Interview

„Wir mögen unterschätzte Unternehmen“

25.08.2005
, 15:36
Phil Cliff, Fondsmanager Treadneedle
Superfonds sind seit vergangenem Jahr auch in Deutschland zugelassen. Sie können ähnlich flexibel agieren wie Hedge Fonds. Threadneedle-Fondsmanager Phil Cliff erklärt im folgenden Interview, wie er mit seinem Fonds den Markt schlägt.

Superfonds sind seit vergangenem Jahr auch in Deutschland zugelassen. Das sind solche Fonds, die ähnlich wie Hedge Fonds flexibel in unterschiedliche Anlageprodukte investieren können.

Der Sinn solcher Konstrukte liegt darin, dem Fondsmanager möglichst viele Freiheiten zu lassen, um unabhängig von der Marktentwicklung eine möglichst hohe Rendite bei kontrolliertem Risiko erwirtschaften zu können.

Das scheint sinnvoll zu sein, denn die Erfahrung zeigt, daß sich die Fondsmanager traditioneller Fonds bei der Wahl ihrer Anlagestrategien oft eng an den Vergleichindex anlehnen, an dem sie gemessen werden. Aus diesem Grund unterscheidet sich die Wertentwicklung nur wenig davon, was zur Frage führen könnte, wozu der Fondsmanager überhaupt da ist. Denn was sollte den Anleger vom Kauf eines günstigeren Indexfonds abhalten?

Blickt man auf die junge Geschichte, eines in Deutschland zugelassenen „Superfonds“, so hat sich eine Investition durchaus gelohnt. Denn der „Threadneedle Pan-European Accelerando“ hat auf Sicht eines Jahres immerhin knapp 34 Prozent zugelegt und den Eurostoxx deutlich geschlagen. Fondsmanager Phil Cliff erklärt im folgenden Interview, wie er das gemacht hat.

Sie sind Manager eines so genannten Superfonds und haben entsprechende Freiheiten. Wie nutzen Sie sie?

Sie haben recht, der Fonds kann grundsätzlich sehr flexibel anlegen. Wir nutzen die Freiheit in erster Linie dazu, sehr konzentriert vorzugehen. Wir investieren in maximal 30 Aktien. Wir „picken“ die Werte, so daß sie die besten Ideen der europäischen Börsenwelt enthalten sollten.

Wie suchen sie diese Werte aus?

Wir erhalten unsere Informationen von den verschiedensten Seiten. Eine wichtige und vielleicht die entscheidenste Art, Ideen zu erhalten ist, sich mit dem Management von Unternehmen zu unterhalten. Sie können eine sehr starke Überzeugung für oder gegen eine Aktie entwickeln, wenn sie zuhören, wie das Management seine Strategie, den Geschäftsgang und den weiteren Ausblick beschreibt. Wir hören auch auf unsere mehr als 20 Analysten, lesen Research-Reports und erhalten Ideen von unseren Brokern.

Aber interessante Werte kommen doch sicherlich nicht automatisch in das Portfolio?

Nein, sicherlich nicht. Wir haben auch eine Vorstellung davon, was ein Unternehmen wert ist und welchen Kursspielraum eine Aktie unter Berücksichtung der Risiken noch bieten kann. Nach diesem Gesamtprozeß kommen die besten der Aktien ins Portfolio. Das sind die, bei welchen unsere Überzeugung am größten ist und die gleichzeitig die größte Kursphantasie bieten.

Was sind die entscheidenden Kriterien?

Wichtig ist, daß wir etwas sehen, was der Markt noch nicht erkannt hat. Sei es, daß das Wachstum größer und die Gewinne höher sind, als man denkt oder daß die Bewertung zu tief ist.

Können Sie ein paar Beispiele nennen?

Ja, es gibt zum Beispiel ein Unternehmen namens Neste Oil. Dahinter steht die Annahme, daß der Ölpreis für längere Zeit hoch bleiben wird und daß es vor allem im Raffineriebereich anhaltende Engpässe geben wird. In dieser Branche wurde 20 Jahre lang kaum investiert, da lange Zeit kaum Geld zu verdienen war. Das hat dazu geführt, daß es zu einem strukturellen Kapazitäts- und damit Angebotsdefizit gekommen ist. Das gilt insbesondere für die Verarbeitung von schweren und von sauren Ölen. Das sind genau die Sorten, die gepumpt werden, wenn das Ölangebot schnell erhöht werden soll.

Und Neste hat sich darauf spezialisiert?

Ja, Neste ist gut dafür eingerichtet, solche Öle zu höherwertigen Produkten zu verarbeiten. Relative billige Ölsorten zu teuren Produkten zu verarbeiten führt zu hohen Margen. Und genau die werden unserer Meinung nach vom Markt unterschätzt.

Haben sie sich nur auf die Raffinerien konzentriert?

Nein, wir haben auch andere Werte im Ölsektor. Wir denken, die Ölunternehmen haben in der Vergangenheit zu wenig investiert und werden das künftig nachholen. Das können sie entweder tun, indem sie bestehende Felder intensiver ausbeuten. Das wäre das so genannte „development spending, “ das in jüngerer Zeit deutlich zugenommen hat. Oder sie investieren mehr in die Exploration, also in die Suche und Verfizierung neuer Vorkommen. Und hier wurde nur unterproportional investiert.

