Interview

Was „ETFs“ dem Privatanleger bringen

05.12.2002
, 06:00
Jan Altmann: „Eine verlässliche Anlage”
„Exchange Traded Funds“ sind groß im Kommen. Im FAZ.NET-Interview erklärt Jan Altmann von Funds@Work, was Anleger davon haben.

Spricht ein Experte von „ETFs“, meint er damit „Exchange Traded Funds“, also fortlaufend an der Börse gehandelte Fonds. Darunter versteht er wiederum fast ausschließlich Indexfonds (vgl. Link: Was sind Exchange Traded Funds?). Im vergangenen Jahr hat der Markt für ETFs einen großen Aufschwung erlebt.

Experten wie Jan Altmann, der das entsprechende Handelssegment an der Deutschen Börse aufgebaut hat, sehen weiter erhebliches Wachstumspotenzial. Im Gespräch mit FAZ.NET erklärt Altmann, der mittlerweile als Gründungspartner der Funds@Work AG die Fondsindustrie berät, die Vorzüge von ETFs für den Privatanleger.

Was bringen ETFs dem Privatanleger?

Eine verlässliche Anlage insofern, als sie nicht viel von einem Index abweicht. Wenn man sich etwa am Aktienmarkt engagieren und sich wenig um das Produkt kümmern will, bekommt man mit einem ETF eine garantiert am jeweiligen Index orientierte Performance. Das gilt zwar auch für konventionelle Indexfonds. Aber bei ETFs kommt hinzu: Die Zusammensetzung des Fonds ist in der Regel bekannt, man weiß, was man kauft. Ein weiterer Vorteil ist dabei, dass die Produkte laufend gehandelt und auch mit Ordertypen wie etwa Limits versehen werden können.

Welche Strategien kann man mit ETFs verfolgen?

Klassisch ist die so genannte Core-Satellite-Strategie, die auch von vielen professionellen Anlegern verfolgt wird. Neben einem festen Kern (Core) aus ETFs werden dabei Anlagen mit einem höheren Risiko ins Portfolio genommen. Wie hoch der Core-Anteil gewählt wird, hängt dabei von der Marktsituation und der persönlichen Risikobereitschaft der Anleger ab. Darüberhinaus sind ETFs ein hervorragendes Instrument für die kurzfristige Spekulation auf Marktbewegungen. Grundsätzlich unterscheidet sich also die Strategie des Investments in einen ETFs stark vom verbreiteten regelmäßigen Ansparen mit konventionellen Fonds.

Wie sieht es mit den Kosten aus?

Die Orderkosten an der Börse entsprechen genau denen einer Aktienorder. Daher macht auch ein Kauf im Rahmen von Sparplänen wenig Sinn. Die jährliche Verwaltungsgebühr, die in der Regel von der ausgeschütteten Dividende einbehalten wird, liegt im Schnitt bei 0,4 bis 0,5 Prozent. Bedeutsamer sind aber für häufig handelnde Anleger die Kursspreads an der Börse, die zwischen 0,02 und zwei Prozent liegen können. Hier lohnt sich ein aufmerksamer Blick, da vergleichbare Produkte oft im Spread weit voneinander abweichen. Der Spread sollte unter dem durchschnittlichen Spread der im Index nachgebildeten Aktien liegen. Höher sind die Spreads aber meist bei Indizes, deren Bestandteile kompliziert nachzubilden sind (wie internationale Indizes oder illiquide Branchen).

Welches Potenzial hat der Markt für ETFs?

Derzeit werden in Europa rund elf Milliarden Euro in ETFs investiert, in den USA sind es schon rund 110 Milliarden Dollar. Das erhebliche Nachholpotenzial in Deutschland wird aber auch dadurch illustriert, dass hierzulande weniger als fünf Prozent aller Anlagen in Indexprodukten angelegt sind, während es in Großbritannien etwa 30 Prozent und in der Schweiz etwa 25 Prozent sind.

Wo können Privatanleger ETFs beziehen?

Grundsätzlich überall dort, wo Aktien gehandelt werden. Bei den klassischen Vertriebskanälen wie etwa unabhängigen Vermögensberatern wird es dagegen schwierig, weil der fehlende Ausgabeaufschlag das Produkt für diese unattraktiv macht. Dagegen sind einige ETFs in ihrer Eigenschaft als Indexfonds auf vielen Fondsplattformen erhältlich, beispielsweise kann man die Produkte von Unico bei Fundsnetwork sowie bei den Plattformen der DAB und der Citibank kaufen.

Das Gespräch führte Detlev Landmesser.

Quelle: @la
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