Interview

„Wir setzen nach wie vor auf Energie und Rohstoffe“

19.11.2005
, 13:12
„Hedge Fonds enttäuschen“, heißt es zwar immer wieder einmal. Aber es gibt genügend Manager, die das Gegenteil beweisen. Zum Beispiel Philip Mathews von Mathews Capital in Sydney. Er erläutert im Interview seine Strategie.

Ähnlich wie bei „normalen“ Fonds ist es bei Hedge Fonds wichtig, entweder in den richtigen Fonds zu richtigen Zeit investiert zu sein oder sich einem Fondsmanager anzuvertrauen. Er sollte schon längere Zeit im Markt sein und in dieser Zeit bewiesen haben, daß er eine nachhaltige Performance erwirtschaften kann.

Dazu zählt beispielsweise Philip Mathews, Gründer und Geschäftsführer von Mathews Capital in Sydney. Mit seinem Sabre Fund verbuchte in den vergangenen Jahren überdurchschnittliche Kursgewinne. Noch bis vor kurzem lag er mit einem Plus von mehr als 130 Prozent auf Sicht eines Jahres an der Spitze aller bei Bloomberg gelisteten Hedge Fonds, bevor es in den vergangenen Wochen bei den Energiewerten zu einer Korrektur kam.

Mit zwei privaten Fonds lag er in den vergangenen zwölf Jahren regelmäßig unter dem besten Prozent aller Long-Short-Hedge-Fonds weltweit. Im folgenden Interview erläutert er seine Strategie.

Sie verwalten zwei Fonds, den Sabre Fonds und seit Jahresbeginn den Tomahak Fonds. Der erste, der schon seit dem Jahr 2002 auf dem Markt ist, hat eine ausgezeichnete Performance. Wie erzielen Sie diese?

Wir versuchen in erster Linie marktbestimmende Themen und Trends zu identifizieren und setzen dann auf Branchen und Unternehmen, die davon profitieren. Das führt in der Regel zu einem ziemlich konzentrierten Portfolio, das unsere Performance erzeugt.

Welches sind im Moment in Ihren Augen die interessanten Themen, die die Segel im Wind haben?

Das sind Energie, Rohstoffe generell, der Industriebereich und nicht zuletzt die Finanzdienstleistungen.

Können Sie ein Beispiel dafür geben?

Ja, in den vergangenen Monaten waren wir stark - wie gesagt - im Energiebereich engagiert, nachdem wir die Angebots- und Nachfragedynamik im Ölbereich analysiert hatten. Denn im Moment sieht es so aus, als ob die weltweite Nachfrage die Produktionskapazität erreichen und auf die Weise zu einem anhaltenden Preisdruck führen kann. Immerhin gab es in den vergangenen Jahren so gut wie keine größeren Ölfunde. Aus diesem Grunde setzten wir auf ungehedgte Produzenten mit vorteilhaftem Produktionsprofil.

Wie sieht ihre Grundstrategie aus?

Wir sind prinzipiell ein global orientierter Long-Short-Manager, der absolute Erträge erwirtschaften will. Normalerweise konzentrieren wir uns vor allem auf den australischen Markt. Sollten wir so jedoch keine günstigen Gelegenheiten finden, schauen wir uns aber auch in anderen liquiden Märkten um, vor allem in Nordamerika und Europa. Wir investieren nicht in den Schwellenländern oder in Asien.

Können Sie Beispiele nennen?

Mit Blick auf das Öl schauten wir uns die großen Unternehmen der Branche in Amerika, Europa und Australien an und arbeiteten heraus, wer über die besten Reserven verfügt, wer das interessanteste Explorationspotential und Produktionsprofil hat und wer sich in der Vergangenheit solide entwickelt hat.

Und - bei welchen Werten sind die gelandet?

Wir waren und sind investiert in Woodside Petroleum in Australien, in Oil Search und wir sind auch engagiert im Finanzbereich. Denn die Regierung hat die Arbeitnehmer des Landes verpflichtet, mehr Geld für die Altersvorsorge zurückzulegen. Das führt zu Wachstum in diesem Bereich. Aus diesem Grund setzen wir auch auf Vermögensverwaltungsgesellschaften, die davon profitieren. Im Industriebereich haben wir unter anderem auf einen Turn-Around-Wert gesetzt, nämlich auf Brambles Industries.

Wie sehen sie die australische Wirtschaft im Moment? Nimmt das Wachstum nicht ab und sorgt auf diese Weise für einen trüberen Ausblick?

Wir beobachten eigentlich mehr die Entwicklung in den Vereinigten Staaten, da die dortigen Trends in Form von Wachstum, Inflation und so weiter sich sehr wahrscheinlich auch in Australien bemerkbar machen werden. Sollte sich die amerikanische Konjunktur abkühlen, dürfte das die Entwicklung in China dämpfen, was sich wiederum negativ auf die australische Exportnachfrage auswirken würde.

