Interview

„In Japan gibt es überall interessante Unternehmen“

20.10.2004
, 12:01
Hedge Fonds enttäuschen, konnte man gerade lesen. James Rosenwald beweist indes mit dem Plus von 74 Prozent seines Japan-Fonds auf Jahressicht das Gegenteil. Im FAZ.NET-Interview erläutert er auch, wieso er „bullish“ ist für den Yen.

Während die Börsen in manchen eher weniger beachteten Schwellenländern wie Ägypten, Kolumbien, Peru oder den mitteleuropäischen EU-Beitrittsländern im laufenden Jahr massive Kursgewinne einfahren, dümpeln die bekannten und vielbeachteten Indizes mehr oder weniger orientierungslos vor sich hin.

Da dürfte es kaum verwundern, wenn sich viele der Standardfonds nicht gerade überragend schlagen. Sie schneiden trotz höherer Kosten oft noch schlechter als vergleichbare Indexfonds ab. Selbst manche Hedge Fonds scheinen in diesem Umfeld Schwierigkeiten zu heben.

Es gibt allerdings auch Ausnahmen. Zum Beispiel das Produkt von James Rosenwald von Dalton Investments in Los Angeles. Er kann mit seinem JMBO Fund auf Sicht eines Jahres in Dollar gerechnet ein Plus von knapp 74 Prozent vorweisen. Und das in Japan. Der Markt wurde zwar in den vergangenen Monaten immer wieder mit Vorschußlorbeeren überschüttet, aber der Topix hat sich auf Sicht eines Jahres mit einem Minus von 1,05 Prozent kaum bewegt. Im FAZ.NET-Interview erläutert Rosenwald seine Erfolgsstrategie.

Ihr Fonds kann eine exzellente Performance vorweisen. Er ist mit einem Plus von knapp 74 Prozent einer der besten Hedge Fonds auf Sicht eines Jahres. Wie würden Sie Ihre Strategie beschreiben?

Wir nehmen große Positionen von mehr als fünf Prozent in unterbewerteten Unternehmen mit dem Ziel, das Management von einem „Buyout“ zu überzeugen. Wir treffen uns regelmäßig mit den Managern und versuchen sie in unserem Sinne „zu erziehen“. Wie zeigen ihnen die Vorteile des Vorgehens, und den Beitrag, den wir zur Verbesserung der operativen Aktivität leisten können. Beispielsweise durch die Verbindung mit einem multinationalen Unternehmen oder ähnlichem.

Wie identifizieren sie „geeignete Kandidaten“?

Wir nutzen natürlich finanzielle Datenbanken, machen aber auch 400 Firmenbesuche jährlich. Ich beschäftige mich seit dem Jahr 1968 mit diesem Markt und verfüge aus diesem Grund über beachtliche Hintergrundinformationen.

Wo lassen sich aktuell die interessanten Unternehmen finden? Also in welchen Branchen und eher bei klein-, mittel- oder großkapitalisierten Werten?

Japan bietet aktuell in beinahe allen Sektoren Unternehmen der unterschiedlichsten Größe, die vernünftig bewertet sind.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Wir haben jüngst dem Management und der Gründerfamilie von Teikoku Hormone ein freundliches Angebot unterbreitet. Wir denken, dieses Unternehmen könnte sich im Hormonbereich mit der Hilfe europäischer oder amerikanischer Forschung exzellent entwickeln. Die hohen Forschungs- und Entwicklungskosten im Pharmabereich machen Joint Ventures und andere Verbindung dieser Art sehr nützlich.

Wie würden Sie die aktuelle wirtschaftliche Situation in Japan beschreiben?

Auf der positiven Seite steht, daß das Land mit beinahe allen Handelspartnern - sei es Amerika, Europa, Korea, China, Indien oder anderen - Überschüsse erzielt. Die einzigen Defizite bestehen zu ölproduzierenden Staaten. Die Überschüsse sind riesig, werden immer größer und machen die Bevölkerung des Lands zur reichsten weltweit.

Auf der negativen Seite führen diese Überschüsse zu einem gewaltigen Aufwertungsdruck auf die Währung. Kritischer wird diese Entwicklung, wenn man sie mit einem der größten Budgetdefizite weltweit kombiniert. Es hat seit dem Platzen der japanischen Kursblase im Jahr 1989 massiv und immer schneller zugenommen. Die Bevölkerung ist eine derjenigen, die weltweit am schnellsten altert. Zusammen mit einer eigensinnigen Einwanderungspolitik macht das die Gesundheitsbranche zu einem der heißesten Themen im Land.

Würden Sie aktuell den Kauf japanischer Aktien generell empfehlen?

Ich denke, Anleger sollten japanische Papiere zu ihrem global orientierten Portfolio hinzufügen, denn sie sind vernünftig bewertet. Auch die laufenden Finanzreformen begünstigen Aktionäre und Unternehmenseigner.

Sie sprachen über den Yen: Wann wird deutlicher er aufwerten und was könnten die Auslöser sein?

Ich bin nicht schlau genug, um die Frage nach dem Wann und Warum beantworten zu können. Aber ich wette darauf, daß der Yen gegen den Dollar in naher Zukunft deutlich aufwerten wird.

Wie beurteile Sie den Rentenmarkt des Landes?

Der Markt wird dominiert von Staatsanleihen und die wesentlichen Käufer sind die Banken, Versicherungen und das „postalische Sparsystem“ des Landes. Im Gegensatz zu den amerikanischen Treasuries werden die japanischen Schuldpapiere im wesentlichen von Inländern gehalten. Das macht einen Kollaps des Marktes deutlich unwahrscheinlicher und tiefe Zinsen noch für eine Weile wahrscheinlich.

Welche Anleger können sich an Ihrem Fonds beteiligen?

Alle unseren Fonds stehen internationalen Anlegern offen, seien es Institutionelle oder so genannte HNWs, also high net worth individuals. Nähere Informationen lassen sich auf unserer Webseite http://www.daltoninvestments.com/ finden.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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