Interview

„Wir erschließen uns unterbewertete Vermögenswerte“

05.11.2004
, 10:10
Philip Richards, Hedge-Fonds-Manager
Hedge Fonds erzielen zum Teil hohe Renditen. Der RAB Special Situations Fund gehört dazu. FAZ.NET unterhielt sich mit Fondsmanager Philip Richards über seine Strategie: das Aufspüren zuvor unerkannter Werte.

Mit satten Kursgewinnen machte im vergangenen Jahr der RAB Special Situations Fund auf sich aufmerksam. Auch heute kann er bei der Generierung von Fondsranglisten noch davon profitieren und liegt bei den Hedge Fonds auf Grund des Basiseffektes noch sehr weit vorne, obwohl die Wertentwicklung in den vergangenen Monaten mit einem Plus von 30 Prozent seit Jahresbeginn eher „stagnierte“.

Das zeigt einerseits, wie vorsichtig Fondsranglisten betrachtet werden müssen. Auf der anderen Seite kann es der Anlaß dafür sein, sich mit einem Fonds näher zu beschäftigen. Gerade bei Hedge Fonds ist es wichtig zu wissen, welche Strategie sie verfolgen, um abschätzen zu können, wie riskant das Geschäft ist und welche Erfolgschancen sich künftig bieten können.

FAZ.NET hat sich aus diesem Grund mit Philip Richards unterhalten. Er ist nicht nur Chief Investment Officer der börsennotierten Gesellschaft RAB Capital, sondern gleichzeitig als Hedge-Fonds-Manager für die weitere Entwicklung des Special Situations Fund zuständig.

Bild: FAZ.NET

Sie erzielten mit ihrem Fonds im vergangenen Jahr eine sehr gute Wertentwicklung. Wie läßt sich ihr Erfolg erklären?

Ich verwalte einen Hedge Fonds und die Eigenschaft solcher Produkte besteht darin, daß sie nur leicht reguliert sind und praktisch alle sich bietenden Anlagemöglichkeiten nutzen können. Dieser Fonds ist kein klassischer Hedge Fonds in dem Sinne, daß er versucht die Volatilität zu reduzieren. Unser Ziel besteht vor allem darin, den Ertrag zu maximieren. Dafür kann er auch Kredite aufnehmen, der maximale Leverage, den ich bisher nutzte lag bei etwa 40 Prozent.

Was tun sie genau?

Wir kaufen, global gesprochen, Vermögenswerte die signifikant unterbewertet sind.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Es gibt eine mittlerweile auch in London gelistete Aktie namens Asia Energy, sie ist aktuell unser größtes Investment. Lange Zeit war das Papier praktisch unbewegt und dann ist es im September plötzlich von 70 Pence auf etwa vier Pfund gesprungen.

Was macht das Unternehmen interessant?

Dabei handelt es sich um ein sehr großes Kohlevorkommen in Bangladesch, das hier von London aus von einem australischen Team gemanaged wird. Wir haben sie auf Private-Equity-Ebene unterstützt bei etwa 15 Pence je Aktie und halten nun etwa 20 Prozent des Unternehmens. Das Vorkommen dürfte sich auf bis zu einer Milliarde Tonnen Kohle belaufen, 400 Millionen davon gelten inzwischen als gesichert.

Das führt zu welchem Kurspotential?

Eine Milliarde Tonnen Kohle in Asien haben etwa einen Marktwert von 75 Milliarden Dollar. Bei Produktionskosten von etwa zwölf Dollar je Tonne bietet das ein riesiges Ertragspotential. Da die Marktkapitalisierung des Unternehmens bei einem Kurs von etwa vier Pfund je Aktie gerade einmal bei umgerechnet 214 Millionen Euro liegt, dürfte die Aktie noch deutlich steigen. Sie kann sich noch verfünf- oder gar verzehnfachen und ist dann immer noch unterbewertet.

Wie identifizieren Sie solche Gelegenheiten?

Ich habe natürlich mein Netzwerk. Wir haben aber auch Minenexperten und Anwälte in unserem Team oder wir greifen auf externe Experten zu. Wir sind bekannt dafür, interessante Projekte zu finanzieren.

Können Sie weitere Beispiele geben?

Eines davon ist Southern African Resource. Wir haben etwa 20 Prozent der Aktien im August des vergangenen Jahres bei etwa zwei Pence erworben, inzwischen hatte sie Kurse von bis zu 30 Pence je Aktie erreicht. Wir haben unseren Anteil mittlerweile wieder weitgehend verkauft. Die Geschichte lief ähnlich wie bei Asia Energy. Wir haben dem Management geholfen, bisher wenig bekannte Vorkommen an Platin und anderen Metallen in Südafrika und Namibia nachzuweisen.

