Interview

„Nachhaltiges Investieren zahlt sich aus“

03.03.2004
, 07:56
SAM-Fondsmanager Dieter Küffer
Geld Anlegen nach nachhaltigen Kriterien - das klingt nach „Müsli-Gehabe“. SAM-Fondsmanager Dieter Küffer beweist im FAZ.NET-Interview nicht nur, daß es nicht so ist. Er schlägt mit seinem Fonds auch den Markt.
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Wer Geld anlegt, möchte eine möglichst gute Rendite erzielen. Das ist logisch. Manche Anleger hängen ihre materiellen Ziele allerdings nicht ganz so hoch und legen beispielsweise wert auf ökologische Kriterien. Dabei muß das Eine das Andere nicht ausschließen. So hat sich beispielsweise der „Wasser-Fonds“ der SAM Sustainable Asset Management AG in Zürich in den vergangenen Monaten deutlich besser entwickelt als der MSCI World Index.

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Fondsmanager Dieter Küffer erläutert im Gespräch mit FAZ.NET, den generellen Anlageprozeß, wie er den Fonds verwaltet und welche Kriterien bei der Aktienauswahl eine Rolle spielen.

Wieso sollte ich mich als Anleger für das Angebot der Sustainable Asset Management interessieren?

Es ist unser Ziel, durch die Integration von ökologischen, sozialen, aber auch wirtschaftlichen Nachhaltigkeitskriterien bei der Auswahl von Aktien einen Mehrertrag zu erwirtschaften und besser abzuschneiden als ein vergleichbarer Index.

Bild: SAM

Wie läßt sich dieser Effekt aus Ihrer Sicht begründen?

Nach unserer Einschätzung haben nachhaltig wirtschaftende Unternehmen ihre Risiken besser im Griff als „normale Unternehmen“. Dazu kommen in bestimmten Bereichen noch deutliche Wachstumschancen, die zu höheren Bewertungen führen sollten. Verschiedene in letzter Zeit veröffentlichte Studien weisen auf eine Outperformance von nachhaltigen Anlagen hin. Auch hat sich der Dow Jones Sustainability Index seit Lancierung sehr gut entwickelt.

Investieren Sie alles Geld nach „engen ökologischen Kriterien?

Wir investieren nach dem so genannten „Best of Class-Prinzip“ und legen somit auch in relativ „unökologische“ Branchen an. Allerdings können wir beachtliche Effekte erzielen, wenn wir innerhalb der Branche dann auf die besten Unternehmen aus unserer Sicht setzen. So gibt es im Rohstoffbereich vorbildliche Minen in punkto Arbeitsplatzsicherheit, Umgang mit der Umwelt et cetera. Dazu gehören beispielsweise BHP Billiton, Rio Tinto oder Anglo American.

Wie läuft Ihr Investitionsprozeß ab?

Wir gehen dreistufig vor. In einem ersten Schritt filtern wir nachhaltig wirtschaftende Firmen heraus. In einem zweiten Schritt versuchen wir jene Firmen zu eliminieren, die mit kurzfristigen Risiken behaftet sind. In einem dritten Schritt sehen wir uns die Ziele des Unternehmens an und prüfen, ob es genügend personelle, finanzielle und andere Ressourcen und die richtigen Prozesse implementiert hat, um erfolgreich sein zu können. Auf diese Weise erhalten wir ein „Universum“ aus nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen, auf die wir bei unserem Anlageprozeß setzen können.

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Können Sie Namen nennen?

Dazu gehören beispielsweise Unternehmen wie eine Citigroup, ING oder auch Pfizer, Novo Nordisk, Novozymes, Novartis und Volkswagen.

Die Bewertung spielt keine Rolle?

Doch natürlich. In den aktiv gemanagten Fonds spielt neben den Nachhaltigkeitskriterien auch die Bewertung eine Rolle. Wir führen eine Analyse nach der Discounted-Cash-Flow-Methode durch und investieren in die unterbewerteten Firmen.

Und Marktfaktoren?

Neben der Bottom-Up-Analyse schauen wir auch auf den Zustand des Marktes generell. Wenn unsere Modelle eine Überbewertung der Märkte anzeigen, dann setzen wir eher auf die defensiven Sektoren. Und umgekehrt.

Wie schätzen Sie den Markt aktuell ein?

Wir sind nach wie vor offensiv orientiert, auch wenn die Märkte schon weit gelaufen sind. Wir halten es für möglich, daß die Analysten ihre Gewinnerwartungen noch etwas nach oben nehmen könnten. Auch scheint die Bewertung der Aktienmärkte noch vernünftig zu sein. Im Moment sind wir noch übergewichtet im IT- und Industriebereich - also beispielsweise Intel, SEZ, auf der anderen Seite sind wir untergewichtet bei den Verbrauchsgütern. Von den defensiven Werten mögen wir unter anderem Pfizer.

Sie verwalten einen „Wasserfonds“. Auf der einen Seite scheint das eher defensiv zu sein, auf der anderen hat er besser abgeschnitten als der MSCI World Index. Wie läßt sich das erklären?

Der Fonds investiert nicht nur in defensive Werte. Es sind alle Aktien von Unternehmen denkbar, die sich an der „Wertschöpfungskette Wasser“ in irgendeiner Form beteiligen. So haben wir im Moment zyklische Industriewerte - die Technologien anbieten um Wasser zu sparen, zu filtern, Beratungsfirmen et cetera - übergewichtet. Sollten wir eine Korrektur an den Märkten erwarten, würden wir das Portfolio defensiver ausrichten. Bisher schlägt sich der SAM Sustainable Water Fund sowohl in schlechten als auch guten Börsenphasen relativ gut.

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Sind Themenfonds - der Wasserfonds ist einer - überhaupt interessant?

Wir denken, im Bereich Wasser gibt es sehr interessante Herausforderungen, die es zu lösen gibt. Dazu gehören die längerfristig absehbare Wasserknappheit, aber auch die überalterte Infrastruktur und natürlich die Wasserqualität. Man denke nur an das Auftreten von Legionellen oder neuerdings die hormonähnlichen Stoffe. Solche Probleme schaffen verbunden mit ihrer Lösung immer einen Markt und entsprechende Chancen für Anleger.

Das Gespräch führte Christof Leisinger


Sustainable Asset Management ist eine unabhängige Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Hauptsitz in Zürich. Gegründet 1995 als einer der weltweit ersten Vermögensverwalter für Sustainability Investments, umfasst die Klientel von SAM heute führende europäische Grossbanken, globale Versicherungsunternehmen, Pensionskassen und private Kunden.

SAM verwaltet institutionelle und private Mandate im Einklang mit Sustainability Kriterien. SAM entwickelt und verwaltet Finanzprodukte für Sustainability Investments, darunter die Sustainable Performance Group, die erste europäische Beteiligungsgesellschaft mit Sustainability Fokus.

Zusammen mit Dow Jones & Company hat SAM den ersten globalen Sustainability Index lanciert, um die Wertsteigerung von Unternehmen zu messen, die in ihrer Branche in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht eine Spitzenposition einnehmen.

Quelle: @cri
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