Im Moment sehen wir immer noch starke Nachfrage aus China, auch der amerikanische Konsument erhält noch Rückenwind vom Häusermarkt - so scheinen diese Trends nach wie vor in Takt zu sein. Aus diesem Grund sind wir immer noch stark exponiert im Rohstoffbereich, immerhin gehören BHP Billiton und Rio Tinto zu den größten Rohstoffwerten weltweit.

Sie fürchten nicht, daß sich steigende Zinsen in Amerika negativ bemerkbar machen könnten?

Wir schauen uns das genau an. Im Moment ist das Wachstum allerdings noch da und die Konsumenten sind noch in guter Verfassung. So bleiben wir dabei, bis der Trend bricht. Es könnte allerdings noch sechs bis zwölf Monate dauern, bis sich die Inflationsentwicklung durchsetzt.

Wie würden Sie darauf reagieren?

Ich denke, im Moment sind wir gut positioniert selbst für ein Umfeld mit höheren Zinsen. Wir wollen Aktien von Unternehmen haben, die Preisspielräume nach oben haben. So profitieren wir im Energiesektor von den steigenden Preisen, also von einer der Ursachen für eine mögliche inflationäre Entwicklung. Wir würden erst reagieren, wenn sich daran etwas ändern sollte.

Der Ölpreis befindet sich leicht auf dem Rückzug. Denken Sie nicht, er wird weiter fallen?

Wir befinden uns in einer saisonal schwachen Phase, so kann er durchaus zurückgehen bis auf 50 Dollar je Barrel Öl. Allerdings ist das historisch betrachtet immer noch ein hohes Niveau und mittelfristig wird er höher gehen, denn er ist nachfragegetrieben.

Sieht es mit anderen Rohstoffen wie etwa Kupfer ähnlich aus?

Ja, es wurde in der Vergangenheit einfach zu wenig investiert in diesem Bereich. Aus diesem Grund denken wir, wir stehen erst am Beginn einer deutlicheren Preisbewegung nach oben. Als sich Japan mit einer Bevölkerungen von 150 Millionen Leuten nach dem zweiten Weltkrieg industrialisierte, hatte das größere Auswirkungen auf die Rohstoffpreise. Nun befindet sich nicht nur China mit seinen 1,3 Milliarden Leuten auf diesem Weg, sondern auch Indien. Diese Länder sind zwar nicht so reich wie es Japan war, aber sie werden trotzdem das Rohstoffangebot förmlich aufsaugen und die Preise von Kupfer, Eisenerz, Kohle, Öl und so weiter nach oben bringen. Wir sehen im Moment noch keine Entspannung.

Nach welchen Kriterien suchen Sie sich die Aktien aus, die sie erwerben?

Wenn wir den Top-down-Blick haben, schauen wir uns nicht nur die finanziellen Kennzahlen der Unternehmen an, die in Betracht kommen. Zunächst wollen wie aus qualitativer Sicht ein gutes Management und danach interessiert uns in erster Linie ein starker Cashflow.

Sie sagten, Sie investieren nicht in den Schwellenländern. Wieso nicht?

Wir finden genügend Anlagemöglichkeiten. Der australische Markt ist sehr transparent und wir kennen uns hier sehr gut aus. Aus diesem Grund haben wir eine Art von Wettbewerbsvorteil.

Wieviel Geld verwalten Sie im Moment?

In der gesamten Gruppe sind es etwa 500 Millionen amerikanische Dollar.

Wie würden Sie die Anleger beschreiben, die bei Ihnen investieren?

In der Mehrheit sind das vermögende Privatkunden und so genannten Family Offices. Man muß dazu sagen, daß unsere Fonds aufgrund der konzentrierten Portfolios sehr volatil sind, zusätzlich nutzen wir auch Gearing. Im Oktober haben wir beispielsweise 25 Prozent verloren. Langfristig gehören wir jedoch zu den besten Long-Short-Fonds. Der Sabre-Fund hat sich beispielsweise in den drei Jahren seines Bestehens verfünffacht.

Sie sagten sie nutzen auch Gearing. Wie hoch ist der Leverage?

Wenn wir einen entschiedenen Blick auf den Markt haben, gehen wir bis zu 100 Prozent. Wir nehmen also für jeden Dollar Eigenkapital einen weiteren Dollar Fremdkapital auf.

Wie sind Sie im Moment positioniert, sind sie voll „geared“?

Nein, wir sind im Moment zwischen 160 und 170 Prozent „long“. Wir sind zwar noch recht positiv, aber wir hatten einerseits einen guten Sommer und auf der anderen Seite gibt uns die Inflationsentwicklung in Amerika immer mehr zu denken.

Nehmen Sie noch neue Gelder auf oder sind die Fonds geschlossen?

Der Tomahawk-Fund ist neu und wir könnten Gelder unterbringen bis zu einer Milliarde Dollar, er böte also noch Platz. Das Minimuminvestment liegt bei 500.000 Dollar. Wir machen allerdings keine aktive Werbung, das läuft in der Regel über Mundpropaganda.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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