Das heißt, hier sehen Sie Nachholbedarf?

Ja, aus diesem Grund haben wir in Unternehmen investiert, die seismische Untersuchungen machen. Für diesen Fonds haben wir beispielsweise die Aktien von TGS Nopec Geophysical Company erworben. Der Grund dafür ist folgender. Wenn man sich anschaut, wie die Förderungsrechte auf hoher See - zum Beispiel im Golf von Mexiko - versteigert werden, so gibt es nun mehr Bieter als früher. Nachdem sie die Rechte erworben haben, müssen sie die seismischen Landkarten von den entsprechenden Anbietern kaufen. Hat nun ein Unternehmen wie TGS seine Boote ausgeschickt und weite Teile des Golfs untersucht, so kann es nun nach einmaligen Kosten seine Ergebnisse vielfach verkaufen. Das führt zu entsprechenden Ertragsmöglichkeiten.

Aber sie haben sicherlich nicht nur in den Ölsektor investiert?

Nein, eine andere Idee ist Swedish Match. Das Unternehmen spezialisiert sich stark auf Zigarren, Schnupf- und Kautabak und kann im Unterschied zu anderen Unternehmen der Branche seine Umsätze steigern. Gleichzeitig ist das Unternehmen einen stabilen Cashflow und so gut wie keine Schulden. Aus diesem Grund hat das Unternehmen sehr viele eigene Aktien zurückgekauft und dürfte das auch künftig tun.

Weitere Ideen?

Wir mögen auch den deutschen Versorger Eon. Die Aktie ist mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von nicht einmal ganz zwölf auf Basis der Gewinnschätzung für das laufende Jahr günstig. Gleichzeitig hat das Unternehmen so gut wie keine Schulden, selbst wenn man die Pensionslasten einrechnet. Außerdem kann das Unternehmen einfach seine Preise erhöhen, wenn die Kosten steigen, um seine Marge zu halten. Gleichzeitig sieht die Dividendenrendite interessant aus, vor allem wenn man die Liquiditätssituation des Unternehmens berücksichtigt.

Wie ist der Fonds generell positioniert, wie hoch ist der Aktienanteil und so weiter?

Dieser Fonds ist ein reiner Aktienfonds und zu etwa 95 Prozent voll investiert. Wir hätten zwar theoretisch die Möglichkeit, bis zu 100 Prozent in Cash zu investieren. Aber ich denke, das werden wir nie ausnutzen, der normale Zustand wird wohl der sein, nahezu voll investiert zu sein. Nur sofern wir sehr überzeugt sind, daß der Markt nach unten gehen wird, werden wir den Cashanteil auf maximal 25 bis 30 Prozent erhöhen. Das wird allerdings immer nur für kurze Zeit der Fall sein. Wir wollen nicht damit den Index schlagen, sondern in erster Linie mit der Wahl der richtigen Einzelaktien.

Wann genau tendieren sie dazu, diese Möglichkeit zu nutzen?

Zum Beispiel wenn der Markt sehr gut gelaufen ist und alle sehr optimistisch geworden sind. Manchmal sind es auch nur überraschend ausgefallene Konjunkturdaten.

Verkaufen Sie dann Aktien oder Futures, oder kaufen Sie gar Puts?

Nein, wir verkaufen in diesen Fällen einen Teil der relativ teuer gewordenen und liquiden Aktien für ein paar Tage.

Welchen Eindruck haben sie von den Märkten generell und welche Risiken sehen Sie?

Aus Sicht der Bewertung sind die europäischen Märkte attraktiv. Sie sind in en vergangenen Wochen gut gelaufen, so daß eine kleine Pause nicht überraschen dürfte. Generell sind wir jedoch leicht optimistisch. Das Grundsätzliche Risiko liegt wohl in einer Abschwächung der weltwirtschaftlichen Aktivitäten.

Setzen sie auf solche Dinge wie die anstehende Parlamentswahl in Deutschland?

Ja, aber ich kann ihnen nicht verraten wie. Grundsätzlich interessant ist die Möglichkeit, daß die Wahl zu einer klaren Mehrheit führen könnte. Das eröffnetet die Möglichkeit für schon lange nötige und erwartete strukturelle Reformen. In diesem Sinne könnte der Wahlausgang hochinteressant werden.

Interessant heißt bullish?

Ich denke, wenn eine Mehrheit zustande kommt, die eine durchschlagenden Renten- oder Arbeitsmarktreform auf den Weg bringen kann und wahrscheinlich bringen wird, wird Deutschland sehr interessant werden.

Hintergrund

Der Threadneedle Pan European Accelerando (ISIN GB00B01CWZ36) ist einer der wenigen in Deutschland zugelassenen so genannten „Superfonds“. Das aktive Management ist auf eine möglichst hohe Alpha Generierung aus und kann nach der neuen Rechtslage auch stark in den Geldmarkt investieren, um eine hohe Liquidität aufzubauen, sollte sich der Marktausblick plötzlich verschlechtern oder Derivate beizumischen.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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