Interview

„Kurzfristige Kursbewegungen bei Gold bedeutungslos“

27.02.2004
, 11:47
Der Goldpreis ist seit Dezember gefallen, obwohl der Dollar schwächelte. Gold-Fondsmanager Evy Hambro von Merrill Lynch beunruhigt diese ungewöhnliche Kursbewegung indes nicht. Und für Rohstoffe sieht er rosige Zeiten.

„Rosige Aussichten“ für Rohstoffe wie Kupfer sowie Fonds, die in Aktien von Minengesellschaften investieren, sieht Merrill Lynch-Fondsmanager Evy Hambro. Zur Begründung führt er im FAZ.NET-Interview eine steigende Nachfrage bei gleichzeitig stagnierendem bis fallendem Angebot an.

„Das Interesse bei Investoren an Gold ist ungebrochen. Die Versorgung mit Gold bleibt dagegen stabil, wenn sie nicht sogar fällt. So etwas ist für die Preise sicher gut. Hinzu kommt eben die steigende Nachfrage aus China“ - dies hatte Hambro im Dezember zu FAZ.NET gesagt. Daß der Goldpreis seitdem gefallen ist, obwohl der Dollar unter dem seinerzeitigen Kurs notiert, ficht Hambro nicht an.

Er sieht mittelfristig einen festen Goldpreis bei einem relativ schwachen Dollar und geht davon aus, daß die Absicht der Bundesbank, ihre Goldverkäufe zu steigern, dem Preis dieses Edelmetalls nicht schaden wird. Zudem sagt er im folgenden Interview, warum er sich nicht für kurzfristige Kursbewegungen interessiert.

Im Dezember haben Sie sich zuversichtlich gezeigt, daß der Dollar schwach und der Goldpreis hoch bleiben wird. Seitdem ist zwar der Kurs des Greenback gesunken, der des Goldes aber auch. Was ist da schief gelaufen?

Gar nichts, es gibt momenaen lediglich mehr Verkäufer als Käufer auf dem Goldmarkt.

Aus welchem Grund?

Nun, zum einen nehmen Investoren derzeit Gewinne mit. Zum anderen befindet der Dollar in einer wie ich meine kurzen Phase der Stärke, und dies drückt den Goldpreis. Aber wir schauen nicht, wie sich der Goldpreis von einem Tag zum anderen entwickelt, ob er fünf Dollar je Unze steigt oder zehn Dollar fällt. Das ist für uns bedeutungslos.

Dann hat die Tatsache, daß Gold von seinem Januar deutlich gefallen ist, auch keine Folgen für das Portfolio Ihrer beiden Fonds World Gold und World Mining gehabt?

Wie gesagt, diese kurzfristigen Kursentwicklungen sind für uns bedeutungslos. Aus unserer Sicht ist der Aufwärtstrend bei Gold ohne Frage intakt, und wir versuchen diesen Trend einzufangen, indem wir in Aktien von Unternehmen, die Gold fördern, investieren.

Anleger sollten sich folglich keine Sorgen wegen der aktuellen Kursbewegungen bei diesem Edelmetall machen?

Nein, denn ich sehe keine Änderungen bei den fundamentalen Daten, die für eine grundsätzliche Trendänderung sprechen könnte.

Zum gibt es diese Wechselbeziehung zwischen dem Dollar und dem Goldpreis. Falls die Europäische Zentralbank die Zinsen senken sollte, würde dies wohl einen fallenden Eurokurs zur Folge haben. Würde dadurch der Goldpreis ebenfalls sinken?

Nun, es ist offensichtlich, was solch ein Zinsschritt für Gold bedeuten würde. Wenn Sie glauben, daß der Euro schwächer wird, und die negative Korrelation zwischen dem Dollar und Gold sehen, dann würde ein erstarkenden Greenback zu einem sinkenden Preis dieses Edelmetalls führen. Wir schauen aber nicht auf Zinsen und Devisen, sondern versuchen, attraktive Minenaktien zu finden und achten auf Nachfrage und Angebot bei Edel- und anderen Metallen. Und hier stimmt die Richtung.

Sie gehen mithin davon aus, daß die Nachfrage nach Gold auch künftig hoch genug sein wird, um für einen festen Goldpreis zu sorgen?

Ich denke, das wird so sein, ja. 2003 war die Nachfrage von Investoren nach Gold mit 900 Tonnen mehr als zweimal so hoch wie im Jahr zuvor. Bei einem Markt, der 3.500 Tonnen anbietet, ist das eine beachtliche Größe.