Ein weiteres Beispiel ist die Aktie des dänischen Biotech-Unternehmens Bavarian Nordic, welches Pockenimpfstoffe herstellt und größere Aufträge mit der amerikanischen Regierung erhielt. Wir wußten davon und haben die Aktie bei etwa 50 Kronen gekauft. Danach ging sie zwar zunächst noch einmal nach unten, ist dann aber schließlich bis auf über 600 Kronen gestiegen. Auch hier haben wir mittlerweile wieder verkauft.

Wo wurde und wird der materielle Wert eines Unternehmens noch unterschätzt?

Wir halten nach anfänglichen 45,4 noch 30 Prozent an Falkland Oil and Gas Ltd. Wir haben mit demnächst hoffentlich bald 100.000 Quadratkilometern die größte „ausbeutbare“ Fläche aller privaten Ölunternehmen weltweit. Das entspricht etwa der Fläche der gesamten britischen Nordsee. Die Geologie sieht vielversprechend aus. Es gibt zwar noch viel zu tun, aber möglicherweise läßt sich ein größeres Ölvorkommen von einer Milliarde Barrel Öl oder mehr entdecken. Der aktuelle Kurs der Aktie liegt bei 60 Pence, eingestiegen sind wir mit fünf Pence. Sollten wir das Öl finden, die Chance dafür liegt bei etwa 50 Prozent, wird der Kurs der Aktie noch deutlich weiter steigen.

Wie kommen Sie auf die Idee, gerade in dieser Region Öl zu suchen?

Dahinter stehen dieselben Leute wie bei Hardman Resources, die Öl in Mauretanien, Französisch Guyana, Uganda, Gabun, Neuseeland, Australien und eben auch bei den Falklands suchen.

Der Fonds scheint sich vor allem auf die Rohstoffseite zu konzentrieren?

Nicht exklusiv, aber in der Tendenz schon. Wir werden die Aktien von Falkland Oil and Gas und Asia Energy übrigens weiter halten.

Wer sind ihre Kunden?

Das sind vor allem so genannten Family Offices und weniger institutionelle Anleger. Denn in diesem Fonds können und wollen wir keine Garantien für vorübergehende Kursverluste bieten. Die Werte sind zwar grundsätzlich immer da, aber es kann Perioden gehen, in welchen die Liquidität der entsprechenden Aktien sehr dünn ist. Unsere Anleger müssen einen längerfristigen Anlagehorizont haben. Er ist nicht dazu geeignet, kurz hineinzuspringen und dann wieder hinaus. Man muß dann verkaufen können, wenn der Zeitpunkt ideal ist.

Kann ich als Privatanleger in diesem Fonds investieren oder sollte ich besser die Aktie von RAB Capital kaufen?

Wir wollen grundsätzlich niemanden ausschließen. Aber es gibt gewisse Regeln, an die wir uns halten müssen. Die Caymand Islands, dort ist unser Fonds angesiedelt, schreiben einen Mindestbetrag von 100.000 Dollar vor. Für deutsche Anleger ist der Kauf solcher Fonds aus Steuergründen ziemlich nachteilhaft. So bietet sich die Aktie von RAB Capital an. Mit ihr erhält man zumindest eine gewisse Beteiligung am Erfolg der verschiedenen Fonds und der Mittel, die wir verwalten. Der Vorteil :es gibt keine Mindestanlagesumme und man kann jederzeit verkaufen.

Ist die Hedge-Fonds-Arena in ihren Augen nicht „überbevölkert“ mittlerweile?

In manchen Bereich mit geringen Renditen schon. In unserem Bereich weniger, denn die Anleger sind bereit, für hohe Renditen auch hohe Gebühren zu zahlen.

Wie beurteilen Sie weitere Entwicklung im Rohstoffbereich generell?

Es kommen zwei Effekte zusammen. Erstens hatten wir 20 schlechte Jahre in diesem Bereich, in welchen die Unternehmen wenig investierten. Das Angebot schrumpfte tendenziell, die Preise fielen. Nun führt der Industrialisierungsprozeß in Asien gleichzeitig zu einer starken Nachfrage. Wenn Amerika oder Europa stark wachsen, dann vor allem im Technologie- oder Rohstoffbereich. In Asien dagegen muß erst einmal die Infrastruktur aufgebaut werden. Das heißt tausende von Kilometern Autobahn et cetera.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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