Aber die taucht in der Liste der größten Positionen natürlich als Nebenwert nicht auf, weil sie nur etwa 1,7 Prozent im Portfolio ausmacht. Wir haben zum Teil mit sehr gutem Erfolg beigemischt, aber an anderer Stelle bei den großen Werten mehr verloren. Das war ein Problem.

Wie wollen Sie 2005 eine bessere Performance erreichen und den Dax schlagen?

Der Markt ist lange Zeit seitwärts gelaufen, den Ausbruch haben wir, wie gesagt, erst in den vergangenen vier Wochen gesehen. Mit Blick auf die weiter nachlassende Wirtschaftsdynamik gehen wir zunächst von einem andauernden Seitwärtsmarkt aus. Wir werden deswegen weiterhin einen Stock-Picking-Markt haben. Es erscheint uns nicht sinnvoll, Underperformer weiter so hoch zu gewichten wie bisher, sondern verstärkt auf fundamental unterbewertete Aktien zu setzen.

Welche Aktien meinen Sie?

Salzgitter ist zwar gut gelaufen, hat aber angesichts der anhaltend großen Nachfrage nach Stahl und der Belebung des Röhrengeschäftes noch ein interessantes Kurspotential. Gildemeister ist wegen des großen Auftragseingangs sehr stark. Es spricht alles für eine kräftige Steigerung der Gewinne, und der Titel ist vernachlässigt worden. Darauf setzen wir auch. Bei den „Blue Chips“ haben wir Deutsche Post klar übergewichtet. Bei Versorgern sind wir etwas vorsichtig, weil die Aktien schon sehr gut gelaufen sind.

Die Fragen stellte Thorsten Winter.

Quelle: @thwi
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