Nun denkt aber die Deutsche Bundesbank darüber nach, mehr Gold als bisher aus ihren Depots auf den Markt zu werfen...

Das stimmt, aber es geht um eine deutlich geringere Menge als gedacht.

Dann droht dem Goldpreis von dieser Seite kein Ungemach?

Ich denke, was bisher über eine Neufassung des Washingtoner Abkommens (mit dem Notenbanken eine Obergrenze ihrer Goldverkäufe zur Stützung des Goldpreises festgelegt haben, Anm.d.Verf.) bekannt geworden ist, ist positiv. Denn die Steigerung der Verkäufe wäre wie gesagt viel geringer als von Marktteilnehmern erwartet.

Nun haben Sie auch Aktien südafrikanischer Minengesellschaften im Portfolio...

... etwa 20 Prozent machen sie aus...

...und diese Firmen hatten im vergangenen Jahr Probleme mit dem zum Dollar deutlich gestiegenen Rand, der auf die Erträge drückte. Zuletzt hat sich der Rand wieder abgeschwächt. Gehen Sie davon aus, daß sich die Gewinne südafrikanischer Minengesellschaften wieder verbessern und deshalb deren Aktien steigen, was auch ihren Fonds nutzen würde?

Wenn der Rand gegenüber dem Dollar schwächer werden sollte, dann wäre dies sicher sehr gut für die Ertragslage dieser Unternehmen. Und davon sollten auch deren Aktien profitieren. Dessen ungeachtet sollte die Aktie von AngloGold steigen, weil Anglo-American angekündigt hat, ihre Anteile an diesem südafrikanischen Unternehmen aufzustocken.

Wenn Sie ihre beiden Fonds und die dahinter stehenden Branchen vergleichen: Wo sollten sich Anleger künftig stärker tummeln?

Es handelt sich um zwei völlig unterschiedliche Fonds. Die Sicht auf den World Mining Fund hängt davon ab, ob man glaubt, daß der Aufschwung der Weltwirtschaft anhalten und noch an Fahrt aufnehmen wird. Ich denke, die Aussichten sind sehr hell, das gerade China ein weiteres gutes Jahr haben wird. Die Wirtschaft dort soll dieses Jahr um sechs bis sieben Prozent zulegen, und China ist einer der größten Nachfrager mit Blick auf Metalle wie Kupfer und Nickel. Die amerikanische Wirtschaft sollte ebenso weiter wachsen, während die Zinsen niedrig bleiben sollten, wie Notenbank-Chef Alan Greenspan erst gesagt hat. Dazu sehen wir Wachstum in Japan, Korea und in anderen asiatischen Staaten. Das ist alles sehr gut für Rohstoffe. Dazu ist die Nachfrage größer als das Angebot, gerade bei Kupfer. Auch bei Nickel steht ein massive Angebotslücke, die die Preise steigen lassen dürfte. Dies sollte sich auch auf die Aktien auswirken. Die Aussichten sind sehr rosig.

Dagegen ist die Investition in Gold kein Spiel, das vom Fortgang der Weltwirtschaft abhängt. Zuerst investiert man in Gold, weil man an dieser Anlageklasse beteiligt sein will. Mit Blick auf unseren Fonds setzen Anleger auf eine gute Performance, und manche Leute sichern sich mit Gold gegen einen fallenden Dollarkurs ab. Ich selbst bin in beiden Fonds investiert.

Ziehen Sie einen der beiden Fonds dem anderen vor?

Nein, das ist so als ob Sie wissen wollen, ob jemand Erdbeeren lieber ißt als Bananen. Wenn Ihnen beide Früchte gut schmecken, werden Sie beide nehmen. Die Aussichten für den Mining Fund sind rosig, da der wirtschaftliche Hintergrund robust ist. Wenn Sie wie ich glauben, daß der Dollar relativ schwach bleiben wird, liegt man auch mit Gold richtig.

Anmerkung: Der World Gold Fund hat binnen Jahresfrist um 24,3 Prozent zugelegt und liegt damit im Vierter unter zehn Goldfonds. Die größten Beteiligungen sind Placer Dome, Newmont, Buenaventura und Newcrest. Der World Mining Fund hat sich in den vergangenen zwölf Monaten um 52 Prozent verteuert und damit der beste Rohstoff-Fonds unter zwölf vergleichbaren Produkten, die in der FAZ.NET-Datenbank erfaßt sind. Rio Tinto, Cia Vale do Rio Doce (CVRD), BHP Billiton und Anglo-American machen die wichtigsten Positionen in diesem Fonds aus.

Die Fragen stellte Thorsten Winter

Quelle: @thwi
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